Christian Lindner über volle Fußballstadien: „Hoffentlich geht’s gut“

  • Sommer, Sonne, Sorglosigkeit? Besonders im Hinblick auf die Fußball-EM scheint für viele die Gefahr des Coronavirus in weite Ferne zu rücken.
  • FDP-Chef Christian Lindner und SPD-Politikerin Manuela Schwesig waren sich bei Maybrit Illner einig.
  • Es besteht nach wie vor Grund zur Vorsicht.
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Der Sommer ist da, die Inzidenzwerte hierzulande sind niedrig und Europa ist im Fußballfieber. Ungetrübter Sommer-Urlaub und Fußball-Begeisterung also? Wohl kaum, hatten sich doch gerade erst drei Stadionzuschauer des EM-Spiels zwischen Dänemark und Belgien in Kopenhagen mit der Delta-Variante des Coronavirus infiziert und zuletzt fast 100 Fans der finnischen Nationalmannschaft bei ihrer Rückkehr aus St. Petersburg das Virus als EM-Mitbringsel dabei. Am Donnerstag stellte ZDF-Talkerin Maybrit Illner daher die Frage, wie angebracht die derzeitige Sorglosigkeit vieler Menschen tatsächlich ist.

„Mit dem Virus im Gepäck - wie riskant wird der Sommer?“, lautete das Motto der „Maybrit Illner“-Ausgabe. Im Studio diskutierten darüber die Virologin Helga Rübsamen-Schaeff, die Ärztin Lisa Federle sowie der FDP-Vorsitzende Christian Lindner. Live zugeschaltet war Manuela Schwesig, SPD-Politikerin und Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns.

Lindner: „Dürfen nicht wieder zurückfallen“

Letztere zeigte sich vor allem besorgt darüber, wie nachlässig man momentan mit Reiserückkehrern aus Risikogebieten verfahre. „Wir hatten im letzten Jahr strengere Regeln, wenn man aus Risikogebieten zurückkam, als in diesem Jahr“, so Schwesig. „Dabei haben wir in diesem Jahr die ansteckende Delta-Mutante.“ Das passe nicht zusammen, wunderte sich die Ministerpräsidentin. Man müsse vorsichtig bleiben, warnte die Politikerin: Es sei ein „Sommer der Zuversicht“, doch gleichzeitig stehe nun die Frage im Raum: „Wie lange geht es gut, und sind wir vorbereitet auf die Delta-Mutante?“

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FDP-Chef Lindner stimmte zu: Er begrüße eine Verschärfung der bisherigen Regeln für zurückgekehrte Urlauber. Zwei PCR-Tests und fünf Tage Quarantäne seien eine angemessene Vorsichtsmaßnahme, so der Politiker. Das Thema müsse allerdings nicht nur auf Bundesebene diskutiert werden, stellte Lindner fest. „Ich weiß nicht, warum wir nicht eine abgestimmte Strategie in Europa haben, unter welchen Bedingungen Reisen und Freizügigkeit möglich sind.“ Man habe sich mit „einem hohen Preis“ ein gewisses Maß an Sicherheit erarbeitet. „Jetzt dürfen wir nicht wieder zurückfallen“, mahnte der FDP-Vorsitzende. Er plädierte für eine europaweite Lösung - auch im Hinblick auf die Fußball-EM.

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Virologin Rübsamen-Schaeff: „Wenn wir nicht aufpassen, haben wir bald englische Verhältnisse“

„Wenn ich die Bilder sehe, denke ich: Hoffentlich geht’s gut“, so Lindner über die gut gefüllten Zuschauerränge der europäischen Fußballstadien - beim Spiel England gegen Deutschland etwa waren rund 42.000 Zuschauer im Londoner Wembleystadion zu Gast. Momentan verzichte er selbst auf unnötige Reisen: „Ich hatte gerade eine Reise nach London zu offiziellen Gesprächen mit Regierungsvertretern in Vorbereitung“, erzählte der FDP-Mann. „Ich habe diese Reise zurückgestellt, weil man das auch auf digitalem Wege machen kann.“

Auch die Virologin Helga Rübsamen-Schaeff äußerte Bedenken über die momentane Sorglosigkeit vieler Bürger. „Ich sehe, wie lässig die Leute zum Teil damit umgehen“, so die Wissenschaftlerin. Es sei nach wie vor Vorsicht geboten. „Ich denke, wir sind in einer unglaublich fragilen Situation und wenn wir nicht verdammt aufpassen, dann haben wir bald englische Verhältnisse“, so die eindringliche Warnung von Rübsamen-Schaeff. Vor allem die Delta-Variante stelle eine Gefahr dar: „Man hat gedacht, wenn ich eine Impfquote von 60 Prozent erreicht habe, dann habe ich die berühmte Herdenimmunität. Aber Delta als eine sich sehr schnell ausbreitende Mutante braucht wahrscheinlich eine höhere Durchimpfung“, so die Virologin.

RND/Teleschau

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