Deutliche Worte bei "Anne Will"

Greta Thunberg kritisiert nach Lützerath-Protesten „heuchlerische“ Politik der Grünen

Greta Thunberg hat am Wochenende an den Protesten zur Erhaltung des Dorfes Lützerath teilgenommen.

Greta Thunberg hat am Wochenende an den Protesten zur Erhaltung des Dorfes Lützerath teilgenommen.

Ein ausgestorbenes Dorf in Nordrhein-Westfalen bestimmt aktuell die Schlagzeilen: Der anvisierte Braunkohleabbau in Lützerath wird leidenschaftlich diskutiert. Im Zentrum der Debatte steht ein Kompromiss zwischen der Regierung und dem Energieversorgungskonzern RWE: Fünf Dörfer um Lützerath sollen erhalten bleiben, während nach dem nahenden Abriss der Siedlung der Braunkohletagebau schon im März oder April beginnen könne, wie ein RWE-Sprecher kürzlich der „Rheinischen Post“ eröffnete.

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Am vergangenen Wochenende kam es einmal mehr zu großen Protesten rund um die Abbruchkante in Lützerath. Bei der Räumung des Areals durch die Polizei eskalierte die Lage, beide Seiten warfen sich nach Zusammenstößen Gewalt vor. Gesicht zeigte bei den Protesten auch einmal mehr Klimaaktivistin Greta Thunberg. „Wir zeigen, wie die Macht des Volkes aussieht“, erklärte die 20-Jährige am Sonntagabend im Polittalk „Anne Will“ den „friedlichen Protest“ zur Erhaltung von Lützerath. „Es ist seltsam, dass wir ein Dorf opfern, um die anderen zu retten. Das macht keinen Sinn.“

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„Deutschland ist historisch gesehen einer der größten Umweltverschmutzer weltweit“

Thunberg nutzte die Gelegenheit auch, um einmal mehr die Rolle Deutschlands in der globalen Klimapolitik zu kritisieren: „Deutschland ist historisch gesehen einer der größten Umweltverschmutzer weltweit. Was in Deutschland passiert, bleibt nicht in Deutschland.“ Auch mit politischen Entscheidungen der Grünen ging die Klimaaktivistin hart ins Gericht: Die Partei agiere in ihren Augen „heuchlerisch“: „Erst an den Demos für Lützerath teilnehmen und dann Lützerath opfern.“ Wills Einwand, das Thema als „gelungenen Kompromiss“ zu betrachten, wies die 20-Jährige entschieden zurück.

Es würden nach wie vor zu viele Mengen CO₂ ausgestoßen - und das, obwohl Millionen von Tonnen Braunkohle unter der Erde bleiben werden und Nordrhein-Westfalen acht Jahre früher aus der Kohle aussteigt. Thunberg könne einfach nicht akzeptieren, dass RWE, ein fossiler Energiekonzern, Deals mit der Regierung machen dürfe: „Dadurch wird das Leben von vielen Menschen gefährdet.“

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Als die Talkmasterin auf das Statement des deutschen Klimaschutzministers Robert Habeck, in dem er Lützerath als „falsches Symbol“ beschreibt, einging, prangerte Thunberg erneut die Arbeit der Regierung an. Sie zweifle die Absichten des Politikers in Anbetracht der durch den Ukrainekrieg ausgelösten Versorgungskrise nicht an, aber die Bundesregierung sei auf dem falschen Weg, monierte Thunberg: „Wir können nicht so weitermachen wie bisher. Wir müssen ein paar Schritte zurück.“ Auf Wills Hinweis auf die „akute Versorgungskrise“ hin konterte Thunberg: „Wollen Sie sagen, dass diese Kohlemine sofort Energie liefert?“ Man müsse einfach anfangen, die Klimakrise auch als Krise zu behandeln.

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„Wir sind viele, die sich fragen, wen die Polizei wirklich schützt“

Im Krisenmodus befanden sich teils auch die Polizeibeamten vor Ort. Laut Polizei sei es in Anbetracht rund 1000 vermummter „Störer“, die rund um die Demo versucht hätten, auf das Gelände zu stürmen, angebracht gewesen, Wasserwerfer, Schlagstöcke und Pfefferspray einzusetzen. In beiden Lagern soll es Verletzte gegeben haben. „Wir sind viele, die sich fragen, wen die Polizei wirklich schützt“, entgegnete Thunberg auf Wills Frage, ob sie Gewalt und Radikalisierung verurteile.

„Die Aktivistinnen und Aktivisten der Klimabewegung sind eine sehr heterogene Gruppe von Menschen. Ich kann niemandem was sagen, nur zu friedlichem Protest ermutigen“, erklärte die Schwedin. Sie selbst saß nach Angaben eines Polizeisprechers kurzzeitig auf einem Wall an der Tagebaukante. Als sie den Aufforderungen, den Wall zu ihrer eigenen Sicherheit zu verlassen, nicht nachkam, habe man sie ein paar Schritte weiter weggebracht - ein „harmonisches“ Aufeinandertreffen, wie Thunberg bilanzierte.

RND/Teleschau

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