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Anschlag in Halle: ZDF lädt AfD-Chef Meuthen ein – und wird heftig kritisiert

  • Zwei Tage nach dem Anschlag von Halle lädt das „ZDF-Morgenmagazin“ ausgerechnet Jörg Meuthen zum Interview.
  • Viele Twitter-Nutzer und Politiker sehen das kritisch.
  • Sie finden: Der AfD sollte man gerade jetzt keine Bühne bieten.
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Mainz. Das ZDF hat mit AfD-Chef Jörg Meuthen zum Anschlag in Halle ein Interview geführt – und muss deswegen harte Kritik in den sozialen Netzwerken einstecken.

„Nazi-Terrorist tötet zwei Menschen, wollte Synagoge niederbrennen und Muslime, Juden, Migranten von der Erde tilgen. Zwei Tage später: ZDF lädt größten NS-Relativierer Meuthen ein“, schreibt beispielsweise @_nasir_ahmad_ auf Twitter. @dergazetteur twittert ironisch: „‚Gerade nach rechten Terrorereignissen muss Rechtsextremen, z. B. von der AfD, unbedingt eine Bühne gegeben werden.‘ ~ZDF Programmgrundsatz Nr. 1.“

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Andreas Wunn, Moderator des „ZDF-Morgenmagazins“, hatte den AfD-Chef in der Sendung zum Thema geistige Brandstiftung befragt. Meuthen wehrte sich in dem Gespräch gegen Vorwürfe, die AfD trage eine Mitverantwortung für den Anschlag von Halle: „Wir sind eine durch und durch proisraelische und projüdische Partei“, sagte er unter anderem.

Kritik von Künast und Beck

Viele Twitter-Nutzer sehen das anders: „Zwei Tage nach dem antisemitischen Anschlag in #Halle hat das ‚ZDF-Morgenmagazin‘ Jörg Meuthen ohne Not und ohne Erkenntnisgewinn die Gelegenheit gegeben, dem geneigten Publikum zu sagen, wie bürgerlich doch alles in der AfD zuginge“, kommentiert der Journalist Alexander Nabert den Fall trocken. „Geistige Brandstiftung wird in Deutschland zum Alltag und das ZDF gibt den Brandstiftern auch nach Halle eine Bühne. Warum? Wir alle, auch die Medien, sind aufgerufen, uns in unserem Alltag der rechtsextremen Bedrohung #noafd entgegenzustellen“, schreibt @peira_ev.

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Auch Politiker kritisieren das Interview. Grünen-Frau Renate Künast schreibt auf Twitter: „Ich glaube, ich träume. ZDF, wer ist im ‚Moma‘ zum Thema Halle!?!? Ihr habt Verantwortung! Wisst ihr das?“ Auch ihr Parteikollege Volker Beck ist sauer: „Wie kann man eine Propagandalüge der AfD viral gehen lassen? Der Täter von Halle schwafelte von ‚Massenmigration‘ und ‚Umvolkung‘, an der ‚der Jude‘ schuld sei. Der Resonanzraum für dieses krude Gedankengut ist die AfD.“

Das ZDF wies die Vorwürfe am Freitag zurück: „Nach dem Anschlag in Halle wurde der AfD von mehreren Seiten geistige Brandstiftung vorgeworfen. Es gehört zu unserer Aufgabe, den Bundessprecher der AfD damit zu konfrontieren. Damit gaben wir ihm keine Bühne, sondern führten ein kritisches Interview.“

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Dunya Hayali reagiert auf Vorwürfe

Auch der jüdische Satiriker Shahak Shapira befeuerte die Debatte um den Meuthen-Auftritt - und erzählte eine ganz eigene Anekdote: "Lustige Geschichte: Bevor sie Meuthen eingeladen haben, hatten sie mich gefragt", schrieb er. Er habe "gesagt, ich mach's nur, wenn sie bereit sind, auf die klischeehafte 'Juden-Opfer-Darstellung' und Fragen wie 'Muss man als Jude in DE Angst haben?' zu verzichten. Das wollten sie dann nicht."

Die Äußerung führte daraufhin zu einem Schlagabtausch zwischen dem Satiriker und ZDF-Moderatorin Dunja Hayali: Sie warf Shapira vor, „Bullshit“ zu reden.

„Es gab keine Entscheidung zwischen ihm und Herrn Meuthen, sondern zwischen ihm und einer Korrespondentin, die in Halle vor Ort war.“ Auch habe „das Gespräch, welches er skizziert, so nicht stattgefunden“.

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Den öffentlich-rechtlichen Sendern wird immer wieder vorgeworfen, zu zaghaft mit der AfD umzugehen. Politiker der rechten Partei sitzen immer wieder in Talkshows. Kurz vor den Landtagswahlen im Osten wurden im Netz vor allem die unkritischen Interviews der Sender mit AfD-Vertretern kritisiert.