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Zweite „Verstehen Sie Spaß?“-Ausgabe

Barbara Schöneberger: „Ich habe noch nie darauf geachtet, ob mich ein Mann oder eine Frau unterhält“

Showmasterlegende Frank Elstner (l) und Moderatorin Barbara Schöneberger stehen in der Aufzeichung von "Verstehen Sie Spaß?" vor einer Fernsehkamera.

Was war das für eine Aufregung am 2. April 2022, um 20.15 Uhr im Ersten? Die mit Spannung erwartete Premiere Barbara Schönebergers als Moderatorin von „Verstehen Sie Spaß?“ begann mit fünf Minuten Stille - obwohl man die 48-jährige Entertainerin in der Flimmerkiste singen und tanzen sah. In ihrer zweiten „Verstehen Sie Spaß?“-Ausgabe am Samstag (25. Juni, 20.15 Uhr, Das Erste) wird Barbara Schöneberger so etwas nicht noch einmal passieren. Was fast ein bisschen schade ist, wie die Moderatorin im Interview erzählt. Ein Gespräch über Schönebergers Lust am Chaos, den Zauber schlecht vorbereiteter Unterhaltung und einen hochstilisierten „Geschlechterkampf“ in der deutschen Showbranche.

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Ihre erste Live-Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ sorgte für Schlagzeilen wegen eines kompletten Tonausfalls, der eine galahafte Gesangs- und Tanzeinlage von Ihnen kaputt machte. Waren Sie sauer?

Barbara Schöneberger: Nein, ich habe im Saal gar nichts davon mitbekommen. Bei uns war ja auch alles zu hören. Im ARD-Live-Stream übrigens auch. Der fast fünfminütige Tonausfall betraf „nur“ die klassische Fernsehübertragung im Ersten, ORF und Schweizer Fernsehen. Wenn man heute darüber nachdenkt, war die Sache wahnsinnig lustig. Irgendwo hat jemand ein falsches Kabel gezogen oder den falschen Hebel umgelegt. Mit dem Ergebnis, dass eine wochenlang ausgearbeitete und einstudierte Shownummer einfach pulverisiert wurde.

Im Saal war tatsächlich alles zu hören?

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Ja, da war alles perfekt. Ich habe die ganze Aufregung erst später mitbekommen. Auch die Kommentare wie: „Warum hat die Schöneberger vergessen, ihr Mikrofon anzuschalten?“

„Mein Mann hat sich aber geärgert über solche Kommentare“

Finden Sie das ungerecht?

Barbara Schöneberger: Ach was, dann hatten die Leute wenigstens ein Thema und können Dinge schreiben wie: „Die ARD ist zu doof, was passiert eigentlich mit unseren Gebührengeldern?“. Mein Mann hat sich aber geärgert über solche Kommentare, weil er wusste, wie viel Mühe wir uns gemacht haben. Ich kann nicht mit solchen Dingen hadern, weil ich so etwas irgendwie auch ganz rührend finde. Es zeigt, dass wir alle nur Menschen sind, die beständig scheitern können. Das finde ich tröstlich und schön.

Lesen Sie Kritiken zu Ihren Sendungen?

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Nein, nie. Ich spreche auch privat nicht über meine Arbeit. Meine Freunde und Bekannten wissen meistens gar nicht, was ich gerade mache. Manchmal rufen sie an und ich muss es echt kurz machen, weil ich fünf Minuten später auf die Bühne muss, um den Deutschen Fernsehpreis oder so zu moderieren.

Ihre zweite „Verstehen Sie Spaß?“-Sendung ist nun eine Aufzeichnung. Fühlen Sie sich damit besser oder schlechter?

