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  • Call Your Mother: Kyra Segdwick spielt in neuer Sky-SitCom eine engagierte Mutter

Eine Mutter mit Rotor – Kyra Segdwick in Sky-Sitcom „Call Your Mother“

  • Kyra Sedgwick war als Deputy Police Chief Brenda Johnson in „The Closer“ eine der markantesten Verbrechensbekämpferinnen der Seriengeschichte.
  • In der Sky-Serie „Call Your Mother“ (streambar ab 21. Juni) spielt sie eine Mutter, die sich ins Leben ihrer erwachsenen Kinder einbringen will.
  • Damit der Zuschauer merkt, dass er Comedy vor sich hat, kommt zugespieltes Gelächter aus dem Off.
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Jean wurde Witwe, „als die Kinder elf und acht“ waren. Das könnte ihr hubschrauberartiges Kreisen über dem Erwachsenendasein von Tochter Jackie und vor allem von Sohn Freddie erklären. Der ist gutaussehend und lebt in Kalifornien. Also sei er höchstwahrscheinlich in der Pornoszene tätig, verschärft Jeans beste Freundin Sharon (Sherri Shepherd) Jeans akute Sorgen.

Vier Tage fühlen sich für den Mamakopter an wie vier Jahre

Unglaublich: Vier Tage hat sich Freddie (Joey Bragg) bereits nicht gemeldet. Vier Tage kommen einem heftig irgendwo in Iowa rotierenden Mamakopter vor wie vier Jahre. Sie nimmt einen Flug, sie kann nicht anders, quartiert sich in einer Wohnung ein, in der einst die Schwiegereltern des Vermieters Danny (Patrick Brammall) lebten. Kontrolle ist gut, Sichaufdrängen ist besser.

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Kyra Sedgwick war als Deputy Police Chief Brenda Johnson hart und alleingängerisch, hatte dabei etwas Exzentrisches, columbohaft Paddeliges und war in sieben Staffeln „The Closer“, die „Abschließerin“, die mit geschickten Verhörmethoden das Netz zuzog und Kriminalfälle elegant abschloss. Das machte süchtig nach mehreren Folgen in Folge, und hob Sedgwick/Johnson für immer in den Kreis unserer liebsten Verbrechensbekämpferinnen.

Jetzt ist Sedgwick Star der Comedyserie „Call Your Mother“. Gewidmet ist ihre Figur der Jean all den Müttern, die nicht klarkommen mit dem Lauf der Zeit, die nach dem Auszug der Kinder keine Nacht ihres Lebens mehr durchschlafen können, die sich einbringen wollen und müssen ins Dasein ihrer Sprösslinge, weil das „leere Nest“ sie ihres Lebenssinns zu berauben droht. Was alles passieren könnte, wenn Mutters Auge nicht wacht …

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Die „Vorlacher“ lachen die ganze Zeit über alleine

„Call Your Mother“ ist keine Dramedy, die dem Zuschauer ein Eintauchen in ein wahrhaftiges Leben von Protagonistinnen und Protagonisten mit all ihren Facetten ermöglicht. Sondern eine Sitcom – also eine Witzrevue mit einem groben Sicherheitsnetz. Denn in allen Ecken und Enden und auch in den Zwischenräumen prustet und gackert ein zugespieltes Publikum, um dem Betrachter vor dem Bildschirm Anhaltspunkte zu geben, wo die Serie sich an Heiterkeitserzeugung versucht und man das gefälligst geräuschvoll zu honorieren hat.

Eine bevormundende, antiquierte Art von Fernsehen, die allerdings dem enervierenden Sprüchegewitter der Darsteller entgegenkommt. Jean: „Meine Kinder und ich stehen uns sehr nahe. Sie bekämen sicher noch die Brust, wären wir in Frankreich.“ – Gelächter aus dem Off. Jean: „Ich bin eher so ein Ich-lass-nicht-los-und-zwinge-ihnen-meine-Liebe-auf-Typ.“ – Gelächter aus dem Off. Jean: „Ich habe dir Socken und dein Lieblingstoilettenpapier gekauft, Freddie.“ – Und wieder dieses büschelige Lachen. Sie finden das alles nicht komisch? Genau. Denn es ist nicht lustig. Deshalb lachen die unsichtbaren Typen und Typinnen im Fernsehen denn auch die ganze Zeit alleine.

Der Figurentypus „Mutter-ohne-Grenzen“ ist interessant, die Ausführung Jean Raines nicht. In der Tat ist sie sogar die uninteressanteste Holzschnittfigur in dieser relativ uninteressanten Serie. Weil sie um ihre Aufdringlichkeit weiß, statt sie zu leugnen, und sie auch noch mit abgegriffenen Muttermythen füttert und rechtfertigt: „Ich habe dich geboren, Freddie. Du bist Teil meines Körpers.“

Das One-Liner-Abliefern ähnelt einem Singen

Serienschöpferin Kari Lizer („The New Adventures of Old Christine“) akzentuiert die paranoiahafte Fürsorgesucht ihrer Heldin durch deren Vorliebe für Thriller, die sie immer Schlimmstes befürchten lässt. Sie belastet die Figur mit allen Muttiklischees, inklusive einer breit lächelnden Feindseligkeit für Freddies Freundin, der in der Tat etwas dümmlichen Social-Media-Influencerin Celia (Emma Caymares). Die ist so farblos und schablonenhaft wie Freddie selbst oder seine Schwester Jackie (Rachel Sennott). Alle haben dieses pointierte One-Liner-Rattern drauf, das zuweilen einem Singen sehr ähnlich kommt.

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Man klopft zu diesem Gesang einen nervösen Rhythmus auf der Sofalehne. Zwanzig Minuten dauert die Pilotfolge, zwanzig Minuten, die kaum merklich lustigere zweite (in der man immerhin erfährt, dass die Menschen von Los Angeles zum Stadtteil North Hollywood „Noho“ sagen, nicht aber „Ho“ zu Hollywood). Beide wurden von Pamela Fryman inszeniert, der Regisseurin vieler „How I Met Your Mother“-Episoden.

Mehr gab’s vorab nicht zu sehen. Kam einem aber vor wie vier Jahre.

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„Call Your Mother“, 13 Episoden, bei Sky, von Kati Lizer, mit Kyra Sedgwick, Joey Bragg, Emma Caymares (ab 21. Juni)

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