Claus Kleber: Von der „Pfeife“ zum Star des ZDF

  • Claus Kleber verlässt das ZDF-„heute journal“ und will mit Ende des Jahres nach seinem 66. Geburtstag in Rente gehen.
  • Er selbst bezeichnet sich zum Anfang seiner Karriere als „Pfeife“.
  • Doch nun blickt er auf eine glänzende Karriere zurück.
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„Als Moderator war ich am Anfang eine ziemliche Pfeife“, sagte Claus Kleber 2009 in einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ über seine Anfänge im Fernsehjournalismus. Nun, kurz vor seiner Rente, steht Claus Kleber für Seriosität, Ruhe und eine Prise Eleganz als Chef-Anchorman des ZDF-„heute-journals“, das täglich um 21 Uhr die Nachrichtenlage berichtet. TV-Zuschauern war er bis 2003 als USA-Korrespondent in der ARD bekannt. Seit 2003 moderiert er das „heute-journal“ im ZDF – zwischenzeitlich als Leiter und später als freier Mitarbeiter. Den Einstieg in den Journalismus machte der Anchorman, der als bestbezahlter Mann der Branche gehandelt wird, als Schülerpraktikant im „Kölner Stadtanzeiger“.

Fast 20 Jahre lang sortiert er, wie er es häufig zum Abschied sagt, die Informationslage, präsentiert routiniert und gelassen mit einem akkuraten Seitenscheitel die Nachrichten.

Am 11. September 2001 zitterte Claus Kleber die Stimme

Und doch ist bei einem seiner Berichte, damals noch als US-Korrespondent der ARD, ein Zittern in seiner Stimme zu hören: Er berichtet am 11. September 2001 über ein Feuer im World Trade Center. Es gibt keine verlässlichen Informationen, nur Livefernsehbilder. Fast 20 Jahre später ist klar, was da passiert ist: Ein Flugzeug ist in das Bürohochhaus geflogen. Später wird noch ein zweites folgen. Beide Türme werden kollabieren und 3000 Menschen sterben. Doch zu dem Zeitpunkt, als Kleber per Telefon in die ARD-Nachrichtensendung geschaltet wird, ist noch nichts klar. Es gibt nur die Rauchsäulen. Und doch sortiert er, was sicher zu wissen ist. Er macht klar, wenn etwas nur Vermutungen sein können, wie die Zahl der möglichen Opfer. Er ordnet in der unübersichtlichen Lage Fakten in der Livesendung ein. Gleichzeitig beschreibt er seine eigene Fassungslosigkeit.

Für diese Art, als Journalist auch bei unübersichtlichen Themen den Überblick nicht zu verlieren, wird Kleber später auch als Anchorman des ZDF geschätzt. Wenn er allabendlich die Nachrichten, die seine Redaktion für ihn verfasst, liest, bleiben häufiger die Aufreger in Erinnerung als die Sendungen, die gut verlaufen sind. Doch machte er seinen Job extrem gut – so gut, dass ihm 2007 der Chefsessel in der „Spiegel“-Redaktion angeboten wurde. Aber Kleber lehnte dankend ab – Fernsehen sei sein Medium, nicht das gedruckte Wort.

Kritik für Kleber

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2012 sprach Kleber in einem langen Fernsehinterview mit Mahmud Ahmadinedschad, dem damaligen iranischen Präsidenten. Es soll zwei Jahre gedauert haben, dieses Gespräch einzufädeln, doch nachdem es gesendet wurde, hagelte es vor allem Kritik. Zu diesem Zeitpunkt hatte die EU gerade Sanktionen gegen den Iran verschärft – Ahmadinedschad nutzt das Format zur Selbstdarstellung, prahlt damit, dass er jederzeit eine Bombe bauen könne, wenn er wolle und leugnet den Holocaust. Das Magazin „Cicero“ spricht von einer journalistischen Selbstdemontage.

Fehler gesteht er häufig selbst ein: Etwa nachdem er 2013 eine ungeprüfte Behauptung über Uli Hoeneß übernommen hat. Oder nach einer Anmoderation 2015, nachdem er Nationalisten und Zweifler im Kontext der Flüchtlingskrise in einem Satz nannte: „Ein Fehler und ein Eigentor. Zweifler bin ich selbst. Schon beruflich.“ Und manchmal wurden ihm Fehler vorgeworfen, die keine waren. So zitierte er aus einem Bericht der „Zeit“ zu Altenburger Klein- und Schrebergärtnern: „Reporter notierten damals, dass in Schrebergärten schwarz-weiß-rote Reichsfahnen so präsent sind wie das Schwarz-Rot-Gold der Bundesrepublik.“ Die Gärtnerinnen und Gärtner zeigten ihn wegen Verleumdung an, doch die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Ermittlungen.

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Konfrontation mit Maria Furtwängler

In anderen Situationen wirkt er wiederum nicht ganz so einsichtig. Ein Interview von ihm mit Maria Furtwängler über die Studie ihrer Stiftung in Zusammenarbeit mit der Uni Rostock, die herausfand, dass Frauen in Film und Fernsehen kaum präsent sind, erregte 2017 Aufsehen. Kritiker warfen Kleber chauvinistische, aggressive Fragen vor, die Furtwängler sofort in die Defensive brachte. „Ich war in der Tat nicht auf Augenhöhe mit Frau Furtwängler“, gestand der Journalist später im Deutschlandfunk.

Gleichzeitig sah er es als seine Aufgabe an, sich als Interviewer in eine Gegenposition zu begeben. Maria Furtwängler äußerte sich Monate nach dem Interview ebenfalls: „Ich denke, er wollte nur provozierend fragen, damit das nicht zu schmusig wird. An sich ja auch die Aufgabe eines guten Journalisten. Aber ich habe mich danach schon gefragt, ob er dann vielleicht doch von dem ein oder anderen Vorurteil mitgerissen wurde.“ Für das Interview erhielt er die Saure Gurke, den Negativpreis der Medienfrauen.

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Kunstaktion im „heute-journal“

Im September 2020, die zweite Corona-Welle bahnte sich an, wedelte hinter Kleber, der wie sonst mit seinem leicht geneigtem Kopf weitermoderierte, ein Mensch im Schutzanzug herum, eine Tonspur überlagerte die Nachrichtenmoderation. Die Aufklärung kam erst später: Es hat sich laut ZDF um eine Kunstaktion zur Ehrung systemrelevanter Menschen, also beispielsweise Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger, gehandelt.

Stolz ist Kleber selbst auf zwei Interviews in jüngerer Zeit. So sprach er mit dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama. „Für mich war es das intensivste, persönlichste Politiker-Intvu I ever had on #zoom. 35min with history“, schreibt der 65-Jährige Ende Januar. Schon vor dem Interview postete er ein Foto seiner intensiven Recherchearbeit zum Gespräch. Auch das Interview mit der belarussischen Oppositionsführerin Swetlana Tichanovskaja Ende Mai ist für ihn ein Höhepunkt seiner Laufbahn gewesen. „Ich erinnere mich gerade an kein Interview, das mich mehr beeindruckt hat als jetzt das mit dieser mutigen, klugen Frau. Unbeugsam tritt sie einem Mann entgegen, der gerade gezeigt hat, dass er keine Grenzen kennt“, schreibt Kleber bei Twitter.

Jetzt hat Kleber aber neue Themen: Er will Ende des Jahres mit 66 Jahren in Rente gehen, seinen Vertrag nicht verlängern lassen – und Zeit mit seiner Familie verbringen.

RND

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