Dänemark: Riesenpenis in Kinderserie löst Diskussionen aus

  • In der dänischen Zeichentrickserie für Kinder „John Dillermand“ löst die gleichnamige Figur viele Probleme mithilfe eines sehr langen Penis.
  • Das sorgt für hitzige Diskussionen – auch unter Experten.
  • Der TV-Sender verteidigt hingegen die Sendung: „Mit der Serie akzeptieren wir die aufkeimende Neugierde zu den Bereichen Körper und Geschlechtsteile.“
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Eine Kinderserie des dänischen TV-Senders DR löst derzeit eine Kontroverse aus. In der Sendung „John Dillermand“ schwingt die gleichnamige animierte Figur nämlich ständig einen langen Penis umher. Mit dem überzeichneten Körperteil kann Dillermand sogar Rettungsaktionen durchführen oder anderen Kindern das Eis stehlen.

Das Wort „Dillermand“ steht im Dänischen übrigens umgangssprachlich für „Penismann“. Dass die Serie sich laut Angaben des öffentlich-rechtlichen Senders an Kinder im Alter von vier bis acht Jahren richten soll, sorgt in den Medien und unter Experten für Aufruhr.

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Sexualtherapeutin: „Warum muss es ein Penis sein?“

Paar- und Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning sieht in dem vermeintlichen Penis eher „eine lange Schnur oder einen Tierschwanz.“ Betrachte man diese Schnur als etwas anderes als einen Penis, sei aus psychologischer Sicht schon eine gewisse Botschaft in der Kinderserie zu erkennen: „Dieser Mann ist wahnsinnig patzig und naiv. Seine Oma bestimmt zum Beispiel über ihn, obwohl er schon alt ist. Dieses lange Ding bringt ihn außerdem ständig in problematische Situationen, indem er zum Beispiel festhängt oder sich einkeilt“, erklärt die gebürtige Dänin dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Auf der anderen Seite rettet er damit aber auch die Welt.“ Das habe einen gewissen Übertragungswert.

Die Therapeutin störe sich jedoch sehr an der Bezeichnung als männliches Geschlechtsorgan. „Darin sehe ich keinen Sinn und ich frage mich, warum muss es dann überhaupt ein Penis sein? Es sieht nicht aus wie ein Penis und es erfüllt nicht dieselben Funktionen, wie ein menschlicher Penis. Da verstehe ich den Übertragungswert nicht“, so Henning zum RND. „Witzig ist das nicht.“

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Genderexperte kritisiert Kinderserie

Christian Groes, Professor an der Universität Roskilde und Experte im Bereich der Genderforschung, äußerte sich im Interview mit „The Guardian“ kritisch zu dem in der Serie vermittelten Bild: „Es soll lustig sein, deswegen wird es als harmlos angesehen. Aber das ist es nicht. Und das bringen wir unseren Kindern bei.“ Die Sendung würde zudem schlechtes Verhalten von Männern in Schutz nehmen: „Die Serie hält die Standardvorstellung einer patriarchalischen Gesellschaft aufrecht und normalisiert die ‚Umkleidekabinenkultur‘, die dazu benutzt wurde, eine Menge schlechten Verhaltens von Männern zu entschuldigen.“

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Die dänische Kinder- und Familienpsychologin Erla Heinesen Højsted sieht das ganz anders, wie sie „The Guardian“ gegenüber verdeutlicht: „‚John Dillermand‘ spricht mit Kindern und teilt ihre Denkweise – und Kinder finden Genitalien durchaus lustig.“ Außerdem vermittle die Serie auch Grenzen und Verantwortung für die eigenen Handlungen: „Wenn eine Frau in der Serie ihm zum Beispiel sagt, dass er seinen Penis in der Hose lassen soll, hört er darauf. Das ist schön.“

Dänischer Sender: Kinderserie ist Teil „einer langen Tradition“

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Diese Meinung teilt auch der zuständige TV-Sender DR. Der dort verantwortliche Redakteur für Kinder-TV, Morten Skov Hansen, verdeutlichte in einem Statement, das der „Bild“ vorliegt, dass die Serie völlig „unschädlich“ sei. „John Dillermand lebt in einer fiktiven und humoristischen Welt. Es ist eine Zeichentrickserie, in der Humor, Übertreibung und Magie im Mittelpunkt stehen. Mit der Serie akzeptieren wir die aufkeimende Neugierde zu den Bereichen Körper und Geschlechtsteile. Das ist gerade für diese Altersgruppe spannend.“ Außerdem sei die Sendung Teil „einer langen Tradition“. Damit verweist Hansen auf andere TV-Projekte, die in der Vergangenheit zum Beispiel Nacktheit und die Anatomie des menschlichen Körpers thematisierten.

RND/al

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