Crime Time: Die Akte Schimanski – oder wie Götz George zum Kommissar wurde

  • Die Kommissare und Kommissarinnen aus dem „Tatort“ kommen uns manchmal wie alte Bekannte vor.
  • Doch wer denkt sich ihre Interessen, Marotten und Beziehungen aus? Dem widmet sich eine Doku am Beispiel von Ermittler Schimanski.
  • In unserer neuen Crime-Time-Ausgabe werfen wir einen Blick darauf – sowie auf weitere Krimi-Highlights der nächsten zwei Wochen.
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Liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie sich schonmal gefragt, wie eigentlich die Figur eines „Tatort“-Kommissars oder einer -Kommissarin entsteht? Wer denkt sich die Interessen, die Marotten und das Beziehungsgeflecht des Ermittlers oder der Ermittlerin aus? Und wenn der Charakter steht, wie werden dafür dann die passenden Schauspieler oder Schauspielerinnen gefunden?

Für einen der berühmtesten Kommissare wird dieses Geheimnis nun gelüftet: Die „Akte Schimanski“ (läuft am 7. Dezember ab 23.45 Uhr im WDR) beleuchtet die Entstehung und Entwicklung des Ermittlers Horst Schimanski. Drehbuchautoren und -autorinnen, Regisseure und Regisseurinnen sowie Produzenten und Produzentinnen kommen in der Doku zu Wort und erzählen, wie aus dem Ruhrpott-Polizisten der erfolgreichste Ermittler aller Zeiten wurde. Bis heute hält der Schimanski-„Tatort“ vom 29. Dezember 1991 die Rekordquote von 16,68 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern. Götz George verkörperte die Rolle zwischen 1981 und 2013 29-mal. Dabei war für den Ermittler eigentlich ein ganz anderer Schauspieler vorgesehen: Eberhard Feik sollte ihn ursprünglich spielen.

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In der Konzeption und Weiterentwicklung der „Tatort“-Ermittler und -Ermittlerinnen steckt also viel Liebe zum Detail. Kein Wunder also, dass sich die Polizisten und Polizistinnen in den vergangenen Jahren parallel zu Diversitätsdebatten in der Gesellschaft verändert haben – in vielerlei Hinsicht. So wurde 2015 Mark Waschke alias Robert Karow als erster Kommissar offiziell bisexuell. Florence Kasumba trat 2019 als Anaïs Schmitz ihren Dienst als erste schwarze „Tatort“-Kommissarin überhaupt an – und seit November diesen Jahres ermittelt in Berlin Tan Caglar alias Malik Aslan im Rollstuhl. Und mit Peter Faber (gespielt von Jörg Hartmann) ermittelt in Dortmund seit 2012 ein Kommissar, der immer wieder mit psychischen Problemen zu kämpfen hat.

Der „Tatort“ erfindet sich also auch nach seinem 50. Jubiläum immer wieder neu. Auch in dieser Ausgabe von Crime Time besprechen wir die neueste Folge des beliebten Krimiformats – haben aber auch weitere Empfehlungen aus den kommenden zwei Wochen für Sie.

Viel Spaß beim Anschauen!

Ihre Lena Obschinsky

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Augenzeugen

Spin-off „Dexter: New Blood“: Die letzte offene Rechnung

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Michael C. Hall ist als Dexter zurück - als der Mörder, der Mörder tötet. © Quelle: --/Sky/dpa

Der Serienmörder, der dem Gesetz entkommene Serienmörder tötete, ist zurück: Das „Dexter“-Spin-Off entschädigt Fans der Thrillerserie für das seltsame Ende in der achten und letzten Staffel, findet unser Kritiker Matthias Halbig. Clyde Phillips, Showrunner der ersten vier „glorreichen Staffeln“, ist wieder am Ruder und darf sein Glück für den Sender Showtime (in Deutschland bei Sky) aufs Neue zu versuchen.

Wir treffen Dexter acht Jahre nach der letzten Staffel im fiktiven Städtchen Iron Lake wieder. Er ist Verkäufer in einem Waffengeschäft und die Leute haben ihn ins Herz geschlossen. Er hat den „dark passenger“ in sich versenkt und lebt ein offenbar glückliches Landleben. Bis ein Typ namens Matt Caldwell in den Laden kommt, um ein Gewehr zu kaufen, und Dexter von einem Unfall mit fünf Toten erfährt, an dem der Waffennarr die Schuld trug und für den er nie zur Verantwortung gezogen wurde. Der Vigilant, der die Ungerächten rächt und ungesühntes Unrecht tilgt, ist zurück. Unser Rezensent ist begeistert: „Alles rundet sich zu einem ziemlich fesselnden Drama und Thriller und wird die stimmigste „Dexter“-Staffel seit der vierten.“

„Dexter: New Blood“ ist bereits streambar bei Sky.

