„Die Lockdown-Macher“: Humboldt-Universität geht gegen „Bild“-Bericht vor

Die Berliner Humboldt-Universität (HU) hat beim Deutschen Presserat Beschwerde gegen einen Beitrag in der „Bild“-Zeitung vom 4. Dezember eingereicht (Archivbild).

Die Berliner Humboldt-Universität (HU) hat beim Deutschen Presserat Beschwerde gegen einen Beitrag in der „Bild“-Zeitung vom 4. Dezember eingereicht (Archivbild).

Die Berliner Humboldt-Universität (HU) hat beim Deutschen Presserat Beschwerde gegen einen Beitrag in der „Bild“-Zeitung vom 4. Dezember eingereicht. Darin würden Wissenschaftler der HU, darunter der Physiker Dirk Brockmann, als „Lockdown-Macher“ bezeichnet, teilte die Hochschule am Montag in Berlin mit. Den Leserinnen und Lesern werde auf diese Weise suggeriert, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen seien verantwortlich für Entscheidungen der Politik. Unterdessen kritisieren auch führende Wissenschaftsorganisationen die Berichterstattung der „Bild“-Zeitung scharf.

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Die Humboldt Universität teilte mit, diese Art der journalistischen Darstellung sei in den Debatten um den Zusammenhalt der Gesellschaft in Pandemiezeiten gefährlich und verantwortungslos. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler würden auf diese Weise „markiert“. Anhängerinnen und Anhänger von Verschwörungstheorien erhielten dadurch mediale Unterstützung für ihre Ansicht, die Wissenschaft sei ein Treiber politischer Entscheidungen. Dies sei aber nicht der Fall.

Das Präsidium der Humboldt-Universität verwahre sich vor solchen Falschbehauptungen und stelle sich schützend vor jedes seiner Mitglieder, das auf diese Weise verleumdet wird, hieß es weiter. Zudem erklärte sich das Präsidium der HU solidarisch „mit allen, die sich gegen derartige bewusste Falschaussagen zur Wehr setzen“: „Diese Art der Berichterstattung ist weit entfernt von jeder journalistischen Redlichkeit.“ Die HU stehe für Freiheit und Toleranz auf der Grundlage gegenseitiger Achtung und Anerkennung. Dies bedeute, konkurrierende Ansichten auszuhalten und Differenzen in argumentativen Streits zu überführen.

Führende Wissenschaftsorganisationen kritisieren „diffamierende“ Berichterstattung

Ähnliche Worte schlägt die Allianz der Wissenschaftsorganisationen in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme an. Mit dem Beitrag „Die Lockdown-Macher“ setze die „Bild“-Zeitung „ihre im vergangenen Jahr begonnene einseitige Berichterstattung gegen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fort, die ihre fachliche Expertise in den Dienst von Politik und Gesellschaft stellen“, teilt der Zusammenschluss deutscher Wissenschaftsorganisationen mit.

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„Dass und auf welche Weise hier einzelne Forscherinnen und Forscher zur Schau gestellt und persönlich für dringend erforderliche, aber unpopuläre Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung verantwortlich gemacht werden („Experten-Trio schenkt uns Frust zum Fest“), ist diffamierend“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Die Berichterstattung der „Bild“-Zeitung könne zudem „leicht zu einem Meinungsklima beitragen, das an anderer Stelle bereits dazu geführt hat, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich physischer oder psychischer Gewalt ausgesetzt sahen oder mit ihr bedroht wurden“. Gerade in Krisensituationen und einem ohnehin schon emotionalisierten Themenfeld sei Sachlichkeit in Diskussion und Berichterstattung in besonderer Weise geboten und weitaus zielführender.

„WissenschaftlerInnen dürfen nicht Querdenkern als Zielscheiben angeboten werden“

In dem am Samstag erschienen Artikel der „Bild“-Zeitung wird drei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – Viola Priesemann, Dirk Brockmann und Michael Meyer-Hermann – die Verantwortung für Lockdowns beziehungsweise strengere Corona-Maßnahmen in den Bundesländern zugewiesen. In dem Bericht heißt es unter anderem, „die Knallhart-Maßnahmen“ seien von Experten „ausgetüftelt“ worden.

Der designierte Gesundheitsminister Karl Lauterbach kritisierte die Darstellung am Wochenende scharf: „Alle Entscheidungen zum Beispiel gegen Ungeimpfte wurden AUSSCHLIESSLICH von der Politik getroffen. Es genügt, dass wir 24/7 mit Personenschutz unterwegs sind. Die WissenschaftlerInnen dürfen nicht den gewaltbereiten Querdenkern als Zielscheiben angeboten werden“, schrieb der SPD-Politiker bei Twitter. Der Virologe Christian Drosten rief die Politik auf, die Darstellung richtigzustellen, „um die betroffenen Wissenschaftler zu schützen“.

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Zur Allianz der Wissenschaftsorganisationen gehören der Wissenschaftsrat, die Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Hochschulrektorenkonferenz, die Leibniz-Gemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

RND/seb/epd

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