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Ressource Wasser

Erschreckender ARD-Film über „die große Dürre“: „Klimakatastrophe ist voll angekommen“

Das ausgetrocknete Flussbett der Dreisam (bei Freiburg).

Das ausgetrocknete Flussbett der Dreisam (bei Freiburg).

Brennender Wald, vertrocknete, kaum mehr schiffbare Flüsse, braun-graue Wiesen und Felder, Landwirte, denen das Wasser für die Versorgung ihrer Tiere ausgeht: Manch einer fühlte sich in den vergangenen Wochen womöglich auf erschreckende Weise an Maja Lundes Bestseller „Die Geschichte des Wassers“ erinnert – eine Fiktion über ein Europa ohne Wasser.

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Nun ist manche dystopische Schilderung aus dem Roman bereits Realität geworden, und es ist nicht mehr zu leugnen: Uns geht das Wasser aus. In diesem Sommer wird überdeutlich, wie überlebensnotwendig die Ressource Wasser für die Natur und damit auch für den Menschen ist. Die ARD sendete am Montagabend (29. August) einen ganzen Themenabend zur prekären Situation. Zur Primetime, vor Frank Plasbergs „Hart aber fair“-Talk zum gleichen Thema, lief „Die Story im Ersten: Die große Dürre“ – ein Film, der wachrüttelte.

Deutschland ächzte unter mehreren Hitzewellen

Über Wochen hinweg ächzte Deutschland unter mehreren Hitzewellen, der von Natur und Landwirten so ersehnte Regen blieb in weiten Teilen des Landes über lange Strecken aus. Am 15. August dieses Jahres führte der Rhein im rheinland-pfälzischen Kaub nur 32 Zentimeter, es war der historische Sommer-Tiefstand der vergangenen 52 Jahre.

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Ein deutlicher Fingerzeig in eine Zukunft, in der Trockenperioden als Folge des Klimawandels zunehmend zum Problem werden. In der alarmierenden ARD-Reportage „Story im Ersten: Die große Dürre“, die nun auch in der Mediathek bereitsteht, geht der renommierte Filmemacher Daniel Harrich gemeinsam mit einem Forschungsteam der Frage nach, wie lange unser Wasser noch ausreicht und wie die Dürren dieses Land verändern werden.

„Diese Klimakatastrophe ist voll angekommen“

Die Botschaft des wichtigen und sehenswerten Beitrags ist eindeutig: So geht es nicht weiter, der Grundwasserspiegel sinkt. „Diese Klimakatastrophe ist voll angekommen, und damit müssen wir uns jetzt auseinandersetzen“, erklärt Grundwasserökologe Hans Jürgen Hahn.

Der Wissenschaftler weiß, besonders zu Beginn einer Krise sind aussagekräftige Daten nötig. Doch von offizieller Seite, von den zuständigen Bundesländern, gibt es die nicht. Hahn berichtet, in Rheinland-Pfalz etwa wurden rund 80 Prozent der Grundwasser-Messstellen in den letzten 20 bis 25 Jahren aus dem Monitoring herausgenommen – vorwiegend aus Kostengründen. Deshalb entstand die ARD-Crowd-Science Aktion „Wo verschwinden unsere Bäche und Teiche“. Bundesweit meldeten Menschen den Forscherinnen und Forschern Orte, wo Bäche und Teiche austrocknen – insgesamt waren es mehr als 1400 Gewässer, meist Klein- und Kleinstgewässer.

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Bäche, Teiche und Wälder als „Frühwarnsysteme“

Doch genau dort macht sich der Wassermangel zuerst bemerkbar. „Im Landschaftswasserhaushalt hängt alles mit allem zusammen“, weiß Hahn. Bäche, Teiche und die Wälder seien in diesem Zusammenhang „Frühwarnsysteme“ – und schlagen Alarm. „Da steht wirklich alles auf Rot.“

Das Frühwarnsystem Wald liefert besonders besorgniserregende Bilder: Trockenheit, wohin man blickt. Im Siegerland werden die Kahlflächen schon als „Mondlandschaft“ bezeichnet. Insbesondere für Teile der Flora und Fauna hierzulande ist die neue Trockenheit ein Todesurteil: Falls sich Tier- und Pflanzenarten nicht schnell genug an die neuen Bedingungen anpassen können, droht ihnen das Aussterben.

Werden Städte zu Betonwüsten?

Dorothea Zeppke-Sors ist Waldbesitzerin und sagt, ihre Seele sei „mit dem Wald verwurzelt“. Deshalb tue es ihr auch so weh, wenn Sie sehe, wie der Wald Stück für Stück sterbe. Sie sei Teil der Generation, der „in wenigen Jahren alles vor die Hunde geht, das ist so krass“, berichtet sie mit zitternder Stimme. Trockenheitsbedingte Krankheiten, Pilz- und Käferbefall machen auch ihren Bäumen zu schaffen. Und der Verlust der Bäume bedeutet im schlimmsten Fall auch den Verlust der Existenz. Ihre Kollegin Antje Lange setzt ihre Hoffnung noch in die jungen Pflanzen. „Die passen sich vielleicht noch an“, aber: „die alten schaffen das nicht!“

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Daniel Harrichs Film zeigt: Wenn sich die Wasserbedingungen radikal ändern, ist dem nur mit einer radikalen Kehrtwende zu begegnen. Schließlich wurde bislang nur die Entwässerung von Städten und Feldern geplant – nun lautet die Frage hingegen: Wie können wir Wasser in der Fläche halten? „Da müssen wir einfach komplett umdenken“, fordert Gewässerbiologe Holger Schindler.

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Land muss sich dem Wassermangel anpassen

Nicht umsonst bereitet sich Deutschland auf weitere Dürren vor, auch in anderen Ländern werden Notfallpläne erarbeitet. Ohne Zweifel muss sich das ganze Land an den Wassermangel anpassen. Nicht nur die Umstellung der Landwirtschaft – was, wenn der Weizen nicht mehr wächst? – und des Baugewerbes ist gefragt, auch der Alltag der Menschen muss sich verändern.

Experten vermuten, es wird im urbanen Raum noch schlimmer werden als auf dem Land. In kaum einem anderen Staat gibt es so viele versiegelte Flächen wie in Deutschland, künstliche Bewässerung ist selbst für junge Bäume bereits Standard in den Städten. Wenn Norbert Fußwinkel vom Grünflächenamt Steglitz-Zehlendorf durch die Parkanlage seines Berliner Bezirks schlendert, schwingt bereits heute Melancholie mit: „Das wird es in der Form wahrscheinlich in wenigen Jahren so nicht mehr geben“, sagt er. Die Menschen werden jeden Tropfen brauchen, da müssen sie womöglich Betonwüsten in Kauf nehmen.

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RND/Teleschau

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