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Newsletter „Crime Time“: „Polizeiruf 110“-Jubiläum sorgt für Krimiflut im TV

  • Eigentlich wird es zum Sommer eher dünner mit Krimis im deutschen TV.
  • In diesem Jahr ist das etwas anders: Der „Polizeiruf“ wird 50 und die öffentlich-rechtlichen Sender wiederholen sämtliche spannenden Filme aus den letzten Jahrzehnten.
  • Alle weiteren Infos zu neuen Krimis finden Sie natürlich auch in der neusten Ausgabe von „Crime Time“.
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Liebe Leserinnen und Leser,

Selten gab es im deutschen Fernsehen so viele Thriller in so kurzer Zeit zu sehen wie in den kommenden Wochen. Nicht nur Krimifans haben deshalb einen Grund zur Freude – auch der „Polizeiruf 110″. Nach dem runden Geburtstag des „Tatort“ im vergangenen Jahr wird nun nämlich auch das Ostpendant 50 Jahre alt.

Zum ersten Mal flimmerte der „Polizeiruf“ am 27. Juni 1971 über die Bildschirme, das eigentliche Jubiläum ist also erst in vier Wochen. Das deutsche Fernsehen widmet der Krimireihe aber gleich einen ganzen Monat und sendet deshalb schon am Sonntag (30. Mai, 20.15 Uhr) den Jubiläumskrimi. Passend dazu bekommt die Krimireihe nicht nur ein neues Ermittlerteam, sondern auch noch eine Neuerung bei der Ausstrahlung: Zum ersten Mal überhaupt wird ein „Polizeiruf“ komplett in Gebärdensprache übersetzt. Der MDR will damit „barrierefreie Programmzugänge“ schaffen.

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Nach dem Jubiläumsfilm schwappt dann eine wahre Krimiflut ins deutsche Fernsehen: Nicht nur die ARD, auch die Dritten Programme zeigen bis Ende Juni dutzende Wiederholungen der beliebten Krimireihe. Am 28. Juni gibt es sogar eine ganze „Polizeiruf“-Nacht, in der gleich vier Folgen hintereinander gezeigt werden. Die ganze Auflistung finden Sie hier. Mehr über die Entstehungsgeschichte, die Unterschiede zum „Tatort“ und die legendärsten Folgen des „Polizeiruf“ hat unser Kollege Jan Sternberg hier zusammengefasst.

Das sind Ihnen noch nicht genug spannende Filme? Dann haben wir wie immer noch mehr Tipps – und natürlich weitere spannende Infos rund um das Thema Krimi für Sie in unserer neuen Ausgabe „Crime Time“ zusammengestellt.

Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

Ihre Lena Obschinsky

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Augenzeugen

„Polizeiruf: An der Saale hellem Strande“: Neue Ermittler, alte Bekannte

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Extra zum großen Jubiläum gönnt sich der „Polizeiruf“ ein neues Ermittlerteam. Peter Kurth als Kriminalhauptkommissar Henry Koitzsch und Peter Schneider als Kommissar Michael Lehmann tappen bei ihren Ermittlungen aber erst einmal ganz schön im Dunkeln. Ein Messermord in Halle ist schon drei Monate her und noch immer fehlt die heiße Spur. Also werden nach einer Telefonauswertung massenhaft Zeugen eingeladen. In kuriosen Befragungssituationen werden Charaktere liebevoll skizziert, während die Auflösung des Falls in weite Ferne rückt. Auch alte „Polizeiruf“-Bekannte tauchen auf.

Und die neuen Herren Beamten? „Das neue Duo, mit dem rauen, gleichzeitig romantischen Kommissar Koitzsch und dem zugänglicheren, manchmal trotzdem verzweifelnden Ermittler Lehmann, überzeugt bei seiner Premiere“, findet unsere Kritikerin Hannah Schweiwe und wünscht sich: „Mehr davon, bitte.“

Der Jubiläumsfall „Polizeiruf: An der Saale hellem Strande“ ist am Sonntag, 30. Mai, um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.

„Landkrimi: Waidmannsdank“: Karges Land, düstere Geschichten

Hier ist das Idyll wirklich nur Fassade: Ein Jäger liegt eines Morgens tot vor einem Hochsitz. Die Sprossen der Leiter waren manipuliert worden. Wie es bei einem Provinzkrimi so ist, sind alle möglichen Verdächtigen zumindest verfeindet und häufig auch noch verwandt. Der Anschlag in „Waidmannsdank“ galt einem alteingesessenen Bauern, der Land für eine große Hotelanlage verkaufen wollte. Sogar sein Sohn (Robert Stadlober) stand mit ihm deswegen auf Kriegsfuß.

