Crime Time: stürmische Zeiten für wetterfeste Ermittler

  • Der Herbst schlägt sich auch in den neuen Krimiserien nieder.
  • Ob Nordic-Noir oder friesisch herb: Sturm ist angesagt bei den TV-Ermittlerinnen und -Ermittlern.
  • Doch wer keine Lust auf herbstliche Regenfälle hat, kann sich auch (jahres-)zeitlosen Krimis zuwenden.
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Liebe Leserinnen und Leser,

tiefe Wolken, pfeifender Wind, düstere Lichtstimmung: Auch wenn man über das typische Herbstwetter derzeit leicht meckern kann – es wirkt teilweise wie das perfekte Hintergrundsetting eines TV-Krimis. Zum Beispiel für die Nordic-Noir-Serie „Der Kastanienmann“, die derzeit bei Netflix läuft. Denn durch genau solch ein Herbstwetter müssen sich die zwei Polizisten Naia Thulin (Danica Curcic) und Marc Hess (Mikkel Boe Følsgaard) kämpfen, um einen mysteriösen Killer, der gruselige Kastanienmännchen hinterlässt, zu jagen. Trüb hängt hier die dunstige Herbstluft zwischen den Häuserzeilen Kopenhagens. Die Wälder wirken unheilvoll mit ihren rostbraunen Baumkronen. Auch das Wasser des Öresund nagt unruhig an den Promenaden, als hätte es sein eigenes Geheimnis.

Das Wetter in der Serie ist viel mehr als das Wetter: Es ist Stimmungsträger und -überträger. Auch in einer anderen Serie, die in den kommenden Tagen zu sehen ist, wird das Wetter als solches eingesetzt. Während es sonst in „Nord Nord Mord“ meist humorvoll zugeht, wird der Sylter Kommissariatsleiter Carl Sievers nun von der dunklen Vergangenheit heimgesucht. Und prompt setzt stürmisches Wetter ein.

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Doch warum gewittert es in Filmen und Serien eigentlich immer genau im richtigen Moment? Warum öffnet sich der Himmel und der Regen bricht über die Protagonisten herein, wenn sie just dem Höhepunkt des Spannungsbogens entgegenkämpfen? Ob in Kinderfilmen wie bei „Ronja Räubertochter“, ob zum romantischen Kuss von Held und Mary Jane in „Spiderman“, ob zum leidenschaftlichen Liebesgeständnis in „Frühstück bei Tiffanys“: Plötzlich und ohne Vorankündigung regnet es in Strömen. Die Protagonisten werden nass bis auf die Haut.

Dieser Einsatz des Wetters stammt ursprünglich aus der Romantik: Freilich, die Romantiker, die Periode dauerte von etwa 1795 bis 1835, griffen für diesen Ausdruck auf Öl und Leinwand und nicht auf Zelluloid oder Pixel zurück. Doch ist die Idee dieselbe geblieben: Das äußere Bild, die Wirkung des Zusammenspiels von Landschaft und Licht, spiegelt den inneren Seelenzustand wider. So gesehen zum Beispiel bei dem bekanntesten Vertreter der Epoche: Caspar David Friedrich. Im „Mönch am Meer“ ist der titelgebende Mönch nur ein Schatten, der vor einem so unruhigen Meer steht, dass es keine Oberfläche zu haben scheint. Der Eindruck von Melancholie, Einsamkeit und Unruhe entsteht nicht durch die kleine Rückfigur im unteren Drittel des Bildes, sondern durch das Stimmungsbild der Landschaft.

Caspar David Friedrich: "Der Mönch am Meer", um 1808 / 1810, Öl auf Leinwand. © Quelle: picture-alliance / akg-images / Joseph Martin

Doch die Realität ist wie so oft eine andere: Auf gutes – oder passendes – Wetter hoffen, das kann man schon machen. Doch gehorcht die Wetterlage dem inneren Zustand oder gar Wunsch eher selten. Es regnet, wenn man den Regenschirm vergessen hat. Die Sonne scheint auf mürrisches Gemüt. Und so muss man sich weiterhin in Regenklamotten auf dem Rad durch den kalten Gegenwind kämpfen, auch wenn einem so gar nicht danach ist.

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Viel Spaß beim Schauen der herbstlichen Krimiserien!

