Crime Time: Das Warten hat ein Ende – der „Tatort“ kehrt zurück

  • Seit elf Wochen ist der „Tatort“ in der Sommerpause, doch damit ist bald Schluss.
  • In einer Woche startet die Krimisaison mit einem neuen, spannenden Frankfurter Fall.
  • Für unseren neuen Crime-Time-Newsletter haben wir mit Darstellerin Margarita Broich gesprochen – und werfen einen Blick auf weitere Krimi-Highlights der nächsten zwei Wochen.
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Liebe Leserinnen und Leser,

was haben Sie eigentlich die vergangenen elf Wochen sonntagabends gemacht? Ein Buch gelesen? Freunde eingeladen? Oder eine Serie bei Netflix geguckt? Ab der nächsten Woche lässt sich diese Frage für Krimifans wieder leichter beantworten: Die „Tatort“-Sommerpause ist nämlich vorbei. Und eine Reihe an Highlights steht in den nächsten Wochen auf dem Pro­gramm: Lars Eidinger kehrt als Mörder zurück in den Kieler „Tatort“, in Mainz ermittelt zum dritten Mal Heike Makatsch, und Udo Lindenberg spielt im Charlotte-Lindholm-„Tatort“ mit – eine Übersicht über die kommenden Filme finden Sie hier.

Doch in die Saison startet der „Tatort“ mit einem anderen Fall: Margarita Broich ermittelt in „Wer zögert, ist tot“ zum 13. Mal in Frankfurt als Kommissarin Anna Janneke an der Seite von Wolfram Koch als Paul Brix. In dem Fall geht es um einen jungen Mann, der auf einem Golfplatz von vier mit Hundeköpfen Maskierten überfallen und entführt wird – oder auch nicht? Zumindest hat der Vater des Entführten Zweifel daran und vermutet, dass sein Sohn selbst dahintersteckt. Als dann noch die Finger einer anderen Person als Warnung verschickt werden, stehen nicht nur die Ermittler vor einem Rätsel. Spannend, aber auch etwas skurril, fand meine Kollegin Hannah Scheiwe den Film, zu dem sie auch mit Darstellerin Margarita Broich ein Interview geführt hat.

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Der „Polizeiruf 110“ kehrt übrigens erst Anfang September mit einem neuen Fall in die ARD zurück. Bis dahin gibt es aber auch noch reichlich Krimimaterial im TV und bei den Streaminganbietern – wir haben wie immer die Highlights für Sie zusammengestellt.

Viel Spaß beim Anschauen und Mitfiebern,

Ihre Lena Obschinsky

Augenzeugen

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Auge um Auge: Politthriller „Das Ende der Wahrheit“ in der ZDF-Mediathek

Mit „Das Ende der Wahrheit” kann Regisseur Philipp Leinemann an die Klasse seines Kinodebüts „Wir waren Könige“ aus dem Jahr 2014 anknüpfen. Inhaltlich erinnert der Politthriller, der gerade sein TV-Debüt feierte und nun in der ZDF-Mediathek abrufbar ist, an die „Dengler“-Reihe mit Ronald Zehrfeld, der auch hier in „Das Ende der Wahrheit“ die Hauptrolle des Martin Behrens spielt. Der ist Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes und wirbt Flüchtlinge mit der Aussicht auf Asyl als Informanten an: Wer nicht kooperiert, wird erpresst. Seine Freundin Aurice, eine Journalistin, weiß nichts davon. Sie sammelt Material für einen Artikel über illegale Waffengeschäfte; kurz darauf wird sie bei einem Anschlag ermordet. In einem Bekennervideo erkennt Behrens die typische Handschrift einer Geheimdienstoperation. Der Agent beginnt, unbequeme Fragen zu stellen.

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Wie es sich für einen guten Politthriller gehört, kann der Held irgendwann niemandem mehr trauen, berichtet RND-Kritiker Tilmann P. Gangloff. Dabei ist die Geschichte ziemlich kompliziert, zumal Leinemann lange offen lasse, welche Funktion die einzelnen Figuren ausübten. Doch das macht es seiner Meinung nach spannend. „Endgültig zum Ausnahmefilm wird der Thriller durch das Ensemble, zumal Leinemann auch für winzige Rollen große Namen gewinnen konnte, allen voran Thomas Thieme als ‚Planespotter‘. Viel besser kann man so einen Film nicht inszenieren“, so das begeisterte Fazit.

