Crime Time: Vorhang auf für die Actionheldinnen

  • Die nächsten zwei Wochen stehen im Zeichen der Ermittlerinnen, Polizistinnen, Kommissarinnen: Die Frauen erobern die Krimilandschaft.
  • Während eine TV-Kommissarin Anfang der 90er im „Tatort“ noch eine Neuheit war, sieht das heute glücklicherweise anders aus.
  • Eine neue Ausgabe unseres Crime-Time-Newsletters.
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Lieber Leserinnen und Leser,

was haben Kay Freund, Kate und Sarah Kohr gemeinsam? Genau: Sie sind drei Krimiheldinnen, die nicht auf männliche Kollegen angewiesen sind und in den nächsten zwei Wochen die Fernsehbildschirme erobern. Kay Freund (gespielt von Seyneb Saleh), das ist die Polizistin, die an der Seite des von Jürgen Vogel verkörperten Kommissars Robert Heffler in der neuen Freitagskrimiserie „Jenseits der Spree“ zu sehen ist – und des Öfteren ungehalten reagiert, wenn der alleinerziehende Kollege sie einfach stehen lässt, um sich um seine drei Teenietöchter zu kümmern, während sie quasi für den Job auf ein Privatleben verzichtet.

Killerin Kate wiederum braucht nicht mal einen männlichen Sidekick im nach ihr benannten Netflix-Thriller „Kate“ – nur einen Gegenspieler. Sie wurde bei einem letzten Auftrag vergiftet und zieht los, die daran Schuldigen ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. Und die bereits bekannte Sarah Kohr, nach der gleich eine ganze Krimireihe im ZDF benannt wurde, nimmt es in einer neuen Folge laut unseres Kritikers sogar locker auf mit Actionhelden wie Bruce Willis. Wenn das keine geballte Frauenpower ist!

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Das liegt übrigens nicht an unserer individuellen Film- und Serienauswahl für diesen Newsletter, sondern daran, dass in der Krimilandschaft offenbar endlich mehr Ermittlerinnen, Polizistinnen und Kommissarinnen eine wichtige Rolle spielen – wie im echten Leben schon lange. Während etwa Ulrike Folkerts 1989 im „Tatort“ als Lena Odenthal noch die erste Kommissarin der des Deutschen und der Deutschen liebsten Krimireihe wurde, die es da immerhin schon knapp 20 (!) Jahre gab, ist heute rund die Hälfte der Ermittlerinnen und Ermittler in dem Format weiblich. Auch reine Frauenteams gehören seit einer Weile dazu. Nicht nur im „Tatort“, sondern auch in anderen Krimis. Zum Glück.

Mit diesen guten Nachrichten und ein paar spannenden Krimis wünsche ich Ihnen nun ein schönes Wochenende. Viel Spaß beim Bestaunen der Actionheldinnen – und natürlich auch Actionhelden – bei ihren neuesten Abenteuern!

Ihre Hannah Scheiwe

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Augenzeugen

Countdown einer Killerin: Mary Elizabeth Winstead im Netflix-Thriller „Kate“

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Mary Elizabeth Winstead ist eine actionerfahrene Darstellerin. Aber so hart wie im Netflix-Film „Kate“ musste sie noch nie ran: Darin spielt sie eine Killerin, die gern aussteigen will; raus aus dem extremen Leben in ein normales, vielleicht sogar mit Familie. Doch erst nach einem letzten Job. „Letzte Aufträge sind schicksalhaft in solchen Filmen, das weiß man“, kommentiert RND-Redakteur Matthias Halbig.

Und so kommt es dann auch: Ein aparter Fremder, den Kate sich in einer Bar für eine wonnige Nacht ausgesucht hat, vergiftet sie. „Einen Tag höchstens“ habe sie noch zu leben, sagt ihr ein Arzt. 24 Stunden Zeit hat sie zu ergründen, wer sie tödlich vergiftet hat. Und so zieht Kate los, die an ihrem Tod Schuldigen ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. Der Regisseur Cedric Nicolas-Troyan inszeniert den Countdown eines Lebens souverän, findet unser Kritiker. „Sich ‚Kate‘ anzuschauen, bereitet durchaus Pläsier. Die Optik ist das Wucherpfund dieses hochenergetischen Films“, so sein Fazit.

„Kate“ ist bereits bei Netflix streambar.

