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  • Bundestagswahl: „heute-show“ parodiert über bevorstehenden Abgang der Politiker

Angst vor der Abwahl? Andreas Scheuer bewirbt sich bei der „heute-show“

  • Politiker haben es nicht leicht, vor allem in Zeiten des Wahlkampfes und der eventuell bevorstehenden Abwahl.
  • Die „heute-show“ (ZDF) legte den Finger in die Wunde und fühlte bei Politikern und Kandidierenden nach.
  • Dabei machte einer dem Satireformat in beeindruckend vorausschauender Weise ein kurioses Angebot.
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Oliver Welke, Moderator der „heute-show“, sagte es in seiner jüngsten Sendung frei heraus: Er hat die Schnauze voll von TV-Triellen. Erstens böten die „null Erkenntnisgewinn“, zweitens sei vor allem das zweite zu einer „merkwürdigen Asi-Talkshow“ verkommen: „Laschet und Scholz zickten sich an und Baerbock saß wie das Scheidungskind dazwischen. Die Arme muss sich entscheiden, ob sie bald bei Mama oder Papa wohnen will.“

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Die „heute-show“ wirbelte kurz durch die Parteilandschaft. Olaf Scholz wurde „merkeleskes“ Verhalten attestiert, weil er sich - trotz noch 40 Prozent unentschlossener Wähler - bereits wie der Bundeskanzler gebe. Häme mussten die „Lurche von der Jungen Union“ (O-Ton Welke) einstecken, die am Rande des TV-Triells die CDU feierten, indem sie einen Ausschnitt aus „The Wolf of Wall Street“ als Motivationsvideo für die CDU nutzten. „Für alle die, die den Film nicht kennen“, erklärte Welke, dass Leo DiCaprio darin einen „zugekoksten, kriminellen Börsenzocker“ spiele. „Ist das eine gute Metapher für die CDU?“, fragte sich Welke - und antworte auch: „Wenn ich so drüber nachdenke: ja.“

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„Der wohl dümmste Satz des Jahres“

Die Grünen wurden für ihre „verblüffend unprofessionellen Fehler im Wahlkampf“ abgewatscht. Armin Laschet wurde für den „wohl dümmsten Satz des Jahres“ gewürdigt, in dem er den Wählern im Zusammenhang mit Klimaschutz versprach, dass die CDU sie „machen lassen“ und ihnen „nichts vorschreiben“ wolle. Welke: „What? Wenn alle machen, was sie wollen, werden wir klimaneutral? Verspricht der Mann, der gerade noch in NRW den Bau von Windrädern ausgebremst hat.“

FDP-Alleinunterhalter Christian Lindner wurde für den edlen Schwarzweiß-Werbeclip seiner Partei mit einer Persiflage durch den ebenso stylischen und emotionalen Gernot Hassknecht geehrt („Du weißt, du musst etwas tun - zum Beispiel ein Bier öffnen. Prost!“). Und großer Dank ging an AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla, der der „heute-show“ eine einmalige Vorlage schenkte. Er forderte im Interview mit einem Kinderreporter, dass „mehr deutsches Kulturgut“ in den Schulen gelehrt werden solle, mehr Volkslieder und Gedichte. Auf die Nachfrage des Schülers, welches denn Chrupallas deutsches Lieblingsgedicht sei, stolperte sich der Maler- und Lackierermeister zur Antwort: „Da fällt mir jetzt gerade keines ein.“

Welke prophezeite: „Auch wenn die nächste Koalitionsbildung eine Steißgeburt wird: 100 Prozent sicher ist, dass die AfD nicht regiert.“ Da müsse schon, leistete sich Welke einen zynischen Gag, „der Reichstag brennen“.

