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Crime Time: #MeToo erreicht den deutschen TV-Krimi

Neuer Stuttgarter „Tatort“: Kim Tramell (Ursina Lardi) steht im Mittelpunkt der Ermittlungen der Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare): Sie beschuldigt ihren Chef der Vergewaltigung.

Liebe Leserinnen und Leser,

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der Hashtag #MeToo hat vor vier Jahren erst Hollywood und dann die ganze Welt erschüttert. Nun erreicht das Thema mit viel Verzögerung auch nach und nach den deutschen Krimi. So beschäftigt sich etwa der neueste Stuttgarter „Tatort“ (läuft am 1. Januar) mit dem Thema. Wurde eine Versicherungsmathematikerin von ihrem Chef vergewaltigt, wie sie behauptet? Oder hatte sie einvernehmlich Sex mit ihrem Vorgesetzten, um an eine bessere Position im Job zu kommen?

Sicherlich kein einfaches Thema für einen „Tatort“, und eines, mit dem man sensibel umgehen muss. Aber es ist nicht das erste Mal, dass #MeToo im Krimigenre auftaucht. In den USA lief bereits vor zwei Jahren mit „Bombshell“ ein großer #MeToo-Film an, wenig später zeigte das ZDF „Im finsteren Tal“ mit Natalia Wörner, in dem es unter anderem um einen Hotelchef ging, der seinen Mitarbeiterinnen gegenüber übergriffig wurde. Im Oktober dieses Jahres beschäftigte sich eine „SOKO Stuttgart“-Folge mit dem eindeutigen Titel „#MeToo“ mit dem Thema: Darin stirbt der Chefredakteur des „Stuttgarter Abendblatts“ – und es war kein Unfall, wie sich schnell herausstellt. Es hatten sich in der Redaktion mehrere Fälle von sexuellen Übergriffen ereignet, die von dem Getöteten ausgingen.

Dass solche Gesellschaftsthemen oft erst etwas zeitversetzt im Krimi (und auch in anderen Filmen) ankommen, hat übrigens auch einen pragmatischen Grund: Vom ersten Drehbuchkonzept bis zum fertigen Film dauert es oft mehrere Jahre. Es wäre also nicht verwunderlich, sollten die #MeToo-Krimis nun zunehmen.

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Wir werden das für Sie im Blick behalten – und wünschen nun erst mal weiterhin schöne Weihnachten und viel Spaß beim Sichten unserer Krimitipps!

Ihre Hannah Scheiwe

Augenzeugen

Furtwängler-„Tatort: Alles kommt zurück“: Welche Rolle spielt Udo Lindenberg?

Maria Furtwängler und Udo Lindenberg gemeinsam im „Tatort“ – darauf haben so manche Fans gewartet.

Maria Furtwängler und Udo Lindenberg gemeinsam im „Tatort“ – darauf haben so manche Fans gewartet.

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Na endlich! Schon lange wird über den Furtwängler-„Tatort“ mit Udo Lindenberg gesprochen, nun läuft er am zweiten Weihnachtstag im Fernsehen. In dem Krimi ist Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) zum Sex im Hotel Atlantic verabredet. Als sie dort ankommt, findet sie ihr Date tot auf – und wird selbst zur Tatverdächtigen. Dabei hat sie Lindenberg noch fliehen sehen. Nur doof, dass zu dem Zeitpunkt gerade ein Wettbewerb mit ein bis zwei Dutzend Lindenberg-Doppelgängern im Haus stattfindet. War es der echte?

„Die Idee ist derart originell, da spielt es fast keine Rolle mehr, dass die Umsetzung zuweilen übers Ziel hinausschießt“, findet RND-Autor Tilmann P. Gangloff, der sich in seiner Kritik begeistert von dem Film, in dem Furtwängler auch als Koproduzentin agierte, zeigt. Das Ganze klinge zwar nach Schmunzelkrimi und Parodie, entpuppe sich aber „als durchaus ernstzunehmender Film“.

Der „Tatort: Alles kommt zurück“ läuft am 26. Dezember ab 20.15 Uhr in der ARD.