Ihre Geraldine Oetken

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Augenzeugen

Nordic-Noir-Serie „Der Kastanienmann“: Creepy in Kopenhagen

Frauen sterben in Kopenhagen und die Polizei findet gruselige Kastanienfiguren bei ihren entstellten Leichen. In der Nordic-Noir-Serie „Der Kastanienmann“ müssen eine Polizistin und ein Polizist herausfinden, was die Morde mit der Entführung eines Kindes zu tun haben. Das alles geschieht in düsterer Herbstatmosphäre, die Dänemark besonders trist erscheinen lässt.

Für die Serie, die auf einem Roman von „Kommissarin Lund“-Erfinder Søren Sveistrup beruht, der auch einer der Serienschöpfer ist, hätte sich unser RND-Redakteur Matthias Halbig noch etwas mehr Erzählzeit als die sechs Folgen gewünscht. Und doch nennt er sie einen der „stärksten Netflix-Serien-Outputs der vergangenen Monate, deren Cliffhanger das Publikum bis zum Ende der sechsten Episode bei der Stange halten – bis der Schatten zum Showdown ins Licht tritt“.

„Der Kastanienmann“ ist bereits bei Netflix abrufbar.

Grusel-Comedy „Wellington Paranormal“: großer Hund in Blue Jeans

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Die fantasielosen Polizeikräfte Minogue und O‘Leary kennt man aus dem Kultfilm „5 Zimmer, Küche, Sarg“. Nach dessen Erfolg haben die Filmemacher Taika Waititi und Jemaine Clement eine Mockumentary-Comedyserie für sie ersonnen. In „Wellington Paranormal“ suchen sie nach rationalen Erklärungen für Monster, Geister und Aliens.

„Trockener Humor und blutige Bilder kommen gut zusammen“, befindet unser Kritiker Matthias Halbig. Dass vornehmlich auf Lacher gezielt werde, bedeute nicht, dass der Horror nicht auch auf Angst und Schrecken beim Publikum abzielen würde. Die Spezialeffekte sind gelungen, findet der Kollege – und sieht eine Verbindung zu „Akte X“. „An die bekannteste aller Gruselspezialeinheiten erinnert nicht nur ‚Wellington Paranormals‘ von Clement selbst geschriebene Titelmusik, sondern auch alles sonst.“

„Wellington Paranormal“ ist seit dem 12. Oktober bei Sky streambar.

Katastrophenthriller „Blackout“: Ganz Europa ohne Strom

Sind dem "Blackout" auf der Spur: Moritz Bleibtreu, Marie Leuenberger und Heiner Lauterbach (v.l.n.r.) in der Joyn-Serie. © Quelle: Joyn/W&B Television, Gordon Timp

Ganz Europa liegt im Dunkeln: Die Joyn-Serie „Blackout“ wagt das recht düstere Gedankenexperiment eines größflächigen und wochenlangen Stromausfalls. Die hochkarätig besetzte Produktion, unter anderem mit Moritz Bleibtreu, Heiner Lauterbach und Marie Leuenberger, nimmt sich dabei den gleichnamigen Bestellerroman von Marc Elsberg zur Vorlage.

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Die Serie, die aufgrund ihres Plots fast nur im Dunkeln spielt, verdeutlicht eindrücklich, wie abhängig die moderne Zivilisation von der Stromversorgung ist. Ohne Strom laufen keine Benzinpumpen an Tankstellen, eine Wasserversorgung ist nicht mehr möglich, Krankenhäuser geraten in Extremsituationen – man könnte die Liste lange fortführen. Im Interview mit Redakteurin Hannah Scheiwe spricht Bleibtreu etwa darüber, dass er so ein Szenario für „nicht zu hundert Prozent utopisch“ hält.

„Blackout“ ist seit dem 14. Oktober bei Joyn+ streambar.

Neuer Dresden-„Tatort“: Drama einer Unsichtbaren

Anna Schneider (Milena Tscharntke) ist auf offener Straße tot zusammengebrochen. Die Kommissarinnen Leo Winkler (Cornelia Gröschel, li.) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) glauben nicht an einen natürlichen Tod. © Quelle: Hardy Spitz/MDR/MadeFor/Hardy Sp

Im Dresdner „Tatort: Unsichtbar“ bricht eine junge Frau am helllichten Tag mitten auf der Straße tot zusammen. Zuvor wurde sie gestalkt – und hatte heftige Schmerzanfälle, für die sich keine neurologische Ursache finden lässt. Die Obduktion ergibt keine Hinweise auf äußere Gewalteinwirkung. Auch für die Vermutung, sie könnte vergiftet worden sein, finden sich keine Beweise. Dennoch ermitteln die Kommissarinnen Gorniak und Winkler weiter: Sie haben das Gefühl, dass es Mord war.

