„Bosch“ sagt Bye: Der gerechte Cop gibt die Marke zurück

  • Letzte Folgen geliebter Serien machen traurig.
  • Auch „Bosch“, der harte, gute, hartnäckige Cop vom LAPD, hat seinen Dienst bei Amazon Prime mit der siebten Staffel beendet.
  • Für die Fans von Hauptdarsteller Titus Welliver scheint dennoch ein Licht der Hoffnung.
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Wieder verabschiedet sich eine große Serie. „Bosch“ geht. Nach sieben Staffeln ist Schluss bei Amazon Prime. Die Abteilung wird aufgelöst, Detective Bosch soll nach West Hollywood. „Selber Job, anderer Schreibtisch“, bemerkt er mit der ihm eigenen Lakonie. Sein Partner Jerry Edgar (Jamie Hector) muss anderswo in die Nachtschicht. „Das wird alles“, beruhigt ihn Bosch bei einem letzten Glas Martini.

Und das, obwohl er selbst zutiefst beunruhigt ist. Polizeichef Irving („The Wire“-Star Lance Reddick) wurde wider Erwarten für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt. Die dafür notwendige Stimme bekam er für seine Bereitschaft zu einem krummen Deal, der es dem FBI ermöglicht, einige lang gesuchte, mittelfette Hasen zu fassen, wobei der dickste Mafiabraten Pena entkäme.

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Damit käme einer mit Morden davon. Unter anderem hat er den Tod eines zehnjährigen Mädchens verschuldet. „Sonja Hernandez“, wiederholt Bosch immer wieder ihren Namen wie eine Ermahnung zur Festigkeit. So etwas geht nicht mit Bosch. Auch wenn den „Feds“ in die Parade zu fahren bedeuten könnte, die eigene Karriere zu ruinieren.

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„Ich kann nicht anders. Ich muss das tun“, sagt er. Dafür schätzen wir ihn. Das Gute. Unbedingt. Bosch geht seinen Weg wie einst Gary Cooper in „12 Uhr mittags“. „Das Maß ist endgültig voll“, bescheidet ihm Irvin Irving, dessen Name nicht nur nach Entenhausen klingt, dessen Grinsen einen auch an Kater Karlo erinnert. „Bosch, wer sind Sie ohne Dienstmarke?“, fragt der Korrupte den Gerechten. „Das finde ich jetzt raus“, erwidert der nach seinem letzten großen Kampf zu Klaviermusik, über die ein Saxofon rauchig flüstert.

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Hard boiled, mit weichem Kern, so liebten wir Hieronymus Bosch, den Helden aus der Feder von Romanautor Michael Connelly, den alle „Harry“ nannten, den unbeugsamen Meister der ungelösten Fälle in der Tradition von Philip Marlowe und Sam Spade. Und Titus Welliver war mit seiner cäsarischen Stirn, den sinnlichen Lippen und den markanten Koteletten die perfekte Besetzung für den Mann mit dem Namen des niederländischen Renaissancemalers, dessen Bilder oft die Verderbtheit der Menschen thematisierten.

Wehmütiger Blick über des Teufels Stadt der Engel

Von seinem Apartment blickt Bosch nächtens über die Stadt der Engel, die oft nur eine Schutzburg für Teufel war. Alles glitzert. Und John Fogerty singt (während nicht CCR, sondern My Morning Jacket dazu spielen) passgenau „Long As I Can See the Light“. Trauriger Song, zu dem wir trauern. Soll es das gewesen sein?

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Nicht ganz, und nein, man muss für ein Wiedersehen auch nicht alle Staffeln noch einmal durchhuschen (auch wenn das keine schlechte Idee wäre). Generationenwechsel. Boschs Tochter Madds (Madison Lintz) ist eine junge Frau geworden, will ihrem Leben einen Sinn geben und entschließt sich, beim LAPD anzuheuern. Bosch dagegen rückt noch näher an den großen Marlowe, er wird ein Privatdetektiv, zieht nur kurz die Augenbraue in die Höhe, als er erfährt, dass er dafür eine Überprüfung des FBI zu überstehen hat. Es wird weitergehen. Ein Serien-Spin-off mit Welliver und Lintz ist in Vorbereitung.

„Bosch“, sieben Staffeln, von Eric Overmyer und Michael Connelly, mit Titus Welliver, (bei Amazon Prime Video)

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