„Das Ende der Wahrheit“ ist bereits in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Netflix-Psychothriller „Schwarze Insel“: eine Deutschlehrerin mit teuflischem Plan

Die deutsche Netflix-Produktion „Schwarze Insel“ hätte von der Geschichte her das Zeug für einen spannenden Krimi: Ein vom Schicksal gebeutelter Abiturient – erst stirbt seine Großmutter auf mysteriöse Weise, dann verunglücken seine Eltern – fängt eine Affäre mit seiner Deutschlehrerin an, die ihn auch bei seinen schriftstellerischen Ambitionen unterstützt. Es könnte der Anfang eines romantischen Dramas sein, ist aber der eines Psychothrillers. Denn: Die Lehrerin Helene Jung verfolgt mörderische Rachepläne.

Dass ihr Motiv bis kurz vor Schluss im Verborgenen bleibt, nennt RND-Kritiker Ernst Corinth als positiven Aspekt. Ansonsten hält er die Umsetzung der filmischen Idee für weniger gelungen und kritisiert vor allem, dass der Thriller eher spannungsarm bleibt.

„Schwarze Insel“ ist seit dieser Woche bei Netflix zu sehen.

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Sackhüpfen auf Drogenpilzen: Die Serie „Nine Perfect Strangers“ bei Amazon Prime

„Ihr seid alle hierhergekommen, um zu sterben. Und ich werde euch zurückholen“: Masha (Nicole Kidman) leitet in „Nine Perfect Strangers“ das Tranquillum House. © Quelle: Hulu

Ein weiteres Mal nach der Erfolgsserie „Big Little Lies“ haben Nicole Kidman und David E. Kelley einen Roman von Liane Moriarty zur Serie gemacht. In „Nine Perfect Strangers“ spielt Kidman selbst die charismatische Heilerin Masha, die neun ausgewählten Menschen einen Neubeginn ermöglichen will. Lange Zeit passiert zwar nicht viel, und man hat keine Ahnung, worauf diese Geschichte hinauslaufen möchte, doch unterhalten wird man freilich trotzdem bestens, findet RND-Redakteur Matthias Halbig. Und dann kommen die überraschenden Wendungen doch noch.

Über Flashbacks und Gespräche wachsen die Protagonistinnen und Protagonisten dieser Serie der Zuschauerin und dem Zuschauer ans Herz. Man lernt sie kennen, ihre wunden Punkte, Selbstzweifel, Geheimnisse, Lebensbrüche, die alle irgendwie mit verlorener Liebe zu tun haben. „Fassaden fallen – ein Weltklasseensemble lässt seine Figuren zur Ehrlichkeit vorstoßen und hält uns damit bestens bei Laune“, resümiert unser Rezensent.

„Nine Perfect Strangers“ ist seit gestern streambar bei Amazon Prime.

„In Wahrheit: In einem anderen Leben“ im ZDF – ein Vergewaltiger als Phantom

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„In einem anderen Leben“ aus der ZDF- und Arte-Krimireihe „In Wahrheit“ beginnt mit einer ärztlichen Untersuchung: Barbara Falk (Anja Kling) ist im eigenen Schlafzimmer überfallen und vergewaltigt worden. Offenbar sind ihr K.-o.-Tropfen verabreicht worden; entsprechend getrübt ist ihre Erinnerung. Weil Hauptkommissarin Judith Mohn (Christina Hecke) zu spät kommt, haben zwei männliche Kollegen bereits mit der Befragung begonnen – auf herzlose Art und Weise. Weil das Opfer wegen einer Depression Medikamente nahm, wird sogar infrage gestellt, ob die Vergewaltigung wirklich passiert sei.

Ermittlerin Mohn jedoch glaubt Barbara. Doch der Täter scheint ein Phantom zu sein – es gibt keine Spur. Im Fokus des Krimis steht das Opfer: Anja Kling verkörpert die Erschütterung des Opfers berührend, findet RND-Kritiker Tilmann P. Gangloff. Und Drehbuchautorin Zora Holt finde viele Aspekte, um das Schicksal der Frau zu verdeutlichen. Ein klasse Krimi, der allerdings eine Ungereimtheit enthält, so das Resümee.

„In Wahrheit: In einem anderen Leben” läuft am Samstag, 21. August, ab 20.15 Uhr im ZDF.

Erster „Tatort“ nach der Sommerpause: Der Frankfurter Fall „Wer zögert, ist tot“

Skurrile Szenen: Frederick Seibold (Helgi Schmid, Mitte) wird von Männern mit Hundesmasken entführt. © Quelle: HR/Degeto/Bettina Müller

Der „Tatort“ kommt mit den Frankfurter Kommissaren Anna Janneke und Paul Brix aus der Sommerpause zurück. In „Wer zögert, ist tot“ (29. August, ARD) ermitteln sie im Fall eines entführten Anwaltssohns: Es beginnt damit, dass Frederick Seibold auf einem Golfplatz von mit Hundsköpfen Maskierten in einen Transporter verfrachtet wird. Die Einstiegsszenen können den Eindruck erzeugen, dass es hier mit der Skurrilität etwas zu weit getrieben wird. Doch das ist nur ein erster Eindruck, meint RND-Redakteurin Hannah Scheiwe, die den Film vorab gesehen hat: „In der Folge entwickelt sich der Frankfurter ‚Tatort‘ zum spannenden Kriminalfilm mit doch überraschenden Wendungen“, schreibt sie in ihrer Kritik.