Besonders ist allerdings bei diesem Film, dass die Unwirtlichkeit der Herbstlandschaft in Kärnten gänzlich ausgekostet wird. „Viele Einstellungen wirken, als seien sie Gemälden von Caspar David Friedrich nachempfunden, wenn auch ohne jede Romantik“, schreibt unser Kritiker Tilmann P. Gangloff. Und das passe gerade vorzüglich in die düstere Geschichte – der 19. ZDF-„Landkrimi“ soll einer der besten aus der Reihe sein.

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„Waidmannsdank“ ist am Montag, 31. Mai, um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.

„Limbo“: Gutes Konzept mit logischen Lücken

Der Film „Limbo“ von Jungregisseur Tim Dünschede ist ein gewagtes Experiment für die ARD: Schließlich wurde der Thriller ohne einen einzigen Schnitt gedreht. Ana Bergmann (Elisa Schlott) ist eine Wirtschaftsprüferin, die kurz nach Feierabend bei ihren Recherchen auf Geldwäscheaktivitäten in ihrem Unternehmen stößt. Sie landet in einem Club, in dem illegale Boxkämpfe stattfinden und alle möglichen zwielichtigen Gestalten durch die immer gleichen Gänge irren. Dabei schafft es der Film gekonnt, in der einzigen Kamerafahrt von einer Person zur nächsten zu springen.

Doch leider ist die Filmtechnik hier spannender als die Story. „Limbo“ hat logische Lücken, Spannung will nicht ganz aufkommen und so verrauscht das Experiment im filmischen Nirwana, schreibt unser Kritiker Ernst Corinth.

Die ARD zeigt „Limbo“ am Dienstag, 1. Juni, um 22.50 Uhr.

Gemengelage aus Angst und Gewalt: Martin Semmelrogge (l.) als Ozzy und Netschirwan Idris als Kunta in einer Szene des Films „Limbo“. © Quelle: ARD
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„Exit“: Abgedrehte Banker, schonungslose Offenheit

Vier erfolgreiche Broker langweilen sich in der norwegischen Serie „Exit“ mit ihrem luxuriösen Leben. Und so schaffen sie sich eine geheime Parallelwelt mit Drogen, Prostituierten und Gewalt, in der sie ihre Allmachtsfantasien ausleben können. Folge um Folge steigern sich die Exzesse und man könnte sie als absurd abstempeln, würde die norwegische Serie nicht auf echten Gesprächsprotokollen mit Finanzjongleuren basieren.

Bedrückend ist die Eskalation, die an „American Psycho“ angelehnt ist und entfesselte toxische Männlichkeit, gepaart mit entfesseltem Kapitalismus und ebenso entfesseltem Hedonismus schmerzhaft schonungslos beschreibt. Allein schon die Aussicht, ihnen beim drohenden Kollaps beizuwohnen, erhöht daher die Vorfreude auf Staffel zwei, resümiert unser Autor Jan Freitag.

ZDF neo sendet am 5. Juni alle acht Folgen „Exit“ von 23.35 Uhr bis 4.05 Uhr am Stück – oder ab 6. Juni in der Mediathek.

„Tatort: Die dritte Haut“: Teure Miete, toter Makler

„Guten Morgen, Berlin. Du kannst so hässlich sein. So dreckig und grau“, singt Peter Fox in seiner Berlin-Hymne „Schwarz zu Blau“. Und diese Zeilen passen perfekt zur neuen „Tatort“-Folge „Die dritte Haut“ aus der Hauptstadt. Gezeigt wird eine Stadt, in der sich die Bürgerinnen und Bürger wegen steigender Mieten das Leben nicht mehr leisten können. Als der Juniorchef einer Immobilienfirma dann tot vor dem Haus liegt, an dem am Tag zuvor eine Familie ihre Wohnung zwangsräumen musste, liegt der Fall nun bei den Ermittlern Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke). Karow nörgelt gewohnt selbstverliebt, Rubin will irgendwie helfen.

Während sich die beiden Kommissare durch die Etagen im Wohnhaus fragen, wird deutlich, wie sehr Berlins Bürgerinnen und Bürger um ihr Wohnrecht kämpfen – und der „Tatort“ scheut auch nicht vor schonungslos herzzerreißenden Lebensgeschichten. Die Tätersuche läuft zwar nach konventioneller „Tatort“-Manier ab, doch Situationskomik und sorgsam komponierte Bilder entschädigen reichlich dafür, schreibt unsere Kritikerin Geraldine Oetken.