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Markus Söder: „Ich unterstütze Armin Laschet zu 100 Prozent!“

Die kommende Bundestagswahl ist spannender denn je. Deshalb besuchte „heute-show“-Reporter Florian Köster drei Kleinstparteien, die sich Hoffnungen machen. So schaute er bei den Piraten vorbei („Ach, euch gibt‘s noch?“) und bei Volt. Und er schleuste sich beim Parteitag der CSU ein. Dort konfrontierte er unter anderem Markus Söder damit, dass der aufhören solle, „Armin Laschet dauernd das Messer ins Kreuz zu rammen“ und entlockte Söder einen O-Ton des puren Laschet-Supports: „Ich unterstütze Armin Laschet zu 100 Prozent!“ Köster: „Sehr gut, Sie wissen einfach, wie man gute Gags macht.“

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Auch „der Delegierte Andreas Scheuer“, wie sich der noch amtierende Verkehrsminister selbst vorstellte, bewies Humor. Der bewarb sich offiziell für einen Mini-Job bei der „heute-show“, die ihm jüngst „als Dank für 9000 Sendeminuten“ eine Quiz-Hommage widmete. „Das muss doch spannend sein.“ Scheuer hörte offenbar bei Kösters Wunsch („Mir wäre nur wichtig, dass die CSU so weit abschmiert, dass sie nicht mehr den Verkehrsminister stellen darf.“) genau zu - der clevere Politiker macht sich rechtzeitig Gedanken, wie es nach der Wahl weitergehen kann. Köster war auch angetan: „Sie können gerne Praktikant werden bei uns. Aber sie dürfen halt selbst keine Verträge unterschreiben.“

„Mästers of the Huhnivers“

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Politiker sind ab und zu halt arme Schweine. Aber das geht den Schweinen (Welke: „Am Wochenende war ‚Krisengipfel Schwein‘. Aber das interessierte leider keine Sau.“) und den Hühnern („Ein Krisengipfel Huhn wäre auch überfällig.“) ebenso. Bundesernährungsministerin Judith Klöckner habe das Problem - den Preisverfall - erkannt, so Welke. Und: „Wenn sie jetzt noch was ändern würde, könnte man glatt von Politik sprechen.“ Leider sei aber gerade das staatliche Tierwohllabel nach sechs Jahren des Geredes sang- und klanglos geplatzt und auch über die Tierwohlabgabe werde lediglich diskutiert.

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Der Knackpunkt sei allemal, dass die Verbraucher ihr Konsumverhalten ändern müssten - aber es nicht täten. Welke: „92 Prozent wollen Fleisch aus besserer Haltung, aber die meisten greifen dennoch im Laden nach Billigfleisch.“

Eine große (und nicht unbedingt rühmliche) Rolle im Chicken-Business spielt die PHW-Gruppe, laut Welke „Quasi-Monopolist“ und der „FC Bayern der gefiederten Branche“ mit einem Marktanteil von 50 Prozent. Der nächst größere Geflügelbetrieb komme auf lediglich 15 Prozent. Deshalb hätten die „Mästers of the Huhnivers“ eine solch große Macht, die auch von der Politik nicht groß beschnitten werde.

Superhuhn „Ross 308“ - das Gegenteil von „Biggest Loser“

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Für die „Broiler-Barone“ (Welke) von PHW forsche die EW Group am Supermasthuhn „Ross 308“ (Welke: „Der Genbauplan ist der größte Schatz der PHW.“). Sebastian Puffpaff meldete sich aus dem Genlabor und beschrieb das Super-Chicken. „Unser Huhn wird superschnell fett, es ist das Gegenteil von ‚The Biggest Loser‘: In fünf Wochen nimmt es 1,5 Kilo zu und muss direkt geschlachtet werden, weil es sonst wegen seiner schweren Brust nach vorne umkippt.“

Den Vorwurf, man spiele Gott, wollte Puffpaff nicht gelten lassen. „Quatsch. Gott ruft bei uns an, weil er ein Praktikum machen will.“ Puffpaff gab zu, dass schon die Küken mit Antibiotika vollgepumpt würden und auf dem Fleisch letztlich zahlreiche resistente Keime nachwiesen werden können. Dass das auch für den Menschen gesundheitliche Risiken berge, nahm er locker: „Wäre doch schön, wenn die nächste Pandemie mal aus Deutschland käme. Wo sind wir denn sonst noch Weltspitze?“

RND/Teleschau

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