Eigentlich ist unsere zweite Show die erste Show, denn sie wurde vor der bereits gesendeten Liveshow aufgezeichnet. Das werden wir immer so machen: zweimal pro Jahr produzieren wir jeweils zwei Shows am Stück, das spart eine Menge Geld und Ressourcen. Mir geht es immer am besten, wenn ich völlig jungfräulich an etwas herangehe. Deshalb mag ich diese erste Sendung, die man jetzt erst sehen kann, auch sehr gerne. Weil da so viel Spontanität und Zauber des „ersten Mals“ drinsteckt. Elyas M‘Barek war einer der ersten Gäste, der hat die ganze Zeit nur gelacht. So etwas ist nach meinem Geschmack. Da herrschte gleich so eine besonders lockere Stimmung ...

„Man muss das Chaos wollen und eine Neigung dazu mitbringen“

Haben Sie mal analysiert, warum Sie das Spontane so lieben?

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Ich glaube, ich bin am besten, wenn ich spontan bin. Außerdem würde ich mich als wahnsinnig faul bezeichnen. Sich gut und akribisch vorzubereiten, nervt mich mitunter. Vielleicht will ich mich auch einfach nicht mit denen messen, die sich gut vorbereiten. Weil die ja im Zweifelsfall dann auch alle gut sind in dem, was sie tun. Ich sehe mich lieber in einer anderen Kategorie. Nach dem Motto: Wie weit kannst du gehen, ohne etwas vorbereiten zu müssen? Man darf aber nicht vergessen, dass im Vorfeld ja ein riesiges Team genau das tut - nämlich alles gut vorzubereiten. Ich selbst langweile mich aber schnell. Zum Beispiel, wenn ich einen Witz zweimal machen soll. Ich möchte das auch den Kameraleuten und allen anderen Studiokollegen nicht zumuten. Deshalb mache ich alles gerne möglichst spontan.

Ist man beim Fernsehen an der richtigen Adresse, wenn man Routinen hasst? Schließlich geht es bei Shows ja auch um Inszenierung ...

Ja, aber es kommt eben immer darauf an, wie man es macht. Wenn ich zum Beispiel einen Einspieler aufsagen muss, bin ich beim ersten Versuch eigentlich immer am besten. Es gibt aber auch Regisseure, die sagen: „Hast du super gemacht, machen wir gleich noch mal!“ Ich glaube nicht, dass ich im zweiten oder sechsten Versuch jemals etwas besser gemacht habe als im ersten Versuch. Doch die Leute legen unterschiedliche Maßstäbe an, wenn sie so etwas wie Qualität in der Unterhaltung bewerten.

Haben Sie das Faulsein von Thomas Gottschalk gelernt? Er gilt als der Meister der schlechten Vorbereitung ...

Es ist eine Sache der Persönlichkeit. Entweder man kann unter diesen Umständen abliefern oder nicht. Der Gottschalk kann das. Und ich, glaube ich, kann das auch. Doch viele unserer Kollegen arbeiten anders, die haben auf dieses Chaos keinen Bock, und das verstehe ich auch. Man muss das Chaos wollen und eine Neigung dazu mitbringen. Aber ich finde, die Moderation dieser Show ist auch kein Hexenwerk. Es kommen ein paar Leute, mit denen unterhält man sich. Zwischendurch guckt man sich sehr lustige Filme an, und dann wird noch ein bisschen gesungen. Fertig ist die Show!

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Im Vorfeld war zu lesen, dass „Verstehen Sie Spaß?“ Ihre erste klassische Samstagabend-Show ist. War Ihnen das klar?

Ich glaube, es stimmt. Weil, wenn ich samstags zu sehen war, stand ich mit Thomas Gottschalk und Günther Jauch gemeinsam auf der Bühne (bei „Denn sie wissen nicht, was sie tun“, RTL, d. Red.). Ich merke mir aber auch nicht nach Wochentagen, was ich gemacht habe. Ich würde mich an einem Mittwoch jedenfalls nicht weniger anstrengen als an einem Samstag. „Verstehen Sie Spaß?“ fühlte sich für mich deshalb nicht an, als wäre es etwas ganz Neues.

