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Daniel Kehlmann-Kammerspiel kommt zur Primetime ins Fernsehen

  • Autor Daniel Kehlmann ist für Bestseller wie “Die Vermessung der Welt” und “Tyll” bekannt.
  • Ab und zu schreibt er fürs Theater.
  • Ein Stück kommt nun als TV-Adaption zur Hauptsendezeit ins Fernsehen.
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Berlin. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen weitgehend im Sitzen: Polizist Thomas vernimmt Philosophie-Professorin Judith in ihrem Hotelzimmer. Sie soll einen Terroranschlag geplant haben. An den Weihnachtstagen. Gegen den Staat, gegen das System. Aber hat sie oder hat sie nicht? Ist sie unschuldig? Ist er auf einer falschen Fährte?

Das ZDF zeigt am Montagabend zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr „Das Verhör in der Nacht“. Es ist die Fernsehfassung des Theaterstücks „Heilig Abend“ von Bestsellerautor Daniel Kehlmann („Tyll“, „Die Vermessung der Welt“). Darin bieten sich Sophie von Kessel als Judith und Charly Hübner als Thomas die Stirn. Das Gespräch schwankt von ernster Vernehmung zu vermeintlich beiläufigem Geplänkel. Dabei schwingt die ganze Zeit die Frage mit: Wer ist der Stärkere?

Professorin macht sich mit Einsatz für Unterdrückte verdächtig

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„Ganz ruhig. Ich tu' Ihnen nichts“, sagt der Polizist. „Noch nicht.“ Was er von Judith will, erfährt die Professorin zunächst nicht. Aber dass er alles über sie weiß: vom Fechtunterricht, den sie als Kind nahm, bis zu ihrer Einreise nach Chile mit gefälschten Pässen. „Ich weiß das“, sagt er immer wieder - mit süffisantem Lächeln.

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Verdächtig macht sie ihr Einsatz für Unterdrückte und Arme. Zudem haben die Ermittler ein Bekennerschreiben auf ihrem Rechner gefunden. Alles nur für die Uni-Kurse, rechtfertigt sich Judith. Aus ihrer Haltung macht sie aber trotz ihrer Lage keinen Hehl: Um die Unterdrückten der Erde zu finden, müsse man nicht ins Ausland schauen. „Was, wenn es nicht das beste System ist?“ „Ich kann mir kein besseres vorstellen“, antwortet Thomas. Und er droht ihr: „Wenn Sie wissen wollen, wie weit wir gehen, machen Sie ruhig so weiter.“

Hübner und von Kessel spielen intensiv und auf Augenhöhe

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Bis auf den Dialog bietet der Film wenig Abwechslung, der macht es aber auch aus. Ein Kammerspiel par excellence. Dem Zuschauer verlangt es hohe Konzentration ab, weil er anderthalb Stunden dem Gespräch folgen muss - und bis zum Ende doch nicht weiß, wer Recht hat. Ob Judith lügt, ob Thomas die Bombe rechtzeitig findet. Die Kameraführung mit Nahaufnahmen inszeniert das Kräftemessen.

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Hübner und von Kessel spielen intensiv und auf Augenhöhe. Sie hatte auch Anfang 2018 bei der Premiere des Theaterstücks auf der Bühne des Münchner Residenztheaters brilliert. Die Aufführung war aber impulsiver als der Film. Mehr Schreien, Schweißperlen auf der Stirn.

Kessel: “Psychologisch fein durchdacht und klug erzählt”

Die Wucht der TV-Adaption liegt vor allem in den Worten der Figuren, die ihnen Kehlmann in den Mund legt. „Wir brauchen ein Geständnis“, sagt er. Anders als bei dem Theaterstück etwa in München - aber auch bei anderen Inszenierungen - läuft hier keine Uhr mit, die den Druck der Ermittler verdeutlicht. „Sie sind nicht dumm. Alles, was Sie sagen, ist vernünftig“, bietet sie Paroli. „Aber auf kleiner Flamme.“ Obwohl Judith die Verhörte ist, ist sie dem Polizisten auf ihre Weise gewachsen. Immer wieder verschieben sich die Machtverhältnisse.

„Kehlmann schafft es dabei, sehr viele wichtige Themen zu berühren, die mit unser aller Leben zu tun haben“, sagt von Kessel laut Presseheft. „Es ist psychologisch so fein durchdacht und so klug erzählt, dass es für mich als Schauspielerin eine sehr reizvolle Herausforderung war.“ Von Kessel war es laut Co-Produzent Reinhold Elschot auch, die ihn auf das Stück aufmerksam machte - erfolgreich. „Wir waren wohl nicht die einzigen, die sich vorstellen konnten, dieses Theaterstück, dieses Kehlmann-Werk ins Fernsehen zu bringen“, verrät Elschot, fasziniert von der „Kraft der Kehlmannschen Dialoge“.

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Nach kurzem Zögern habe der Autor auch am Drehbuch mitgeschrieben, in ständigem Austausch mit Regisseur Matti Geschonneck. Und Kehlmann sei mit dem Film, „um das Mindeste zu sagen, sehr einverstanden“.

RND/dpa

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