„Tatort: Masken“: Ein Mord in der Pick-Up-Artists-Szene

Im neuen Dortmund-„Tatort“ wird ein Polizist totgefahren, der Teil der Szene der Pick-Up-Artists, sogenannter „Aufreiß-Künstler“, war. Ein Motiv hätten gleich mehrere. Etwa seine Kollegin Jessica, die Opfer von den Aufreißtaktiken des Toten wurde. Oder Paul, ebenfalls ein junger Kollege und der beste Freund des Toten. Zu dessen Lebzeiten war er immer auf den Erfolg seines Freundes eifersüchtig und zudem noch irgendwie mit seiner Ex, der Witwe des Toten, verbandelt.

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Es wird schnell deutlich: Komplizierte Beziehungsgeflechte dominieren diesen Krimi. Die Kommissarin Martina Bönisch (Anna Schudt) und ihr Kollege Peter Faber (Jörg Hartmann) müssen in die Szene eintauchen – und funktionieren dabei einmal mehr als gutes Krimi-Paar, wie unser Rezensent Ernst Corinth findet. Generell ist er voll des Lobes für diesen Film: „Obwohl das alles ziemlich kompliziert klingt, ist dieser Fall bis zum schön-traurigen Ende sehr unterhaltsam, sehr gut konstruiert, und auch der vermeintlich verbissene Kampf der Geschlechter wird witzig präsentiert“, so sein Fazit.

Der „Tatort: Masken“ läuft am Sonntag, 28. November, ab 20.15 Uhr im Ersten.

„Solo für Weiss – Das letzte Opfer“: Ermittlerin Nora Weiss darf endlich Gefühle zeigen

Wirkt meist eiskalt: Ermittlerin Nora Weiss (Anna Maria Mühe). © Quelle: ZDF und Christine Schroeder

Sie ist wieder da: Zielfahnderin Nora Weiss (Anna Maria Mühe) ermittelt in ihrem sechsten Fall der Reihe „Solo für Weiss“. Und es ist diesmal ein sehr persönlicher: Der leitende Kriminaldirektor, ihr Boss, begeht Selbstmord und hinterlässt ihr ein kriminalistisches Vermächtnis. Vor zwei Jahren ist seine erwachsene Tochter Jasmin spurlos verschwunden und der Vater hat die Suche bis zu seinem Freitod nicht aufgegeben. Nun soll Weiss weitermachen.

Obwohl die Ermittlerin den Chef nie besonders mochte, macht sie den Auftrag des Verstorbenen zu ihrer Herzensangelegenheit. Und kommt dabei offenbar einem Serienmörder auf die Spur. Dabei lässt die sonst kalt wirkende Polizistin erstmals punktuell Gefühle zu – der Fall nagt an ihr. „Ausführlich widmet sich „Das letzte Opfer“ den seelischen Verschleißerscheinungen des Berufes, in dem die Jäger oft zum Gejagten ihrer nicht abgeschlossenen Fälle werden“, so die Beschreibung unseres Kritikers Martin Schwickert, der aber versichert, dass diese Gefühle Weiss trotzdem nicht den analytischen Blick vernebeln. „Ein wenig mehr von der Klarheit seiner Heldin hätte man auch dem Drehbuch gewünscht, dessen Plotstruktur überfrachtet wirkt“, so sein Fazit.

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„Solo für Weiss – Das letzte Opfer“ läuft am 29. November ab 20.15 Uhr im ZDF.

„Wolfsland: Böses Blut“: Der verdächtige Kommissar

In der neuen Folge der ARD-Krimireihe gerät Kommissar Butsch (Götz Schubert) selbst in den Fokus von Ermittlungen. Eine Frau wirft ihm vor, ihn vergewaltigt zu haben. Er streitet das ab, verstrickt sich dabei aber immer mehr in Widersprüche, sodass ihm schlussendlich nur noch seine Kollegin Viola Delbrück (Yvonne Catterfeld) glaubt. Die stellt auf eigene Faust Ermittlungen an, um Butschs Unschuld zu beweisen.

„Die Geschichte ist spannend inszeniert, auch wenn manche Hinweise in diesem Krimi zu früh kommen“, befindet unser Rezensent Ernst Corinth. Er nennt den Film sehenswert, „weil all die Intrigen und Finten, die der Täter oder die Täterin clever inszeniert, durchaus überraschend sind“.

„Wolfsland: Böses Blut“ läuft am 2. Dezember ab 20.15 Uhr im Ersten.

