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„Anschlag auf unabhängigen Journalismus“: Journalistenverbände bestürzt über Attentat auf Reporter

  • Der Anschlag auf den niederländischen Journalisten Peter R. de Vries hat auch die deutsche Journalismus-Branche tief getroffen.
  • Zahlreiche Verbände fordern daher die „lückenlose Aufklärung“ des Falls.
  • Mit dem Anschlag sei ein Attentat auf den unabhängigen Journalismus verübt worden.
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Berlin. Deutsche Journalistenverbände haben sich schockiert über den Mordanschlag auf den niederländischen Reporter Peter R. de Vries am Dienstagabend in Amsterdam gezeigt. „Wir fordern eine unverzügliche, lückenlose Aufklärung dieses Verbrechens“, sagt der Geschäftsführer von „Reporter ohne Grenzen“, Christian Mihr, am Mittwoch in Berlin. „Die Behörden müssen prüfen, ob de Vries wegen seiner kritischen und furchtlosen journalistischen Tätigkeit zum Opfer organisierter Kriminalität wurde.“ EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen erklärte auf Twitter, sie sei schockiert und alarmiert: „Ich fordere die nationalen Behörden dazu auf, die Situation aufzuklären und die Täter vor Gericht zu stellen.“

Peter R. de Vries ist bekannter Kriminaljournalist

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„Reporter ohne Grenzen“ zufolge wurde de Vries am Dienstagabend angeschossen, direkt nachdem er gegen 19.30 Uhr ein Fernsehstudio verlassen hatte. Er hatte dort an der Talkshow RTL Boulevard teilgenommen. Der 64-Jährige gilt als führender Kriminalreporter der Niederlande und ist wegen seiner öffentlichen Auftritte ein bekanntes Gesicht. Derzeit ist de Vries als Berater des Kronzeugen in einen Prozess gegen das organisierte Verbrechen involviert. Die darin wegen angeblicher Drogengeschäfte angeklagte Person habe de Vries Berichten zufolge auf eine Art Todesliste gesetzt. Mögliche Täter sind bereits festgenommen worden.

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Angriff auf „unabhängigen Journalismus“

„Dieser Anschlag hat den unabhängigen Journalismus und die Pressefreiheit bis ins Mark getroffen“, erklärte die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju in ver.di), Monique Hofmann. Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Frank Überall, erklärte: „Das war der gezielte Versuch, Journalistinnen und Journalisten einzuschüchtern, die über organisierte Kriminalität berichten.“

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Laut „Reporter ohne Grenzen“ berichtet de Vries seit vielen Jahren über solche Kriminalfälle. Bereits 2019 hatte der Journalist Todesdrohungen bekommen, als er über die Ermordung eines 16-jährigen Mädchens in Rotterdam berichtet hatte. De Vries hatte außerdem erst vor wenigen Tagen angekündigt, weiter an der Aufklärung eines seit 27 Jahren ungelösten Mordes zu arbeiten.

„Mit dem Attentat sollte kritischer und mutiger Journalismus mundtot gemacht werden“, teilte der DJV-Bundesvorsitzende Überall weiter mit. Der Anschlag gebe Anlass darüber nachzudenken, welche handfesten Folgen der Whistleblowerschutz haben könne, den Journalisten ihren Informanten gewähren. dju-Bundesgeschäftsführerin Hofmann rief die Regierungen in Europa auf, schnell zu handeln und wirksame Maßnahmen zum Schutz von Medienschaffenden zu ergreifen.

Die Niederlande gehören zu den Ländern mit höchster Pressefreiheit

Medienberichten zufolge hat der Anschlag die Niederlande geschockt, TV-Sender berichteten in Sondersendungen über die Tat. Ministerpräsident Mark Rutte sprach von einem „Anschlag auf den freien Journalismus“.

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Laut „Reporter ohne Grenzen“ stehen die Niederlande auf der Rangliste der Pressefreiheit seit Jahren auf den vordersten Plätzen, fielen in den vergangenen Jahren allerdings auf Platz 6 von 180 ab. Das liege auch am Klima in den sozialen Medien, in denen viele Medienschaffende mitunter massiven Drohungen ausgesetzt sind, teilte die Journalistenorganisation mit.

RND/epd

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