Sacha Baron Cohen zu „Borat 2“: „Giuliani hat uns die Polizei auf den Hals gehetzt“

  • Der schnauzbärtige Reporter Borat ist zurück. Und in „Borat 2“ gelingt Sacha Baron Cohen ein Coup.
  • Der Film enthält eine Szene, die Trump-Kumpan Rudolph Giuliani bloßstellt und ihn politisch eigentlich erledigen müsste.
  • Im RND-Interview spricht der Schauspieler und Comedian über die Szene, deren Folgen und gefährliche Drehmomente.
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Sacha Baron Cohen brauchte für die Verfilmung von „Borat 2“ (Amazon Prime) eine junge Schauspielerin, die ebenso seine 15-jährige Tochter wie auch eine Polit­journalistin spielen kann. Er fand sie „nach sieben Monaten Suche“ in Bulgarien, wo Maria Bakalova erst im letzten Jahr die National­akademie für Theater und Film absolviert hatte. Jetzt ist die 24-Jährige weltweit bekannt als Verführerin von Rudy Giuliani, dem früheren Bürgermeister von New York und jetzigem Trump-Kumpan.

So lässt sich Giuliani im Film von der „naiven“ Blondine während eines (Fake-)Interviews ins Schlafzimmer einer Hotelsuite locken. Ein Standbild des Ex-Bürgermeisters von New York, wie er sich aufs Bett legt und sich dabei in die Hose fasst, sorgt aktuell für globalen Wirbel. RND-Autor Dierk Sinderman hat mit Sacha Baron Cohen darüber gesprochen.

Sacha Baron Cohen, Giuliani besteht darauf, dass er sich nicht unangemessen mit der jungen Frau verhalten habe.

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Es ist faszinierend, was das Trump-Regime als angemessen im Umgang mit Frauen betrachtet. Aber jeder, der den Film sieht, kann sich darüber selbst ein Bild machen.

War das Ganze denn eine vorher geplante Verführungsfalle, in die Giuliani getappt ist?

Ich will die Pointen nicht verraten. Aber die einzige Person, die für Rudy Giulianis Verhalten verantwortlich ist, ist Rudy Giuliani. Ich würde es als Produzent niemals zulassen, dass sich eine meiner Schauspielerinnen in Gefahr begibt. Ich werde immer eingreifen.

Haben Sie danach von Giuliani gehört?

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Er hat sich anscheinend ziemliche Sorgen gemacht. Er hat uns nämlich die Polizei auf den Hals gehetzt. Ich weiß nicht, was er behauptet hat. Aber die Cops haben eine Razzia in unserem Hotelzimmer gemacht, ohne gültigen Durchsuchungs­befehl.

Sie begeben sich im Film in einige sehr heikle Situationen. Hatten Sie eigentlich nie Angst?

Natürlich habe ich Angst, so wie jeder andere auch. Ich habe oft Szenen geschrieben und fand sie toll. Bis zu dem Tag, an dem ich sie dann drehen musste. Ich hatte solch einen Schiss, dass ich am liebsten abgehauen wäre. Ich musste mich jedes Mal überwinden.

Gab es einen besonders gefährlichen Moment?

Ja, gleich am ersten Drehtag. Wir waren bei einer Demonstration für Waffenrechte im Bundesstaat Washington. Ich trug ein T‑Shirt, dass … äh … nicht wirklich die mächtige Waffenlobby NRA unterstützt hat. Ich habe darunter eine kugelsichere Weste getragen, zum ersten Mal in meiner Karriere. Es liefen so viele Typen mit halb automatischen Gewehren herum, es hätte sich sogar versehentlich ein Schuss auf mich lösen können. Ich bin auf jeden Fall bei diesem Film mehr Risiken eingegangen als je zuvor. Aber ich musste es tun.

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Warum?

Wir leben gerade in einer Zeit, in der Amerika an einer Klippe steht und in die Autokratie zu stürzen droht. Je nachdem, was bei den Wahlen geschieht. Ich wollte einfach zeigen, dass die Schattenseiten der amerikanischen Gesellschaft durch den Präsidenten salonfähig geworden sind.

Und die decken Sie ausgerechnet als „Borat“ auf?

Er ist doch der ideale Mann dafür. Ein Fake-News-Journalist, der eine leicht extremere Version von Trump ist. Beide sind frauenfeindlich, beide sind rassistisch, beide unterstützen Antisemiten, beide scheren sich gar nicht um Demokratie, beide haben die alte Weltanschauung und beide sind einfach lächerliche Figuren. Ich habe realisiert, dass deshalb Trump-Anhänger gewillt sind, mir einen Einblick zu geben, wie weit sie wirklich gehen würden.

Sie haben mit zwei von denen sogar ein paar Tage gelebt. Das muss ja der Horror gewesen sein.

Nein, im Gegenteil. Ich wollte in meinem Film zeigen, dass diese zwei Verschwörungs­theoretiker eigentlich herzensgute Menschen sind. So wie viele der Trump-Anhänger auch. Sie wurden mit Lügen gefüttert, die auf Social Media verbreitet werden. Und sie haben sie geglaubt. Aber die Menschlichkeit ist bei ihnen noch vorhanden, und das macht mir Hoffnung.

Sie sehen also nicht schwarz für die Zukunft?

Das kann ich erst nach der Wahl in den USA sagen, und die steht auf Messers Schneide. Es ist gerade hart, optimistisch zu sein. In Trumps Amerika sind ja Fakten langweilig geworden. Und reißerische Lügen werden so lange durch Social Media verbreitet, bis sie geglaubt werden. Es ist die größte Propaganda­maschine der Geschichte.

Was macht Trump Ihrer Meinung nach so gefährlich?

Ich bin nur ein Comedian, ein Schauspieler und kein Politikexperte. Aber meiner Meinung nach hat Trump eines sehr genial gemacht. Er ist durch Fake Media zum Präsidenten geworden. Und dann hat er den Spieß umgedreht und verunglimpft alle Berichte, die ihm nicht passen, als Fake News. Wie es in Autokratien üblich ist. Er hat die Medien als Feind auserkoren und hetzt seine Anhänger so sehr auf, dass sie sogar bereit zu Gewalt gegen Journalisten sind.

Es ist erstaunlich, dass Leute noch immer auf „Borat“ hereinfallen. Wie schaffen Sie das?

Indem ich authentisch bin. Ich werde voll und ganz zu meiner Rolle. Ich kann alle Fragen über mein Land, meine Familie und meine Freunde beantworten. Von der Unterhose bis zu Krimskrams, den ich in der Hosentasche habe, alles ist Original Borat. Inklusive meines Gestanks. Glauben Sie mir, niemand hält es lange in meiner Nähe aus.

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