Thrillerserie „Yellowjackets“: Kriegerinnen des Balls

Ein Frauen-Soccerteam stürzt mit dem Flugzeug in der kanadischen Wildnis ab und wird erst nach 19 Monaten gefunden – doch einige von ihnen bleiben verschwunden. Was ist damals passiert? Die Thrillerserie von Ashley Lyle und Bart Nickerson („Narcos“, „Narcos: Mexiko“) spielt auf zwei Zeitebenen. 25 Jahre später bekommen die Überlebenden nämlich unheimliche Post und gehen dieser nach.

„Die ersten drei (von zehn) Folgen, die von Sky zur Verfügung gestellt wurden, lassen auf die verbleibenden sieben hoffen“, so der Eindruck von RND-Redakteur Matthias Halbig. „Die Figuren sind gut entwickelt, die Dialoge sind lebensvoll, in jeder Episode kommen Geheimnisse ans Licht, wird neue Unbill angerissen, bis man alles wissen will und unrettbar am Haken der Geschichte ist.“

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„Yellowjackets“ ist ab dem 28. Dezember bei Sky streambar.

„Rosenheim Cops“: ein Winterspecial mit „Simsalabim“ und „Es war einmal …“

„Es gabat a Leich“: Im Winterspecial der „Rosenheim Cops“ darf Miriam Stöckl (Marisa Burger), seit fast 20 Jahren die „Frau für alle Fälle“ im Polizeipräsidium, gleich zweimal diesen Satz sagen. Doppelte Sendezeit bedeutet offenbar auch zwei Leichen. Eine davon ist einer der Sprösslinge der millionenschweren Unternehmerfamilie Herrling, deren Vorzeigefamilienbild die Kommissare Anton Stadler und Sven Hansen (Dieter Fischer, Igor Jeftic) schnell demontieren.

„Für Fans der Serie dürfte das einem verspäteten Weihnachtsgeschenk gleichkommen“, kommentiert unser Kritiker Andreas Kötter die extralange Folge. Und: Weil „Mörderische Gesellschaft“, so der Titel des Specials, bereits vor einiger Zeit gedreht wurde, ist Sina Wilke noch mit von der Partie, während ihre Figur, die Rechtsmedizinerin Sandra Mai, in der fortlaufenden Staffel längst ausgetauscht wurde. Ansonsten bleibt alles beim Alten: Trotz Mord wird am Ende wieder alles gut – die „Rosenheim Cops“ sind eben doch mehr Märchen als Krimi.

Das Winterspecial „Die Rosenheim Cops“ läuft am 29. Dezember ab 20.15 Uhr im ZDF.

Stuttgarter „Tatort: Videobeweis“: #MeToo-Fall beschäftigt die Kommissare

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In dem Neujahrs-„Tatort“ müssen die Stuttgarter Ermittler Lannert und Bootz (Richy Müller, Felix Klare) herausfinden, ob Versicherungsmathematikerin Kim Tramell (Ursina Lardi) nach der Weihnachtsfeier von ihrem verheirateten Chef Oliver Jansen (Oliver Wnuk) vergewaltigt worden ist oder sich auf einvernehmlichen Sex eingelassen hat im Tausch gegen eine Beförderung und sich nun als Opfer darstellt. Der Konkurrent um den Posten, Idris Demir (Ulas Kilic), hat das Paar beim Sex gefilmt und ist anschließend ermordet worden. Als Verdächtige kommen nur Jansen und Tramell infrage.

Der Fall bewegt sich mit dieser #MeToo-Variation auf dünnem Eis, findet unser Kritiker Tilmann P. Gangloff. „Vier Jahre nach der durch die Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein ausgelösten „MeToo“-Kampagne erscheint es schon fast als Affront, eine Frau zu verdächtigen, sie habe sich einen derartigen Vorwurf bloß ausgedacht“, schreibt er. Dennoch nennt er den Krimi einen vorzüglich gestalteten und ausgezeichnet gespielten Film.

Der „Tatort: Videobeweis“ läuft am 1. Januar ab 20.15 Uhr im Ersten.

Dortmunder „Tatort: Gier und Angst“: Drama um Ermittler Pawlak

Steht im Mittelpunkt dieses Falls: Kommissar Jan Pawlak (Rick Okon, links).

Steht im Mittelpunkt dieses Falls: Kommissar Jan Pawlak (Rick Okon, links).

