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ARD-Tragikomödie „Ruhe! Hier stirbt Lothar“: Die Geschichte eines angeblich todkranken Mannes

  • „Ruhe! Hier stirbt Lothar“ ist ein gut gespielter Film über einen vermeintlich unheilbar kranken Misanthropen.
  • Er ist dabei zugleich Komödie wie auch Tragödie.
  • Das liegt vor allem an Schauspieler Jens Harzer, der viel zu selten vor der Kamera steht, aber stets famos ist, wie RND-Kritiker Tilmann P. Gangloff findet.
Tilmann P. Gangloff
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Wenn ein dem Tode geweihter Mensch erfährt, dass er eine zweite Chance bekommt, ist das normalerweise eine gute Nachricht. Lothar Kellermann ist dagegen schockiert, als ihm eröffnet wird, dass die Nachricht von seinem unmittelbar bevorstehenden Ableben verfrüht war.

Als sich eine vermeintliche Hauterkrankung angeblich als Symptom einer besonders bösartigen Form von Lymphdrüsenkrebs entpuppt, bricht er sämtliche Brücken hinter sich ab: Erst verkauft er sein Fliesengeschäft und dann sein Eigenheim. Anschließend bringt er seinen geliebten Hund in ein Tierheim, dem er gleich auch sein beträchtliches Vermögen vermacht. Natürlich ist Lothar nicht begeistert, dass sein Dasein mit 49 Jahren enden soll, aber er ist nicht der Typ, der sich den Kopf über Dinge zerbricht, die er ohnehin nicht ändern kann – und dann eröffnet ihm die Hospizärztin, dass es sich um eine Fehldiagnose gehandelt habe.

Nach der Fehldiagnose hat Lothar ein Problem

Jetzt hat Lothar ein Problem: Was soll man mittel- und obdachlos mit einem Leben anfangen, wenn man keine Freunde hat? Sein Hund ist schon nicht mehr im Tierheim, und seine umfangreiche Spende bekommt er auch nicht zurück.

Vor seinem Tod im Jahr 2019 hat Bruno Ganz verfügt, dass fortan Jens Harzer den Iffland-Ring bekommen soll – dieser gebührt seit gut 200 Jahren dem jeweils bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters. Angesichts von „Ruhe! Hier stirbt Lothar“ wird offenkundig, warum der große Schweizer den Kollegen für würdig erachtete, sein Nachfolger zu werden, zumal Lothar auch eine tolle Rolle für Ganz gewesen wäre: Der Fliesenhändler lebt in einer eigenen Welt, in der für Mitmenschen wenig Platz ist. Mehr Worte als nötig verliert er nur dann, wenn er über das Muster „Spinngewebe Gottes“ auf marokkanischen Fliesen philosophieren kann.

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Lothar wurde von seiner Frau verlassen

Seine Frau hat Lothar verlassen, auch der Kontakt zu Tochter Mira (Elisa Plüss) ist schon lange abgebrochen. Immerhin besucht sie ihn im Hospiz. Als er die Einrichtung verlassen muss, nimmt sie ihn bei sich auf, aber weil es umgehend wieder zu Spannungen kommt, nächtigt er fortan im Lager seines früheren Geschäfts. Dort trägt ihm der einzige Mensch, der sich über seine Wiedergeburt freut, sein ehemaliger Angestellter Manfred (Vedat Erincin), die geplante Trauerrede vor. Doch bevor er dazu kommt, die Vorzüge seines früheren Chefs zu würdigen, bricht Lothar den Vortrag ab, denn Manfred schildert zunächst lang und breit, was für ein schwieriger Mensch sein Arbeitgeber gewesen sei. Als sich Mira endgültig von ihm lossagt, weil er ihr rät, sich von dem farblosen Ansgar (Merlin Sandmeyer) zu trennen, bleibt ihm als einziger Trost die Beziehung zu Hospizbekanntschaft Rosa (Corinna Harfouch). Deren Tage sind tatsächlich gezählt.

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Produzentin Kirsten Hager hat die Geschichte eines angeblich todkranken Mannes, der Hab und Gut verkauft, in der Zeitung entdeckt. Anschließend hat sie Ruth Toma gebeten, eine Geschichte daraus zu machen.

Harzer: Viel zu selten vor der Kamera, aber stets famos

Die Frage nach der Regie war vermutlich rasch beantwortet. Einige der besten Filme von Hermine Huntgeburth („Neue Vahr Süd“, „Lindenberg! Mach dein Ding“) basieren zwar auf Drehbüchern von Volker Einrauch und Lothar Kur­zawa, aber einen ihrer drei Grimmepreise hat sie 2002 für ihre bislang einzige Zusammenarbeit mit Toma bekommen (das Spionagedrama „Romeo“). Die Regisseurin betrachtet den Stoff als perfekte Vorlage für eine Komödie, aber ihre Umsetzung betont ebenso dank der schönen elegischen Musik (Christoph M. Kaiser) die dramatisch-tragische Seite von Lothars Schicksal.

Das liegt vor allem an Harzer, der viel zu selten vor der Kamera steht, aber stets famos ist, zuletzt als totgeglaubter Bruder des Helden in „Babylon Berlin“. Er bezeichnet Lothar zwar als „Mann ohne Eigenschaften“, versieht die Figur aber mit vielen Facetten, die verhindern, dass der Film zur Tragödie eines lächerlichen Mannes wird.

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