An der Aufklärung des rätselhaften Todes hat Gorniak auch deshalb ein Interesse, weil sie ebenfalls mit Schmerzen kämpft, die denen des Opfers entsprechen. Auch bei ihr kann der Arzt nichts finden. Außerdem werden ihr 20 Jahre alte Videoschnipsel einer Party geschickt und sie erhält Drohanrufe. Die Ermittlerinnen fragen sich: Welchen Zusammenhang gibt es zwischen den Frauen? Auf den ersten Blick keine – Gorniak hat die Cafébetreiberin noch nie gesehen. Doch nach und nach setzen sich für den Zuschauenden die Puzzleteilchen zusammen. „Der neue Fall ist ein spannendes Psychogramm, das einen Blick hinter die verletzliche Fassade der Täterin oder des Täters erlaubt“, so das Fazit von Redakteurin Hannah Scheiwe. Lesen Sie dazu auch ihr Interview mit Anna Maria Mühe.

Der „Tatort: Unsichtbar“ läuft am 17. Oktober ab 20.15 Uhr im Ersten.

„The Drowning“: Tauchgang ins Unterbewusstsein

Mutter sucht vermisstes Kind: Das klingt erst mal wie ein abgedroschener Krimistoff. Es wird im britischen Vierteiler „The Drowning“ aber zum Tauchgang ins Unterbewusstsein von Serienfiguren und Zuschauenden, berichtet unser Kritiker Jan Freitag. Darin glaubt die Mutter Jodie Walsh, neun Jahre nach dem Verschwinden ihres damals vierjährigen Sohnes Tom diesen als Teenager wiederzuerkennen – und fängt an, ihm nachzustellen.

Der scheinbar erlösende Moment des Wiedersehens mit dem verlorenen Sohn entpuppt sich als Beginn einer Kettenreaktion wechselnder Verletzungen und Schuldvorwürfe, die mit jeder der vier Episoden mehr kaputtmacht als das einstige Unglück selbst. „Wie ein schleichendes Gift injiziert die Regisseurin der Hauptfigur ihren Cocktail aus Sehnsucht, Zweifel, Hoffnung und Misstrauen, den sie mithilfe eines nervösen Grundrauschens auch akustisch in die Köpfe ihrer Protagonisten drückt“, so unser Rezensent.

„The Drowning“ ist ab dem 17. Oktober unter anderem bei Sky und Magenta streambar.

„Nord Nord Mord: Sievers und der schwarze Engel“: Düstere Stimmung statt Humor

Eigentlich hat sich die Sylter Serie „Nord Nord Mord“ als Krimi mit Schmunzelfaktor etabliert. Doch bei der neuen Folge, die am 18. Oktober zu sehen ist, ist auf einmal alles anders. Nicht nur muss der Sylter Kommissariatsleiter Carl Sievers fürchten, dass ihn die Vergangenheit einholt. Selbst der tollpatschige Kommissar Hinnerk Feldmann hält sich mit seinen Slapstick-Einlagen zurück. Doch worum geht es? Sievers ließ sich vor seiner Zeit auf Sylt in Kiel auf eine Stalkerin ein. Nach einer kurzen Affäre soll er sie körperlich attackiert haben. Das Verfahren läuft – Sievers sitzt es auf Sylt aus. Nun ist die Stalkerin aber genau dort aufgetaucht und steht direkt im Zentrum eines Mordfalls. Ein reicher Unternehmer wird erschlagen in seinem Hotelbett aufgefunden – mit ihm soll die Stalkerin eine Beziehung geführt haben. Statt der typischen Witze folgen nun also friesisch-stoische Ermittlungen, das Ermittlerteam sortiert Verdächtige und Motive. „Und um solch einen komplexen Fall schließlich aufzuklären, braucht es wirklich einen Mann wie Sievers“, schreibt unser Kritiker Ernst Corinth. Spannung tritt an die Stelle von Humor – und die Auflösung gerät wirklich überraschend.

Die neue Episode „Nord Nord Mord“ läuft am 18. Oktober ab 20.15 Uhr im ZDF.