„Tatort: Der Reiz des Bösen“: Die toten Frauen kennen ihre Männer aus der Haft

Der neue „Tatort: Der Reiz des Bösen“ aus Köln beleuchtet das Leben von Frauen, die sich in Häftlinge verlieben, über Brieffreundschaften mit Gefangenen – und später tot aufgefunden werden. Hier liegt zunächst die Wurzel und Konstante der Frauenmorde dieses Krimis. Und obwohl die Ermittler Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt) eher wieder mit Altmännerwitzen auffallen, nimmt der Krimi Tempo auf.

„Die Geschichte arbeitet an vielen Fronten, plausibel scheinen sie fast alle, im Rahmen eines Sonntagabendkrimis jedenfalls, der stets die Überzeichnung sucht“, so der Eindruck unseres Kritikers Lars Grote. „Am Ende aber wird es drastisch, ein radikaler, hastig inszenierter Zeitsprung sprengt die Ketten jeder ‚Tatort‘-Konvention.“ Er spricht von einem schockierenden Kniff – keine schlechte Sache für einen Sonntagabend.

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Der Kölner „Tatort: Der Reiz des Bösen“ läuft am Sonntag, 19. September, ab 20.15 Uhr im Ersten.

„Jenseits der Spree“: Neue Freitagskrimiserie mit Jürgen Vogel

Robert Heffler (Jürgen Vogel) und Katharina Koblinski (Elisabeth Baulitz) während eines für Robert folgenschweren Einsatzes. © Quelle: ZDF und Oliver Feist

In der neuen ZDF-Freitagsserie „Jenseits der Spree“ geht es um ein ungewöhnliches Duo, bestehend aus einem erfahrenen Polizisten und einer deutlich jüngeren Kollegin. Robert Heffler (Jürgen Vogel) arbeitet seit einer schweren Verletzung nur noch im Innendienst. Und während die meisten TV-Kommissare in der Regel gar keine Zeit für eine Familie haben, pflegt der alleinerziehende Vater dreier Teenagertöchter pünktlich Feierabend zu machen. Kollegin Kay Freund (Seyneb Saleh) scheint dagegen kein Privatleben zu haben und ist des Öfteren entsprechend ungehalten, wenn Heffler sie einfach stehen lässt, weil er zum Kochen nach Hause muss.

Eigentlich arbeitet Heffler wie gesagt seit einem Vorfall im Innendienst – doch weil seiner Partnerin (Elisabeth Baulitz) das Personal ausgeht, soll Heffler ausnahmsweise bei einem Mordfall einspringen und die junge Kollegin Freund unterstützen; selbstverständlich bleibt es nicht bei dieser einen Ausnahme. Laut RND-Kritiker Tilmann P. Gangloff sind die in sich abgeschlossenen Handlungen der Serie eher konventionell gehalten. „Jedoch erfreut die Serie durch einen Rollentausch der beiden Hauptfiguren“, so seine Meinung.

„Jenseits der Spree“ läuft am 24. September ab 20.15 Uhr im ZDF.

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„Die Heimsuchung“: Wenn der Heimaturlaub zum Horrortrip wird

Marion (Kristin Suckow) hilft ihrem Freund Ben (Kostja Ullmann) bei dem Rätsel aus seiner Vergangenheit. © Quelle: ARD Degeto/Gordon Mühle

„Die Heimsuchung“ ist ein verzwickter Thriller mit Kostja Ullmann als traumatisiertem Polizisten: Bei einem Einsatz des von ihm gespielten Ben wird ein kleines Mädchen erschossen und er entgeht nur knapp dem Tod. Als er aus dem Koma aufwacht, kommt er körperlich schnell wieder zu Kräften, doch der Gedanke an das tote Mädchen nagt nicht nur an seiner Seele – er wird auch von beängstigenden Visionen heimgesucht, die in horrorartigen Szenen gezeigt werden.

