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Carolin Kebekus über die katholische Kirche: „Da wird einem schon ein bisschen übel“

  • Carolin Kebekus kehrt mit neuen Folgen ihrer Satiresendung „Die Carolin Kebekus Show“ (ab 27. Mai im Ersten) auf den Bildschirm zurück.
  • Im RND-Interview spricht die 41-Jährige über ihren „Lieblingsfeind“, die katholische Kirche, und die Folgen der Pandemie für Künstler.
  • Außerdem erklärt Kebekus, warum Corona ein Rückschlag für die Emanzipation ist.
Cornelia Wystrichowski
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Sie gilt als lustigste Frau Deutschlands: Carolin Kebekus. Jetzt kehrt die Komikerin mit neuen Folgen ihrer gerade mit dem Grimmepreis ausgezeichneten Satiresendung „Die Carolin Kebekus Show“ auf den Bildschirm zurück – darin will die 41-Jährige wieder mit Ironie und Haltung aktuelle Themen aus Politik und Gesellschaft durch den Kakao ziehen. Die WDR-Personalityshow läuft ab 27. Mai (22.50 Uhr) immer donnerstags im Ersten. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht sie über die neuen Folgen ihrer Satireshow, ihre Wut auf die katholische Kirche, Pupsgeräusche und verrät, was die Schlümpfe mit Feminismus zu tun haben.

Frau Kebekus, Ihre „Carolin Kebekus Show“ geht in die zweite Staffel – welche Themen stehen diesmal im Fokus?

Wir bewegen uns ja immer an einem feministischen roten Faden entlang, und zum Thema Me Too und Sexismus gibt es auch diesmal genug zu sagen. Aber auch Fußball wird ein Thema sein, denn wir senden ja während der EM. Und dann drängt sich mir immer wieder die katholische Kirche auf. Selbst wenn ich sage „es reicht jetzt eigentlich“, steht dann doch wieder was auf meinem Zettel.

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Etwa die schleppende Aufarbeitung des Missbrauchsskandals im Erzbistum Köln?

Genau. Das ist etwas, das mich, meine Familie und meine FreundInnen gerade als Kölner wahnsinnig berührt. Wenn man sich als aufgeschlossener Mensch im Jahr 2021 diese Institution anguckt, da wird einem schon ein bisschen übel. Der Missbrauchsskandal wurde nicht nur schlecht aufgearbeitet, sondern vertuscht – aber von Politikern höre ich immer nur, dass die Kirche sich da selber drum kümmern muss. Wo bleibt denn da der Rechtsstaat? Was wäre, wenn solche Missbrauchsstrukturen bei einem Kaufhauskonzern rauskämen? Ich finde dieses Thema zermürbend, und es macht mich wütend.

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Die katholische Kirche ist so was wie Ihr Lieblingsfeind. Zuletzt haben Sie über die mangelnde Beteiligung von Frauen gerappt.

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Ich bin ja in Köln aufgewachsen als katholisches Mädchen, die katholische Kirche und der Kölner Karneval waren die beiden großen Institutionen, die mich als Kind intensiv begleitet – und als Frau wahnsinnig enttäuscht haben. Ich wurde behandelt, als wäre ich minderwertig. Dahinter steckt natürlich die große Angst dieser Männer vor der unsichtbaren Macht der Frauen.

Wie halten Sie es denn inzwischen mit der Religion?

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Ich sehe mich als Christin. Ich kann zwar mit der Institution der katholischen Kirche nichts mehr anfangen, aber trotzdem bin ich ja mit dem Glauben aufgewachsen und mit dem, was Jesus eigentlich meinte, als er predigte, dass Gott alle Mensch gleich liebt. Wir waren in meiner Jugend in einer ganz tollen Kirchengemeinde, wo meine Eltern auch aktiv waren, mein Vater hat mit seiner Band in den Jugendgottesdiensten gespielt, und die Freizeitangebote waren super. Meine Großmutter und Urgroßmutter kommen beide aus Oberschlesien, die waren beide wahnsinnig gläubig. Das war alles ein großer Teil meines Lebens, und ich habe lange gebraucht, bis ich aus der Kirche ausgetreten bin – aber dann wirklich mit wehenden Fahnen.

Zurück zu Ihrer Show: Welche Rolle wird Corona darin spielen?

Das Thema ist zwangsläufig allgegenwärtig. Wir werden zum Beispiel wie schon in der ersten Staffel kein Studiopublikum haben. Wenn es neue Erkenntnisse gibt, werden wir die auch behandeln. Aber Witze über Videokonferenzen oder darüber, dass es kein Klopapier mehr gibt, haben wir, glaube ich, alle zur Genüge gehört. Der erste Lockdown hatte ja noch eine komische Faszination, inzwischen sind alle nur noch genervt.

Ist Corona ein Rückschlag für die Emanzipation?