Im neuen Dortmunder „Tatort“ geht’s um einen Mord im Finanzmilieu: Der nervöse Manager Josef Micklitza (Stefan Rudolf) erscheint im Polizeipräsidium bei Faber, Bönisch und Co. Auf dem Gelände des Dortmunder Hafens hat er in einem Auto einen Toten mit einer Schussverletzung gefunden. Das Opfer war sein Vermögensberater.

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Doch dieser Todesfall gerät schnell in den Hintergrund, wie unser Kritiker Ernst Corinth berichtet. Ein privater Kriegsschauplatz rückt dafür ins Visier des Ermittlers Jan Pawlak (Rick Okon). Da Manager Micklitza mittlerweile untergetaucht ist, befragen die Ermittlerinnen und Ermittler seinen Bruder (Sascha Gersak), der im Dortmunder Party- und Drogenmilieu aktiv ist. Genau dabei hat Pawlak eine Begegnung, die ihn fast aus der Bahn wirft. Im Hintergrund einer Diskothek entdeckt er plötzlich seine vor einem Jahr spurlos verschwundene Frau, die ihn und die gemeinsame Tochter verlassen hat und nun offenbar mit Micklitzas Bruder zusammenlebt und wieder Drogen nimmt.

Der „Tatort: Gier und Angst“ läuft am 2. Januar ab 20.15 Uhr in der ARD.

„Nord bei Nordwest: Der Andy von nebenan“: das Herz eines Riesen

In der 20. „Nord bei Nordwest“-Episode findet der „Andy von nebenan“ die Leiche seines Adoptivvaters – und steht dann auch noch unter Mordverdacht. Ein Fall für den LKA-Kommissar Hauke Jacobs (Hinnerk Schönemann) und seine Kolleginnen und Kollegen.

Der Krimi lebt dabei vor allem vom Feingefühl, mit dem Christoph Franken die Titelfigur des Andy verkörpert, findet unser Kritiker Tilmann P. Gangloff. Er lobt aber auch Regisseurin Nina Wolfrum, die bereits einige Episoden für „Nord bei Nordwest“ inszeniert hat und seiner Meinung nach für Niels Holles Drehbuch bis auf einen kleinen Durchhänger gegen Ende genau das richtige Tempo gefunden hat.

„Nord bei Nordwest: Der Andy von nebenan“ läuft am 6. Januar ab 20.15 Uhr in der ARD.

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Neue Ermittlungen

2022 wird ein Jubiläumsjahr für die „Tatort“-Teams des WDR. So feiert der beliebte Münster-„Tatort“ mit Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) seinen 20. Geburtstag. Der 40. Krimi des Duos mit dem Titel „Des Teufels langer Atem“ ist bereits abgedreht und wird am 16. Januar gezeigt. Fünf Jahre mehr auf dem Buckel haben die Kölner Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär), die nächstes Jahr ihr 25-jähriges Dienstjubiläum begehen. Und für das Dortmunder „Tatort“-Team ist es der zehnte Geburtstag.

Verhör

Spielt einen Serienmörder und Vergewaltiger: Felix Klare.

Spielt einen Serienmörder und Vergewaltiger: Felix Klare.

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Die meisten Zuschauer kennen Felix Klare als Kommissar aus dem Stuttgarter „Tatort“: Doch Anfang 2022 ist der Schauspieler in einem weiteren Krimiformat zu sehen, der ARD-Serie „Schneller als die Angst“. Und diesmal steht er auf der anderen Seite des Gesetzes: Er spielt einen Serienmörder und Vergewaltiger, der aus dem Gefängnis ausbricht und vor der Polizei flieht. Im Interview mit RND-Redakteurin Hannah Scheiwe spricht er über diese besondere Rolle und auch über die Folgen seiner Teilnahme an der Aktion #allesdichtmachen im Frühjahr. So sagt er auch: „Ich bin seit der #allesdichtmachen-Aktion aus den unsozialen Medien ausgestiegen.“

Kriminalstatistik

Zum liebsten Krimi der Deutschen gehört auch die Musik dazu: 17 Lieder enthält die CD „Tatort – Die Songs“, die Manfred Krug und Charles Brauer seit 1996 im „Tatort“ sangen. Produziert wurde sie von Klaus Doldinger, dem Komponisten der „Tatort“-Melodie.

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