Tatsächlich wurden im deutschen Fernsehen große Gastgeber-Shows, die mit Spielen oder Quiz zu tun hatten, fast immer von Männern gemacht.

Ja, wie auf dieser Welt bisher fast alles von Männern gemacht wurde - aber das ändert sich ja gerade. Es gibt viele gute Frauen im deutschen Fernsehen, da mache ich mir keine Sorgen. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich die Einzige bin, die in Deutschland eine große Unterhaltungsshow moderieren kann: Carolin Kebekus, Carmen Nebel, Helene Fischer oder Anke Engelke, die neulich mit „Wer stiehlt mir die Show?“ ein Riesending eingefahren hat, fallen mit spontan ein. Es wird sich alles mit der Zeit zurechtruckeln, glaube ich. Ich habe noch nie darauf geachtet, ob mich ein Mann oder eine Frau unterhält. Hauptsache, es ist lustig.

Kommen wir zu den Versteckte-Kamera-Filmen. Früher hatte das Fernsehen solche Streiche exklusiv. Heute filmt jeder mit versteckter Kamera und kann witzige Dinge festhalten. Ein Problem für Ihr neues Format?

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Ich finde, das ist schon ein Unterschied. Wenn ich mir angucken kann, wie sehr bekannte deutsche Stars mit versteckter Kamera reingelegt werden oder wiederum jemand anderen reinlegen, kann für mich bei YouTube stattfinden, was will. Ich würde mal sagen, so personalisiert und hochkarätig wie bei uns - mit all der liebevollen Vorbereitung: Das kriegt man nicht in einem privaten Prank-Video geboten.

„Die Filme damals und ihr Humor waren unendlich langsam“

Sind Ihre Streiche überhaupt mit der Internet-Kultur vergleichbar?

Barbara Schöneberger: Unsere Streiche funktionieren im Internet sehr gut. Unser YouTube-Kanal hat bald 1,5 Millionen Abonnenten! Aber Thomas Gottschalk hat mal sinngemäß gesagt, dass er auch deshalb mit „Wetten, dass ..?“ aufgehört hat, weil wenn bei ihm jemand durch drei Reifen gesprungen ist, springt bei YouTube jemand durch - keine Ahnung - 17 Reifen. Unser Humor hat sich verändert und vor allem auch unsere Geschwindigkeit.

Wie meinen Sie das?

Barbara Schöneberger: Wir zeigen bei „Verstehen Sie Spaß?“, was ich liebe, auch alte Filme aus der Kurt-und-Paola-Felix-Zeit. In dieser Show haben wir einen, in der wurde einer Frau gesagt, dass ihre neue Schreibmaschine auf Sprache reagiert und sie in ein Mikrofon reinsprechen solle. Die Schreibmaschine tippte dann natürlich auch scheinbar alles von alleine. Heute ist so ein Film im doppelten Sinne lustig. Nicht nur, weil so eine Spracherkennung tatsächlich funktioniert, sondern auch, weil die Filme damals und ihr Humor unendlich langsam waren. Trotzdem kann ich über so etwas sehr ausgiebig lachen.

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Humor ist also immer Geschmacksache?

Nicht nur Humor, alles in der Unterhaltung ist Geschmacksache. Ich frage nie jemanden in meinem Umfeld, wie er oder sie eine Sendung von mir fand. Manchmal haue ich meine Managerin an und erkundige mich nach den Reaktionen. Und wenn sie den Daumen hebt und sagt: „Du musst dir keine Gedanken machen, war gut“, dann reicht mir das. Ich mache alles, was ich im Fernsehen tue, vorrangig für mich. Wenn es keiner schauen würde, würde ich das vermutlich dennoch okay finden, weil es für mich erst mal wichtig ist, ob ich mich mit meiner Arbeit wohlgefühlt habe. Wenn es dann noch die Zuschauer mögen, umso besser!

RND/Teleschau

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