ARD-Comeback: Thomas Gottschalk startet zwei neue Shows

  • Deutschlands bekanntester Showmaster will es noch einmal wissen: Thomas Gottschalk geht in der ARD mit zwei neuen Shows an den Start.
  • In “2020 – Die Thomas-Gottschalk-Show” lässt er das Corona-Jahr Revue passieren und in “Nochmal 18!” träumt er vom Jungsein.
  • Ein großes Comeback im Spätherbst der TV-Karriere – kann das klappen?
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Der bekannteste Fernsehstar des Landes wagt im Spätherbst seiner Karriere noch einmal einen Neustart: Thomas Gottschalk kehrt in den ARD-Hauptabend zurück – und startet gleich zwei neue Shows. In der Rückblicksendung “2020 – Die Thomas-Gottschalk-Show” will er zur Weihnachtszeit das Corona-Jahr Revue passieren lassen. Und in der neuen Reihe “Nochmal 18!” träumt er mit prominenten Gästen vom Jungsein – ab Frühjahr 2021 im SWR-Fernsehen und in der ARD-Mediathek. Das berichtet der Branchendienst “DWDL.de”.

Lebensmittelpunkt in Deutschland: Moderator Thomas Gottschalk spricht während der Verleihung des Deutschen Comedypreises 2019. © Quelle: Henning Kaiser/dpa

Mit prominenten Gästen will Gottschalk das im Wortsinne “ausgefallene” Jahr 2020 bilanzieren. Und für “Nochmal 18!” reist er mit vier prominenten Gästen in jene Zeit zurück, in der sie volljährig wurden – zu erwarten ist ein nostalgisch-sentimentales Festival der Jugenderinnerungen. Bisher sind laut “DWDL.de” zunächst acht Ausgaben geplant.

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“Nochmal 18!” wird ein TV-Fest für Nostalgiker

Gottschalk als Mittelpunkt einer TV-Party für biografische Nostalgiker – das könnte passen. Seit Jahren kokettiert der “herbstblonde” Superstar ja mit seiner eigenen Aus-der-Zeit-Gefallenheit, feiert den alten Rock ’n’ Roll und kehrte zwischendurch gar zum Bayerischen Rundfunk zurück, wo seine Radiokarriere einst begann und er sich Meriten als Hörfunkanarchist mit Willen zu Größerem erwarb. “Nochmal 18!” – das klingt nach einem maßgeschneiderten Format für den 70-Jährigen, der nach seinem Abschied von “Wetten, dass …?” am 3. Dezember 2011 nie mehr an die ganz großen Erfolge anknüpfen konnte. Auch, weil er die Auftraggeber zwischenzeitlich wechselte wie die grellbunten Westen in den Neunzigern: RTL, ZDF, Sat.1, ARD, ZDF, RTL – und jetzt wieder die ARD.

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Es lief nicht so besonders für Deutschlands noch immer populärsten Entertainer, seit er nach 151 Sendungen in 23 Jahren den ZDF-Klassiker hinter sich ließ. Die vier Monate als Juror an der Seite von Dieter Bohlen beim RTL-“Supertalent” waren unter seiner Würde. “Gottschalks Klassentreffen” endete nach wenigen Ausgaben. Und die Spielshow “Die Zwei” mit Günther Jauch war auch kaum mehr als eine Zirkusnummer zweier TV-Hengste, die sich zur Musik noch einmal drehen im Staub der Sägespäne.

Die Kontakte zum SWR, der die Shows produziert und verantwortet, hat er gerade erst frisch geknüpft: Seit dem 13. Januar 2020 moderiert er dort zusammen mit Constantin Zöller die montägliche Musiksendung “Gottschalk & Zöller”. Seit dem 15. Mai ist er außerdem jeden zweiten Freitag in der Radiosendung “Gottschalks Playlist” zu hören. Nun also wieder: ARD-Fernsehen.

