Comedy-Queen Cordula Stratmann: „Fernsehen ist nicht mein Zuhause“

  • „Es gibt definitiv einen weiblichen und einen männlichen Humor – und es gibt eine große Schnittmenge“, sagt Cordula Stratmann im Interview.
  • Mit Leib und Seele sei sie Komikerin, ihr Herz habe sie aber auch wieder in den Beruf der Familientherapeutin gerufen.
  • Heute (16. Juli) startet sie im ZDF mit der Reihe „Queens of Comedy“.
Cornelia Wystrichowski
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Frau Stratmann, „Queens of Comedy“ ist vor und hinter der Kamera fast komplett weiblich besetzt. Was sagen Sie dazu?

Ganz ehrlich: Dass eine solche Produktion im Jahr 2021 immer noch so eine große Sache ist, erstaunt mich als Tochter einer berufstätigen Mutter, die mir schon vor Jahrzehnten beigebracht hat, dass es dumme und schlaue Männer gibt, genauso wie es dumme und schlaue Frauen gibt. Es ist doch absolut fraglos, dass wir gleichwertig sind. Und es ist unverändert ungeheuerlich, dass es immer noch keine paritätische Besetzung gibt und dass Frauen immer noch nicht dieselben Summen verdienen wie Männer für dieselbe Leistung. Ich krieg gerade schon wieder Puls.

Welche Botschaft soll „Queens of Comedy“ transportieren?

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Ich mache mein Zeug nicht mit Botschaft im Hinterkopf, weil ich finde, pädagogisches Kabarett haben wir genug, und das entbehrt jeder Komik. Ich glaube aber, dass wir die Vielfalt von weiblichem Humor in dieser Serie sehen, und eventuell wird das für einige ungewohnt sein, weil wir ja überwiegend männliche Erzählungen kennen.

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Gibt es männlichen und weiblichen Humor?

Es gibt definitiv einen weiblichen und einen männlichen Humor – und es gibt eine große Schnittmenge. Für meinen Geschmack gelingt den männlichen Kollegen die politische Relevanz längst nicht so gut wie Carolin Kebekus, sie ist aktivistisch und lustig. Wenn aber andere Kolleginnen von ihrem Mann erzählen, wie dämlich der sich anstellt, dass der die Socken im Schrank nicht findet – das finde ich leider nicht witzig. Das hat mit Frauenhumor nichts zu tun und ist auch keineswegs feministisch, das ist 70er-Jahre-Humor auf dem Niveau von Fips Asmussen. Feministisch, ach Quatsch, selbstverständlich ist, wenn ich als Frau ebenso wie ein Mann den Platz habe zu tun, was ich möchte. Im Humor und im Rest des Lebens.

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Fehlt dem Feminismus in Deutschland manchmal der Humor?

Ach was! Manchen Feministinnen fehlt der Humor, andere sind ausgesprochen lustig, das trifft ebenso auf HundebesitzerInnen zu. Oder MetzgerInnen. Oder ArchitektInnen. Oder so.

Was halten Sie von gendergerechter Sprache?

Rückfrage: Ist es nicht selbstverständlich, dass wir 2021 als Frauen nicht mehr mitgemeint sind, wenn gesagt wird: Zehn Autoren verließen den Raum – und es waren acht Frauen darunter. Es ist doch klar, dass ich kein Autor bin, und ich gehöre im Plural nicht zu Autoren. Wo ist das Problem zu sagen: AutorInnen, liebe Entrüstete?

Mit Sendungen wie der „Schillerstraße“ sind Sie bekannt geworden, seit drei Jahren praktizieren Sie wieder als Familientherapeutin. Was war der Anlass dafür?

Ich habe diesen Beruf 20 Jahre lang vermisst. Ich bin zwar mit Leib und Seele Komikerin, ob man mich öffentlich beschäftigt oder nicht, aber mir war immer klar, dass ich die Arbeit als Familientherapeutin irgendwann wieder selbst ausübe. Ich wusste immer, dass ich mir einen Praxisraum suche, wenn mein Herz mich laut zurück in den Beruf ruft, mit einem Ohr habe ich 20 Jahre immer nach innen gehorcht.

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Ist Ihnen das TV-Geschäft auf Dauer zu oberflächlich gewesen?

(lacht) Sagen wir mal so: Es ist nicht mein Zuhause. In der Fernsehwelt muss immer alles supergut aussehen, immer noch besser werden, es wird alles kommentiert, das verlangt eine übersteigerte Egopflege. Als Therapeutin arbeite ich aber an Diskretion, Integrität, an der Wahrung von Grenzen und am Abbau von fehlgesteuertem Ego. Das Arbeiten an großen Lebensthemen im geschützten Raum hat mir gefehlt ab dem Moment, in dem ich damals meine Beratungsarbeit verlassen habe.

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Cordula Stratmann: Mit der Improvisations-Comedy „Schillerstraße“ wurde Cordula Stratmann (heute 57) im Jahr 2004 zum Star. Jetzt ist sie an der Seite von Kolleginnen wie Annette Frier in der neuen Frauen-Sketchserie „Queens of Comedy“ (ab heutigen Freitag, 22.30 Uhr, im ZDF) zu sehen, in der Komikerinnen lustige Geschichten aus weiblicher Perspektive erzählen. Stratmann studierte vor ihrer TV-Karriere Sozialarbeit und machte eine Zusatzausbildung in Familientherapie. Wegen ihrer TV-Karriere stieg sie 1996 aus dem Beruf aus, doch seit drei Jahren praktiziert sie wieder als Familientherapeutin. Die 57-Jährige, die für ihre Rollen unter anderem die Goldene Kamera erhielt, ist verheiratet und hat einen 15-jährigen Sohn.

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