Corona-Karten manipuliert? „Tagesschau“ wehrt sich gegen Vorwürfe

  • Die „Tagesschau“ gilt als deutsche Nachrichteninstanz, im Falle von Corona-Inzidenz-Karten wurde ihr zuletzt aber vorgeworfen, mit einer neuen Farbskala zu manipulieren.
  • Die ARD weist die Behauptung jetzt deutlich zurück.
  • Gleichzeitig bedauert die Chefredaktion von ARD aktuell aber, für „Missverständnisse und Irritationen“ gesorgt zu haben.
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Hamburg. In der Corona-Krise wird insbesondere vonseiten der Maßnahmengegner den öffentlich-rechtlichen Medien eine tendenziöse Berichterstattung vorgeworfen. Auch die „Tagesschau“ stand jetzt in sozialen Medien in der Kritik, konkret ging es um eine angebliche Manipulation der Farbskala von Corona-Karten mit dem Ziel, die Infektionslage alarmierender wirken zu lassen. „Wen wollen die eigentlich für dumm verkaufen?“, fragte ein Nutzer, der zwei Landkreiskarten verglich: eine Karte vom 17. März 2021 mit helleren Farbtönen und eine vom 9. April, die deutlich dunkler daherkommt. Die ARD-Faktenfinder-Redaktion wehrt sich jetzt und sagt, dass es keinerlei Manipulation gegeben habe.

Bei beiden Grafiken würde es sich laut ARD-Faktenfinder um Darstellungen von ARD aktuell handeln, die auf dem Instagram-Kanal der „Tagesschau“ gepostet wurden. Die hellere Karte stammt demnach aus den „Tagesschau“-Fernsehbeiträgen. Eine kleinteilige Darstellung der Landkreise sei im Fernsehen schwerer zu erkennen – Interessierte könnten sich auch nicht per Klick die Inzidenz anzeigen lassen. Demgegenüber stehe die dunklere Grafik, die der Darstellung der Inzidenzkarten auf tagesschau.de entspreche – sie werde seit Oktober 2020 verwendet. Mit dieser Karte lasse sich die Inzidenz einzelner Landkreise beziehungsweise Städte anzeigen.

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Steigende Inzidenz = mehr Rottöne

ARD-Faktenfinder betont, dass die angeblich manipulierte Farbskala nicht verändert worden sei, stattdessen hätte eine stark erhöhte Inzidenz im Pandemieverlauf die Ergänzung neuer Klassen notwendig gemacht. So sei die höchste Klasse zunächst ab 50 Fällen pro 100.000 farblich markiert worden, Ende Oktober spaltete man diese Klasse in 50 bis 100 sowie ab 100. Die niedrigere Klasse behielt den alten Rotton, für die Landkreise ab 100 wurde ein dunkleres Rot eingeführt.

Das gleiche Spiel wurde aus dem gleichen Grund – erhöhte Inzidenzzahlen – dann Mitte Dezember wiederholt. Diesmal wurde die Klasse ab 100 in 100 bis 200 sowie ab 200 aufgespalten, für die neue höchste Klasse wurde wieder ein neuer Rotton eingeführt. Dies sei auch der aktuelle Stand. Die Darstellung der bisherigen Klassen sei immer gleich geblieben, und somit könne keine Rede von Manipulation sein.

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„Hätte die ‚Tagesschau‘ die Klassen übrigens nicht erweitert, wären aktuell keine Unterschiede bei der Inzidenz auf der Karte zu erkennen, da fast alle Landkreise und Städte seit Wochen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen aufweisen“, schreibt Patrick Gensing aus der Redaktion ARD-Faktenfinder.

Nur noch eine Farbskala für alle Kanäle

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Auch wenn man den Vorwurf der Manipulation vehement abweist, räumt die ARD ein, dass unterschiedliche Darstellungen in Fernsehen und Internet für nachvollziehbare Verwirrung sorgen würden – und Raum für Spekulationen eröffnen würden. „Es tut uns leid, wenn die Verwendung der unterschiedlichen Grafiken zu Missverständnissen oder Irritationen geführt hat“, wird die Chefredaktion von ARD aktuell zitiert.

Juliane Leopold, Chefredakteurin Digitales bei ARD aktuell, sagte, dass es sinnvoll sein könne, Grafiken speziell für verschiedene Ausspielwege zu gestalten. Bei der „Tagesschau“ habe man sich jedoch entschieden, Fernsehen und Digitales anzugleichen. Laut Leopold zeige dieser spezielle Fall, dass ein crossmedial einheitliches Auftreten sinnvoll sei.

So kündigte sie an, fortan die genutzte Farbskala auf tagesschau.de beizubehalten. Künftig solle diese auf allen Ausspielwegen der „Tagesschau“ zum Einsatz kommen.

RND/Teleschau

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