Dritter Makatsch-„Tatort“: Der blinde Fleck in den Ermittlungen

Neue Ermittlungswege: Ellen Berlinger (Heike Makatsch) versucht gemeinsam mit der blinden Zeugin Rosa (Henriette Nagel) herauszufinden, welches Parfüm sie am Tatort gerochen hat. © Quelle: SWR/Bettina Müller

In ihrem dritten „Tatort“-Fall „Blind Date“ hat Kommissarin Ellen Berlinger (Heike Makatsch) es in einem Mordfall mit einer blinden Zeugin zu tun. Die Studentin Rosa hat als Einzige den Überfall auf eine Tankstelle, der für den Tankwart tödlich endet, mitbekommen. Nicht nur müssen Berlinger und ihr Kollege Rascher, beide im Umgang mit Blinden unerfahren und überfordert, deshalb neue Ermittlungswege einschlagen und sich auf die Wahrnehmungen der Zeugin einlassen, die junge Frau scheint auch etwas vor ihnen zu verbergen. Kennt sie das Täterpärchen, das man früh im Film kennenlernt? Pflegt sie sogar irgendeine Beziehung zu ihnen?

RND-Redakteurin Hannah Scheiwe nennt den Krimi in ihrer Kritik einen, „der seine Stärke daraus zieht, dass er dieser ambivalenten Figur und ihren Sehnsüchten so nahe kommt“. Der Zuschauer oder die Zuschauerin ist nah dran an den Wünschen und Ängsten der blinden Zeugin; ihrer Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben, ohne ihre überfürsorglichen Eltern, und auch ihren sexuellen Geheimnissen. Gleichzeitig blickt man hinter die Fassade dieses Täterduos, von dem einer oder eine den tödlichen Schuss abgefeuert hat. „Dass auch Kommissarin Berlinger wieder privat einiges mit sich – und ihrem Kind – auszumachen hat, gerät da fast in den Hintergrund“, so der Eindruck unserer Kritikerin.

Der „Tatort: Blind Date“ ist am 24. Oktober ab 20.15 Uhr in der ARD zu sehen.

28.10., ARD, 20.15; „Charlotte Link – Die Suche“, zweiteiliger Krimi

Neueste Ermittlungen

Er ist zurück: Michael C. Hall ist wieder als Serienkiller „Dexter“ zu sehen. © Quelle: Sky / Showtiime

Tagsüber Forensiker, nachts unaufhaltsamer Triebtäter: Dexter (Michael C. Hall) sorgte in der gleichnamigen Serie (2006 bis 2013) für einen kalkulierten Tabubruch. Nun kehrt „Deutschlands beliebtester Serienkiller“ nach acht Jahren Abwesenheit zurück: Ab dem 22. November gibt es bei Sky eine neunte Staffel der Serie, wieder mit Michael C. Hall als Hauptdarsteller. Was die Fans davon erwarten können, lesen Sie hier.

Verhör

In ihrem dritten "Tatort"-Fall: Heike Makatsch als Ermittlerin Ellen Berlinger. © Quelle: SWR/Bettina Müller

Nach drei Jahren Pause ist Heike Makatsch zurück im „Tatort“ und spielt im Fall „Blind Date“ wieder die Mainzer Ermittlerin Ellen Berlinger. Doch bis zum nächsten Krimi mit ihr wird es nicht wieder so lange dauern: Ein weiterer wurde bereits abgedreht und soll 2022 laufen. Außerdem sagt die Schauspielerin im Interview mit RND-Redakteurin Hannah Scheiwe: „Es wird jetzt schon wieder geschrieben für einen weiteren ‚Tatort‘ und der Wunsch ist auf allen Seiten da, dass es weitergeht.“ Im Gespräch geht es außerdem um Makatschs Blick auf die Diversität im deutschen Fernsehen und um den Umgang mit ihren Kindern. Lesen Sie das ganze Gespräch hier.

Kriminalstatistik

Professor Boerne aus dem Münster-„Tatort“ kennen alle Fans der Krimireihe. Aber wussten Sie auch, dass die Figur ein reales Vorbild hat? Professor Bernd Brinkmann war von 1987 bis 2007 Direktor des Instituts für Rechtsmedizin in Münster. Er hat im Lauf seiner beruflichen Laufbahn mehr als 550 Artikel veröffentlicht und gilt als Modell für Prof. Boerne im Münsteraner „Tatort“.

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