Zwangsräumung in Berlin: An einem kalten Novembermorgen muss Otto Wagner (Peter René Lüdicke) mit seiner Familie die Wohnung verlassen. Nach der Übernahme des Mietshauses durch die Ceylan Immobilien wird es Stück für Stück entmietet. Alte Verabredungen gelten nicht mehr und so sorgt die Umzugsfirma von Axel Schmiedtchen (Ingo Hülsmann) für eine schnelle, besenreine Übergabe. Karow (Mark Waschke) und Rubin (Meret Becker) stellen den Mord am Immobilienmanager Ceylan nach. © Quelle: rbb/Gordon Muehle

„Der Giftanschlag von Salisbury“: Unsichtbare Gefahr, große Panik

Der Mordversuch auf den Ex-Agenten Sergej Skripal und seine Tochter 2018 im britischen Salisbury ist vielen noch präsent – doch blickt die fiktive Miniserie „Der Giftanschlag von Salisbury“ weiter als nur auf die eigentliche Attacke, die nach wie vor das Verhältnis zwischen Europa und Russland belastet. Denn nachdem bei dem ehemaligen russischen Agenten das Nervengift Nowitschok nachgewiesen wurde, mussten die Bürgerinnen und Bürger Salisburys befürchten, dass sich im gesamten Stadtgebiet Spuren befanden.

Nach und nach brechen immer mehr Bürgerinnen und Bürger in der vierteiligen fiktiven Serie plötzlich zusammen – die Panik vor der unsichtbaren und unberechenbaren Gefahr wächst. „Der Giftanschlag von Salisbury“ ist eine sehenswerte Horrorserie, die ganz ohne Fangzähne und Kettensägen auskommt, schreibt Jan Freitag.

Die erste Folge von „Der Giftanschlag von Salisbury“ wird am Donnerstag, 10. Juni, um 20.15 Uhr bei Arte ausgestrahlt.

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Neueste Ermittlungen

Im Sommer ruht das Verbrechen zwar nicht, doch „Tatort“ und „Polizeiruf“ machen Urlaub. Nur noch drei Termine sind für die neuen ARD-Krimis im TV-Programm vor der Sommerpause vermerkt: Der Jubiliäums-„Polizeiruf“ „An der Saale hellem Strande“ am 30. Mai, „Die dritte Haut“ der Berliner Ermittler am 6. Juni und die „Polizeiruf“-Folge „Frau Schrödingers Katze“ am 20. Juni. Dann müssen sich Fans der beiden Krimireihen mit Wiederholungen begnügen – oder auf unsere Streamingtipps umsteigen.

Im Verhör

Bevor die beiden neuen Ermittler des „Polizeiruf 110″ ihren Dienst antreten, haben wir sie zum Verhör geladen. Hannah Scheiwe sprach mit Peter Kurth und Peter Schneider über das 50-jährige „Polizeiruf“-Jubiläum, den neuen Einsatzort Halle und subversive Krimis in der DDR. Außerdem erklären die beiden Schauspieler, warum sie sich das mit der Rente auch mit 64 und 46 Jahren noch nicht vorstellen können. Wer aber erfahren will, warum Peter Schneider privat gerne Partnerannoncen liest, muss das gesamte Interview lesen.

Peter Kurth (links) als Kommissar Henry Koitzsch und Peter Schneider als Kommissar Michael Lehmann geben beim „Polizeiruf“ ihr Debüt. © Quelle: Felix Abraham/MDR/filmpool ficti

Am Tatort

Wer verstehen will, was Deutsche über sich denken, muss den „Tatort“ sehen, sagte ein Freund aus Portugal zu „Tatort“-Ermittler Mark Waschke. Doch wie entsteht eigentlich der Krimistoff, der (fast) jeden Sonntag anhand eines Mordes gesellschaftsrelevante Themen verhandelt? Unsere Redakteurin Hannah Scheiwe hat mit Senderchefs und -chefinnen, Autoren und Autorinnen und „Tatort“-Redakteuren und -redakteurinnen gesprochen. So entsteht ein Drehbuch für den beliebtesten deutschen Krimi.

Kriminalstatistik

Wüssten Sie auf Anhieb, wer die erste Leiche überhaupt im „Tatort“ war? Es war ein neunjähriger Junge mit dem Namen Bertram Landsberger. Er starb in der Folge „Taxi nach Leipzig“ (1970). Gespielt wurde er damals allerdings von einem Mädchen, Petra Mahlau. Sie war die Tochter des Kameramanns und nur drei Sekunden lang in der Folge zu sehen.

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