„Black Widow“-Star Scarlett Johansson befreit sich vom Sexismus im Marvel-Universum

  • In ihrem ersten Solofilm emanzipiert sich die Marvel-Heldin „Black Widow“ endgültig von ihrem sexualisierten Image.
  • Höchste Zeit, findet nicht nur Hollywoodstar Scarlett Johansson.
  • Doch bei der virtuellen Pressekonferenz wurden das Thema mehr oder weniger elegant umschifft.
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Obwohl Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) wusste, dass ein potenziell sehr teurer Prozess wegen sexueller Belästigung ins Haus stehen könnte, konnte sich „Iron Man“ Tony Stark (Robert Downey Jr.) nicht zurückhalten: „I want one“ – „So eine will ich“, sagte er, als Black Widow (Scarlett Johansson) ihren ersten Auftritt im Marvel-Kinouniversum hatte. Die schmierige Szene stammt aus „Iron Man 2“ (2010): Es hat mehr als zehn Jahre gedauert, bis sich die Superheldin von ihrem sexualisierten Image befreien durfte.

In ihrem ersten Solofilm „Black Widow“ (Kinostart 8. Juli, Streamingstart bei Disney+: 9. Juli) steht nun nicht mehr die Killerin im Latexanzug, die Männer verschlingende Schwarze Witwe, im Mittelpunkt. Der Film dreht sich um Natasha Romanoff, wie Black Widow bürgerlich heißt: um den Menschen, um die Frau.

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Für die mittlerweile 36-jährige Scarlett Johansson ist dies ein überfälliger Schritt, wie sie während der Dreharbeiten 2019 in einem Interview mit „Collider“ sagte: Vor zehn Jahren noch, erinnerte sie sich, wurde über ihre Figur wie „ein Stück Fleisch gesprochen, das jemand besitzt“. Das Perfide daran: Johansson selbst habe es damals sogar als Kompliment verstanden. Die Zeiten, konstatierte sie, waren einfach so.

Johansson: „Ich habe jetzt weniger Angst“

Mittlerweile haben sich die Zeiten geändert, hat sich Johanssons Blick auf ihre Figur verändert – und auf sich selbst. „Ich bin nachsichtiger mit mir selbst, ich akzeptiere mich mehr. Als Frau und Mutter stehe ich an einem anderen Punkt in meinem Leben“, sagt der Hollywoodstar und ist froh, dass Natasha Romanoff nicht mehr als übersexualisiertes Klischee die Welt retten muss. „Ich habe einen so langen Teil meines Erwachsenseins damit verbracht, diese Figur zu spielen, dass ich jetzt weniger Angst vor Dingen habe, als ich es vor zehn Jahren hatte. Und das ist gut“, unterstrich sie auf einer Zoom-Pressekonferenz kurz vor Kinostart.

Dass sich die Superhelden bei Marvel emanzipieren, dass sie diverser werden, ist überfällig. Das Studio feiert sich dafür gerne, auch wenn es im Grunde gesellschaftliche Debatten stets im Nachhinein aufnimmt – als pflichtbewussten Beitrag zu Debatten des zahlenden Publikums. Von Ausnahmen wie „Black Panther“ abgesehen beschränkt man sich häufig auf weichgespülte, leicht bekömmliche Botschaften, die niemandem wehtun. Wenn alle darüber reden, so das Motto, dann reden wir halt mit: aber nur ein bisschen und auf keinen Fall kontrovers.

Sexismusvorwürfe elegant überhört

Nur reden die Offiziellen gar nicht darüber. Bei der virtuellen Pressekonferenz wurden heikle Themen mehr oder weniger elegant umschifft. Weder Produzent Kevin Feige noch Regisseurin Cate Shortland äußerten sich zu Johanssons Aussagen, die Marvel im Prinzip Sexismus vorgeworfen hatte.

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Mastermind Kevin Feige schmiedet lieber Pläne: „Die Idee, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft des MCU zu erforschen, ist sicherlich für alle unsere Figuren eine Option“, kündigt er zukünftige Projekte vage an. Ansonsten aber schweigt er beredt. Für ihn ist Scarlett Johansson einfach nur „eine erstaunliche Darstellerin, und mit jedem einzelnen Auftritt lernte man mehr, sah man mehr und wollte man mehr wissen.“ Das ist ein bisschen wenig, wenngleich Feige natürlich nicht unrecht hat.

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Dass ausgerechnet „Black Widow“ den Restart des Kinojahres auf Blockbuster-Level einläutet, sei vor allem Scarlett Johansson gegönnt. Ihre Figur stand immer im Schatten der übermächtigen männlichen Avengers. Dabei war es im Grunde Natasha Romanoff, die den Laden immer dann am Laufen hielt, wenn alles verloren schien: Sie war das Herz der Superheldentruppe, und sie war es auch, die in „Endgame“ das ultimative Opfer brachte. Mit „Black Widow“ bekommt sie die Aufmerksamkeit, die sie verdient.

RND/Teleschau

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