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Aktuelles Fernsehen war bisher seine Sache nicht

Ob “2020” funktionieren wird? Zeitloses Fernsehen lag ihm bisher eher. Legendär war einst seine Uninformiertheit, was aktuelle Vorgänge in Deutschland anging. Damals wohnte er freilich auch noch in Übersee. Mit Shows, die sich an das Tagesgeschehen im Lande anlehnten, hatte er wenig Erfolg: Die tägliche ARD-Vorabendshow “Gottschalk Live” wurde 2012 schnell eingestellt, und auch das von Spiegel TV produzierte Dreistundenformat “Mensch Gottschalk – Das bewegt Deutschland” bei RTL kam nur auf zwei Ausgaben. Inzwischen aber ist sein Lebensmittelpunkt wieder das Badische. Die Nähe zur alten Scholle bringt eine bessere Einsicht in alles, was das Land bewegt, sicher automatisch mit sich.

Corona und Gottschalk? Da schimmert wieder einmal der Wunsch nach einer Art Last-minute-Ernsthaftigkeit durch, die feste Absicht, etwas zu hinterlassen, das länger hält als Small Talk mit Sophia Loren, Filme wie “Big Mäc – Heiße Öfen in Afrika” und ein paar Bagger, die Kopfstand machen. Dass seine Autobiografie “Herbstblond” und auch der Nachfolgeband allseits gelobte Bestseller wurden, macht ihn stolz. Das sieht man ja gelegentlich bei alternden Stars: dass der Drang wächst, noch einmal in die Tiefe des Raumes zu gehen, das eigene Portfolio um Wahrheitssuche und Welterklärung zu erweitern. Joachim “Blacky” Fuchsberger schrieb sehr Kluges übers Altern (“Je älter ich werde, desto intoleranter werde ich”). Dieter Hallervorden drehte einen Demenz-Kinofilm. Peter Sodann wollte Bundespräsident werden. Norbert Blüm übernachtete im Flüchtlingslager.

Die eigene Überforderung zum Thema machen

Eine deutsche TV-Legende: Gerade hat Thomas Gottschalk im ZDF seinen 70. Geburtstag gefeiert – mit Moderatorin Barbara Schöneberger (links) und Feministin Alice Schwarzer. © Quelle: Manfred H. Vogel/ZDF/dpa
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Tatsächlich ist es ja Gottschalks große Gabe, im Namen des Publikums auch die eigene Überforderung zum Thema zu machen. Was der “göttliche Bub” (Martin Walser) gut kann, ist, aus seiner beredten Naivität heraus gleichzeitig unterhaltend und aufklärerisch zu wirken. “Ich bin einfach durch mit diesen Formaten, bei denen man Punkte zählt und Buzzer drückt”, sagte Gottschalk mal dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). “Ich habe keine Lust mehr auf dieses Erregungsfernsehen, diesen Zwang, immer ‘the biggest show ever’ machen zu müssen. Dieses dauernde Verkaufen, das will ich nicht mehr!”

Exklusiv wird ihn die ARD nicht an sich binden: Sein RTL-Engagement wird bestehen bleiben. Und das ZDF bastelt weiter an einem einmaligen Comeback von “Wetten, dass …?” im Herbst 2021. “Im Frühling will man vom Herbst nichts wissen und im Herbst erst recht nicht vom Winter”, hat er in einem Interview gesagt. “Ich lasse die Dinge auf mich zukommen. Und hoffe auf einen goldenen Oktober.” Und tatsächlich: Wenn dieses Land jemanden dringend nötig hat, dann ist es ein großer Versöhner. “Ich habe nicht mehr diese Ängstlichkeit, es mir mit jemandem zu verscherzen”, sagte er. “Ich beabsichtige, meinen Spaß zu haben.” Es ist die Gottschalk-Methode, mit den Zumutungen der Gegenwart zurechtzukommen. Warum nicht auch mit Corona?

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