Brandenburger „Polizeiruf 110: Hermann“: Ein Immobilienstreit und ein einsamer Kommissar

Einsamer Kriminalhauptkommissar: Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) wurde in der letzten Folge von seiner Kollegin verlassen. © Quelle: rbb/Maor Waisburd

Tief im Osten an der Oder taucht der „Polizeiruf 110: Hermann″ ein in einen komplizierten Häuserkampf. Eine jüdische Familie und ihre früheren Nachbarn streiten sich vor Gericht um eine Immobilie – und die Ingenieurin, die hätte helfen können, wird tot aufgefunden. Beiden Seiten hat sie offenbar Unterlagen zugesagt, die ihre jeweilige Sicht des Rechtsanspruchs angeblich stützen. Hat sie die zwei Parteien ausgespielt, um sich zu bereichern?

Kommissar Adam Raczek muss in dem Fall weitestgehend allein ermitteln, seine Kollegin Olga Lenski hat ihn in der letzten Folge verlassen. Doch Unterstützung bekommt er vorerst von Kriminalhauptkommissarin Alexandra Luschke (Gisa Flake) und Markus Oelßner (Bernd Hölscher), was unserem Autor Lars Grote gut gefällt. Den gesamten Film sieht er aber eher kritisch: „Optisch ohne großen Ehrgeiz wird der Frage nachgegangen, die Geschichte müht sich um Versöhnung und sie sucht ein Bauernopfer. Krimi-Alltag mit guter Absicht, mühsam und glanzlos inszeniert“, so sein Fazit.

Der „Polizeiruf 110: Hermann“ läuft am 5. Dezember ab 20.15 Uhr in der ARD.

„Die Akte Schimanski“: Eine Doku über den legendären „Tatort“-Kommissar

Vor 40 Jahren löste er seinen ersten Fall: Nun widmet sich eine ganze Doku dem legendären „Tatort“-Kommissar Horst Schimanski. Darin geht es etwa darum, wie „Schimmi“ eigentlich an seinen Namen kam – inklusive witziger Anekdote –, oder darum, dass Kultdarsteller Götz George zunächst gar nicht die Rolle spielen sollte, sondern Eberhard Feik, der dann aber doch zu Schimmis Ermittlerkollege Christian Thanner wurde.

Film- und Fernsehexpertinnen und -experten kommen hier zu Wort, etwa Meisterregisseur Dominik Graf oder der frühere legendäre TV-Produzent Günter Rohrbach. Einen „informativen und vergnüglichen Beitrag“ nennt unser Kritiker Martin Weber die Doku – sie lasse Erinnerungen an eine Zeit wach werden, in der der „Tatort“ es dank Schimanski aus einem „bedauernswerten Zustand“ herausschaffte.

„Die Akte Schimanski“ läuft am 7. Dezember ab 23.45 Uhr im WDR.

Neueste Ermittlungen

Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) mit ihrem prominenten "Tatort"-Gast Udo Lindenberg. © Quelle: NDR/Frizzi Kurkhaus

Schon länger ist bekannt, dass Maria Furtwängler als Kommissarin Charlotte Lindholm in ihrem nächsten „Tatort“-Fall einen prominenten Gast hat: den Sänger Udo Lindenberg. Nun hat die ARD auch bekanntgegeben, wann der von vielen erwartete Film laufen soll – und zwar am zweiten Weihnachtstag, dem 26. Dezember.

Regie bei dem Krimi mit dem Titel „Alles kommt zurück“ führte Detlev Buck („Männerpension“, „Knallhart“). „Tatort“-Star Maria Furtwängler entwickelte das Drehbuch mit und fungierte auch erstmals als Koproduzentin. Es wird ein Solofall für ihre Ermittlerin Charlotte Lindholm, die sonst Unterstützung von Florence Kasumba als Anaïs Schmitz hat.

Verhör

Treue "Tatort"-Seele: Anna Schudt spielt seit zwölf Jahren die Hauptkommissarin Martina Bönisch. © Quelle: WDR/Stephan Pick

Seit zwölf Jahren schon spielt Anna Schudt die „Tatort“-Kommissarin Martina Bönisch. Ihr neuester Fall „Masken“, der am kommenden Sonntag, 28. November, läuft, ist ihr 20. an der Seite von Jörg Hartmann als Peter Faber. Da kann es schon mal passieren, dass sie auch auf der Straße mit Martina Bönisch statt Anna Schudt angesprochen wird.

„Ich finde es nett, wenn ich als Kommissarin Bönisch angesprochen werde“, sagt sie RND-Redakteurin Hannah Scheiwe dazu lachend. „Das heißt doch, diese Menschen haben den „Tatort“ mit mir gesehen und das ist schön und stört mich überhaupt nicht.“ Außerdem spricht sie darüber, wie lange Sie noch als „Tatort“-Kommissarin machen will – das ganze Interview lesen Sie hier.

Kriminalstatistik

Es gibt einen „Tatort“, der größtenteils aus niederdeutschen Dialogen besteht: Die Folge „Wat Recht is, mutt Recht bliewen“ aus dem Jahr 1982 wurde allerdings für die Ausstrahlung mit hochdeutschen Untertiteln versehen – damit es auch alle verstehen.

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