Big-Brother-Negativpreise für Arztterminplattform und Google

  • Die Big-Brother-Awards haben in diesem Jahr einen problematischen Datenumgang in der Corona-Pandemie in den Blick genommen.
  • Der Negativ-Preis ging unter anderem an die Internetplattform „Doctolib“, die die Vermittlung von Arztterminen anbietet.
  • Scharfe Kritik gab es auch an dem stellvertretenden Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Julian Nida-Rümelin, für seine Äußerung über Datenschutz in Corona-Zeiten.
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Berlin. Bürgerrechtsorganisationen haben mit den sogenannten Big-Brother-Awards Behörden und Firmen angeprangert, die aus ihrer Sicht in fragwürdiger Art und Weise Daten sammeln, die Privatsphäre von Menschen verletzen oder den Datenschutz an sich in Frage stellen. So bekam am Freitag unter anderem der Philosoph und stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Julian Nida-Rümelin, einen solchen Negativ-Preis - für seine aus Sicht der Jury unhaltbare Behauptung, dass Datenschutz die Bekämpfung der Corona-Pandemie erschwert und Tausende von Toten zu verantworten habe.

Nida-Rümelin hatte im März in einem Interview gesagt, die Entscheidung, die Corona-App freiwillig zu machen und nicht verpflichtend, sei falsch gewesen. „Manche Verteidiger des Datenschutzes sind zufrieden. Daneben steht aber die Bilanz der Krise: Über 70.000 Todesfälle, 500.000 zusätzliche Arbeitslose, vernichtete Existenzen, ein deutlicher Anstieg psychischer Erkrankungen in Deutschland.“

Kritik an Google

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Google erhielt den Big-Brother-Award für jüngst offenbar gewordene „massive Manipulation des Internet-Werbemarktes, Aushungern von Kreativen und Medien sowie Enteignung unserer digitalen Persönlichkeiten“, wie es hieß. Den Preis in der Kategorie Gesundheit erhielt die Berliner Firma Doctolib, die die Vermittlung von Arztterminen über ihre Plattform anbietet. „Diese Daten werden unter Missachtung der Vertraulichkeitsverpflichtung verarbeitet und laut Datenschutzvereinbarung auch im Rahmen kommerzieller Marketingzwecke genutzt“, hieß es dazu.

Seit dem Jahr 2000 werden in Deutschland die Big-Brother-Awards an Firmen, Organisationen und Personen verliehen, „die in besonderer Weise und nachhaltig die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigen sowie persönliche Daten verkaufen oder gegen ursprüngliche Interessen verwenden“. Der Name ist George Orwells Roman „1984“ entnommen, in dem schon Ende der vierziger Jahre die Vision einer totalitären Überwachungsgesellschaft entworfen wurde.

RND/dpa/epd

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