Ja, das ist erschreckend. Wenn ich Interviews mit Frauen führe, die im Homeoffice sind, sind im Hintergrund oft Kinder zu hören. Bei Männern ist das selten der Fall, weil es da heißt: „Seid bitte still, der Papa muss arbeiten!“ Aber die Mama macht beides.

Haben Sie als Künstlerin genug zu tun?

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Ich hatte nur am Anfang der Pandemie nichts zu tun, aber inzwischen arbeite ich total viel. Ich gehöre damit natürlich zu den wenigen privilegierten KünstlerInnen in Deutschland. Ich kann sagen: Oh, meine Tournee geht nicht mehr – alles klar, dann mache ich eben eine Sendung, einen Podcast, oder ich schreibe ein Buch. Die allermeisten BühnenkünstlerInnen haben dieses Standing nicht. Für mich ist der einzige Unterschied zu früher: Ich bin nicht mehr so viel unterwegs. Immer am selben Ort zu sein und im selben Bett zu schlafen, das kenne ich normalerweise nicht so. Das setzt ganz neue Energien frei. Ich habe zum Beispiel ein Buch geschrieben.

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Worum geht’s?

Es erscheint im Oktober und heißt „Es kann nur eine geben“ – es geht um die Konkurrenz unter Frauen. Warum ist es so schwierig für Frauen, sich untereinander zu fördern, Netzwerke zu bilden? Warum haben wir beruflich immer das Gefühl, die andere Frau, die im selben Genre ist, ist unsere Konkurrentin? Ich glaube das hat damit zu tun, dass der Platz für uns so eng gemacht wird. Das fängt schon bei Kindergeschichten an. Bei den Schlümpfen: lauter Männer und nur eine Frau. Im Märchen gibt es eine schöne Prinzessin, die anderen sind neidisch oder hässlich. Wir Frauen müssen uns immer anstrengen, die eine, Auserwählte zu sein und müssen dafür andere wegbeißen. So werden wir geprägt – und dann heißt es, wir seien stutenbissig.

Dann freuen Sie sich vermutlich, dass mit Annalena Baerbock eine Frau zur Kanzlerkandidatin der Grünen gekürt wurde?

Auf jeden Fall freut mich das. Und sie ist jünger als ich! Ich vergleiche mich in solchen Fällen unwillkürlich mit derjenigen Person, und wenn sie jünger ist als ich, denke ich mir: Krass, das hätte ich auch schaffen können.

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Auch im Fernsehen ist beim Thema Gleichberechtigung etwas in Bewegung, es gibt zum Beispiel immer mehr Serien wie „Das Damengambit“ mit weiblichen Heldinnen.

Das Thema setzt sich durch, es ist etwas in Bewegung. Und ich freue mich immer, wenn es eine neue Serie mit einer Frau in der Hauptrolle gibt. Aber „Damengambit“ ist ein Beispiel für eine eindimensionale Frauendarstellung. Die Hauptfigur ist zwar total kaputt, sieht aber aus wie geleckt – das finde ich unrealistisch und langweilig, weil Frauen doch total vielfältig sind. Wir kommen in allen Formen und Farben vor, aber man sieht uns immer nur als weiße, schlanke, wunderschöne zu Erobernde. Es ist doch viel spannender, auch andere Facetten abzubilden.

Sie selber haben sich in der Amazon-Show „LOL“ neulich herrlich albern präsentiert und Pupsgeräusche imitiert.

Das war ein Talent, das ich in meiner Zeit als Praktikantin bei der Comedysendung „Freitag Nacht News“ entdeckt habe, die Schnittfirma hat eine ganze Datenbank mit meinen Furzgeräuschen aufgenommen. Die waren jahrelang in vielen Sketchsendungen im Einsatz, denn Anfang der 2000er-Jahre waren Furzwitze sehr angesagt. Das ist heute seltener, wir sind ja weit entfernt von den haltungslosen Sketchsendungen. Aber Kinder kann ich mit den Geräuschen immer noch dermaßen zum Lachen bringen, dass ihnen die Tränen übers Gesicht laufen – das ist meine Lieblingsbeschäftigung!

Carolin Kebekus kam 1980 in Bergisch Gladbach zur Welt und wuchs in Köln auf. Ihre Fernsehkarriere begann 1999, als sie nach dem Abitur ein Praktikum bei der RTL-Comedyshow „Freitag Nacht News“ machte und als Sketch-Darstellerin aushelfen durfte – Hugo Egon Balder entdeckte damals ihr komisches Talent. Seit 2013 tritt Kebekus in Oliver Welkes „heute-show“ auf, ihre 2015 im WDR gestartete Show „PussyTerror TV“ verhalf ihr endgültig zum Durchbruch. Die Entertainerin, die sich regelmäßig mit feministischen Themen befasst und schon mehrfach den Deutschen Comedypreis bekommen hat, lebt in Köln.

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