Eine dieser Wendungen, die sich bereits verraten lässt, ist, dass noch eine Frauenleiche auftaucht – mit Spuren des Entführten unter ihren Fingernägeln. Sie führt das Kommissarduo bei seinen Ermittlungen in ein Kampfsportstudio für Frauen. Und sowieso stehen in diesem wendungsreichen Film die Frauenfiguren im Vordergrund und machen den Krimi zu einem, der sich lohnt, findet die Kollegin.

Der „Tatort: Wer zögert, ist tot“ läuft am Sonntag, 29. August, ab 20.15 Uhr im Ersten.

Neueste Ermittlungen

Hier noch in Staffel drei, bald auch in der vierten zu sehen: Volker Bruch als Kommissar Gereon Rath. © Quelle: Frédéric Batier/X Filme Creative

Die vierte Staffel der Erfolgskrimiserie „Babylon Berlin“ ist in der Produktion und wird bald bei Sky und dann im Ersten zu sehen sein. Und dabei soll es voraussichtlich nicht bleiben: ARD-Programmdirektorin Christine Strobl kann sich weitere Staffeln des Formats vorstellen. Sie sagte, sie gehe davon aus, dass, wenn das Publikum die kommende vierte Staffel annehme, „wir auch über eine fünfte, sechste, und wenn es nach mir geht, siebte und achte Staffel reden“.

Verhör

TV-Star Julia Koschitz in Serie „Am Anschlag“: „Bei Kränkungen ziehe ich mich zurück“

Mira (Julia Koschitz) schmiedet in der Serie Rachepläne an ihrem Vorgesetzten Richard. © Quelle: ZDF/Petro Domenigg / FILMSTILLS.AT K

Julia Koschitz spielt in der Serie „Am Anschlag“, die am 24. August bei ZDF neo startet, eine von sechs Verdächtigen einer Schießerei. Jede der Personen hat irgendwann eine tiefsitzende Kränkung erfahren, die zu dem Gewaltausbruch geführt haben könnte. Ausgehend davon hat RND-Autor Martin Weber ein Interview mit der Schauspielerin geführt, in dem sie unter anderem über ihren eigenen Umgang mit Kränkungen spricht und darüber, wie gut sie sich entschuldigen kann. Sie ziehe sich bei Kränkungen eher zurück als auf Angriff überzugehen, sagt Koschitz. „Ich bin jemand, der immer alles verstehen will, auch wenn ich angegriffen werde – ich will verstehen, was mir der andere damit sagen will.“

Am Tatort

Ein TV-Klassiker feiert Geburtstag: Die Krimiserie „SOKO Leipzig“ wird 20 Jahre alt

Die „SOKO Leipzig“ wird mittlerweile von einer Frau geführt: Ina Zimmermann (Melanie Marschke) mit Kollege Tom Kowalski (Steffen Schroeder).

Vor 20 Jahren wurde die „SOKO Leipzig“ als erster Ableger des mittlerweile in Rente gegangenen Seriendauerläufers „SOKO 5113“ ins Leben gerufen. Die ZDF-Serie mauserte sich zum Publikumsliebling, was auch an Hauptdarsteller Andreas Schmidt-Schaller lag, befindet RND-Autor Martin Weber, der einen Blick auf die Geschichte der Serie wirft. Mittlerweile wird die Ermittlertruppe aber von einer Frau geführt – und geht zum Jubiläum ab dem 27. August in eine neue Staffel.

Kriminalstatistik

Das ist heute kaum noch vorstellbar: Nur 2500 Mark erhielt Kristina Böttrich-Merdjanowa einmalig für die Entwicklung und den Dreh des bis heute genutzten Vorspann des „Tatorts“. Ende 2009 reichte sie in einem Gerichtsverfahren eine Klage auf Auskunft für eine höhere Entlohnung sowie Namensnennung ein, die das Landgericht München I 2010 zunächst in weiten Teilen zugunsten der Klägerin entschied. Das Oberlandesgericht München jedoch hob das Urteil im Februar 2011 wieder auf. Es blieb bei der knappen Entlohnung, 2012 starb die Grafikerin und Autorin.

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