Um Abstand zu gewinnen, fährt Ben gemeinsam mit seiner Freundin Marion an die Ostsee, wo seine Eltern Ralph und Anke leben. Doch auch dort kommt er nicht zur Ruhe: Als Kind hatte er einen besten Freund, der vor mehr als 20 Jahren bei einem tragischen Unfall vermeintlich ums Leben kam. Timmi erstickte auf dem heimischen Bauernhof in einem Silo. Zu seinem Erstaunen erfährt Ben, dass sein Kinderfreund damals gar nicht ums Leben kam, sondern seit dem Unglück im nahen Krankenhaus im Koma liegt. Immer mehr Fragen kommen auf, die auch Bens Eltern betreffen. „Gekonnt steigert Regisseur Rick die Spannung, treibt seinen Protagonisten immer mehr in den Wahnsinn und zitiert dabei Meisterwerke des Mysterythrillers wie ‚Vertigo‘ oder ‚Wenn die Gondeln Trauer tragen‘“, so unser Kritiker Martin Weber über die Filmgestaltung – und spricht von einem „wahrlich verblüffenden Schluss“.

„Die Heimsuchung“ läuft am 25. September ab 20.15 Uhr im Ersten und ist bereits ab dem 23. September in der ARD-Mediathek zu sehen.

„Sarah Kohr: Stiller Tod“: Eine Actionheldin wie aus dem Popcornkino der 80er und 90er

Sarah Kohr ist wieder da – und verhindert diesmal einen Giftgasanschlag in Hamburg. In der neuen Folge der Krimireihe mit dem Episodentitel „Stiller Tod“ glänzt die Ermittlerin erneut in zahlreichen Actionszenen. „Wie einst Bruce Willis prügelt und schießt sich diese äußerlich eher unscheinbare Frau durch ihre Fälle“, berichtet RND-Kritiker Ernst Corinth begeistert.

Doch worum geht‘s eigentlich in dem neuesten Fall? „Stiller Tod“ beginnt mit einem wilden Prolog, der eigentlich mit dem unausweichlichen Tod der Heldin endet. Danach folgt eine gut 80-minütige Rückblende, die die Vorgeschichte erzählt: Schauplatz ist eine Hamburger Firma, die darauf spezialisiert ist, Giftgas unter anderem aus dem Syrien-Krieg zu vernichten. Ein junger Mitarbeiter zeigt seiner Freundin gerade, wie das vonstatten geht. Plötzlich jedoch zieht die Frau eine Pistole, nimmt den gerade eine Giftgasgranate entschärfenden Chef ihres Freundes als Geisel und flüchtet dann mit ihm und dem Giftgas. Ein Fall für Sarah Kohr, die sich hier actionmäßig in Szene setzen kann.

Der neue Film aus der „Sarah Kohr“-Reihe läuft am 27. September ab 20.15 Uhr im ZDF.

Neueste Ermittlungen

Nach Kritik an Aussagen zu Corona-Impfung: NDR will weiter Schweiger-„Tatort“ drehen

Til Schweiger als Nick Tschiller in einem „Tatort“.

Seit 2013 steht Til Schweiger für den NDR als „Tatort“-Kommissar Nick Tschiller vor der Kamera, der letzte Krimi „Tschill Out“ lief im Januar 2020 in der ARD. Nun fiel der Schauspieler mit umstrittenen Äußerungen zum Coronavirus und zu Impfungen für Kinder auf. Konsequenzen für seine Rolle beim NDR hat dies aber zunächst nicht, wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erfährt. Auf Anfrage verweist der Sender auf ein früheres Statement, in dem es heißt: „Wir arbeiten dran und suchen nach Möglichkeiten, wie ein nächster ‚Tatort‘ mit Til Schweiger aussehen könnte. Noch haben wir jedoch nichts Konkretes in der Hand, aber auch keine Eile.“ Eine Distanzierung von Schweiger ist das nicht.

Am Tatort

Seit 1970 haben die TV-Zuschauerinnen und Zuschauer schon mehr als 1000 „Tatort“-Folgen gesehen. An alle wird sich kaum einer erinnern. Doch gibt es ein paar Folgen, die so niemand mehr zu sehen bekommt, um das Gedächtnis aufzufrischen. Die sind im sogenannten Giftschrank der ARD gelandet und werden weder für Wiederholungen noch für die Mediathek wieder herausgekramt. Welche Folgen in den Tiefen des Archivs verschwunden sind – und warum sie niemand mehr zu Gesicht bekommt, hat unser Autor Matthias Schwarzer aufgeschrieben.

Kriminalstatistik

Die „Tatort“-Melodie haben viele im Ohr. Es gibt davon aber auch mehrere Remixes, die im Laufe der Jahre entstanden sind, unter anderem „Chillout“. Zudem gibt es etwa auch eine Heavy-Guitar-Version des Songs.

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