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Auge um Auge: Politthriller „Das Ende der Wahrheit“ im ZDF

Desillusionierter Geheimdienstler: Martin Behrens (Ronald Zehrfeld).

Desillusionierter Geheimdienstler: Martin Behrens (Ronald Zehrfeld).

Vor einigen Jahren hat Philipp Leinemann mit dem Kinofilm „Wir waren Könige“ (2014) den besten Polizeifilm seit „Die Sieger“ (1994) von Dominik Graf gedreht. Seine anschließenden TV-Krimis waren zwar sehenswert, hatten aber nicht mehr die herausragende Klasse seines Kinodebüts. Erst mit „Das Ende der Wahrheit“, nun wieder nach eigenem Drehbuch entstanden, konnte er an diese Qualität anknüpfen. Inhaltlich erinnert der Politthriller an die fürs ZDF entstandene „Dengler“-Reihe mit Ronald Zehrfeld, der auch hier die Hauptrolle spielt.

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Martin Behrens ist Mitarbeiter des Bundes­nachrichten­dienstes. Er wirbt Flüchtlinge aus Krisenregionen mit der Aussicht auf Asyl als Informanten an; wer nicht kooperiert, wird erpresst. Haben die Menschen ihren Teil der Abmachung erledigt, werden sie wieder abgeschoben. Seine Freundin Aurice (Antje Traue), eine Journalistin, weiß nichts davon. Bei einer gemeinsamen Presse­konferenz von BND und Verfassungs­schutz will sie wissen, ob es stimme, dass der BND die Amerikaner mit Zieldaten für Drohnen­angriffe versorge. Tatsächlich ist auf diese Weise und dank Behrens’ Informationen gerade erst einer der meist­gesuchten Milizenführer im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und dem (fiktiven) Nachbarstaat Zahiristan getötet worden.

Aurice sammelt Material für Artikel über illegale Waffen­geschäfte

Aurice sammelt Material für einen Artikel über illegale Waffen­geschäfte; kurz darauf wird sie bei einem Terroranschlag ermordet. Ein Bekennervideo lässt das Attentat als Rache für den Tod des Milizenführers erscheinen, aber Behrens erkennt die typische Handschrift einer Geheimdienst­operation, das eigentliche Ziel war Aurice. Nun beginnt auch der BND-Agent, unbequeme Fragen zu stellen, und stößt schließlich auf ein Netzwerk aus mächtigen Gegenspielern.

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Wie es sich für einen guten Politthriller gehört, kann der Held irgendwann niemandem mehr trauen. Trotzdem bekommt Behrens ausgerechnet in Gestalt des schnöseligen Krisenstableiters Lemke einen unerwarteten Verbündeten. Alexander Fehling versieht diese Rolle eines typischen Karrieristen, für die er 2019 beim Deutschen Filmpreis als bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde, gerade im Vergleich zur massigen Präsenz Zehrfelds mit einer eindrucksvollen Körpersprache: Lemke hat so viel Spannung wie ein Gummibaum.

Geschichte ist ziemlich kompliziert

Die Geschichte ist dagegen ziemlich kompliziert, zumal Leinemann lange offenlässt, welche Funktion die Figuren ausüben. Die Besetzung schon allein des Behörden­personals (August Zirner, Axel Prahl, Claudia Michelsen, Walter Kreye) ist allerdings formidabel, und die Bilder sorgen trotz eines Etats, der sich mit 2 Millionen Euro auf Höhe eines überdurchschnittlich gut budgetierten Fernsehfilms bewegt, immer wieder für großes Kino: Die Actionszenen können sich sehen lassen.

Das gilt nicht nur für den Anschlag, sondern auch für einen Hinterhalt im fernen Zentralasien (gedreht wurde allerdings auf Gran Canaria), in den eine Abordnung des BND, darunter neben Behrens und Lemke auch der Präsident (Zirner), im fernen Zahiristan in gerät. Die im Studio entstandenen Innenaufnahmen taucht Kameramann Christian Stangassinger mal in ein abweisendes kühles Blau, mal in ein ungesund anmutendes Giftgrün.

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Sehr imposant ist der Blick aufs nächtliche Stadt­panorama

Sehr imposant ist auch ein Blick aufs nächtliche Stadt­panorama, in dem nach dem Anschlag überall Blaulicht flackert. Die See­einstellungen zur blauen Stunde, die die Klammer des Films bilden, haben dagegen Kalenderbild­qualität. Handwerklich bewegt sich „Das Ende der Wahrheit“ ohnehin auf höchstem Niveau, auch der Schnitt (Max Fey) ist nicht nur wegen der spannungs­steigernden Parallel­montagen ausgezeichnet.

Endgültig zum Ausnahmefilm wird der Thriller durch das Ensemble, zumal Leinemann auch für winzige Rollen große Namen gewinnen konnte, allen voran Thomas Thieme als „Planespotter“. Viel besser kann man so einen Film nicht inszenieren.

„Das Ende der Wahrheit“ ist in der ZDF-Mediathek streambar.

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