Katholischer Medienpreis

Stummer Protest von #OutInChurch bei Auszeichnung – Anne Will rügt katholische Kirche

Die Moderatorin Anne Will. (Archivfoto)

Die Moderatorin Anne Will. (Archivfoto)

„Ich finde, das ist ein Stück menschenverachtend und ich möchte, dass das aufhört“: Es ist ein Zitat einer Protagonistin aus der ARD-Dokumentation „Wie Gott uns schuf – Coming-out in der Katholischen Kirche“, das sich die TV-Moderatorin Anne Will an diesem Donnerstagabend bei ihrer Laudatio zur Verleihung des Katholischen Medienpreises herausgreift. Ein Zitat, hinter dem auch sie vollkommen steht, wie sie in ihrer Rede deutlich macht.

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Es geht dabei um die Diskriminierung queerer Menschen in der katholischen Kirche, die Anfang des Jahres in dem Film ihr Coming-Out hatten. Mit 100 Menschen sprachen die Filmemacher Hajo Seppelt und Katharina Kühne damals, 100 Menschen – mittlerweile sind es mehr –, die sich auch als Initiative #OutInChurch zusammengeschlossen haben und von der Kirche fordern, die Diskriminierung abzuschaffen, indem etwa das kirchliche Arbeitsrecht geändert wird.

#OutInChurch spricht von „Pinkwashing“

Dass die Deutsche Bischofskonferenz in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) und dem Katholischen Medienverband (KM.) den Preis der Doku verleihe, aber gleichzeitig nichts gegen die Diskriminierung genau jener Menschen unternehme, von der die Doku erzählt, verurteilte die Initiative bereits vorab. „Solange seitens der Bischöfe keine konkreten Taten folgen, nimmt #OutInChurch die Verleihung eines Medienpreises als Versuch einer reinen Imagekampagne auf dem Rücken queerer Menschen wahr. Das ist dann nichts anderes als Pinkwashing“, heißt es in einer Mitteilung der Initiative dazu. Diese Kritik greift auch Anne Will an diesem Abend auf.

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Sie geht auf eine Frau ein, die sich ebenfalls in der Doku outete und von einem Suizidversuch berichtete. „Warum? Aus Angst, dass herauskommen könnte, dass sie anders ist (...), anders als ihre Kirche, ihre religiöse Heimat, es gutheißt.“ Dass jemand queer sei und das öffentlich auslebe, von seinem Arbeitgeber Kirche deshalb gekündigt werden könne, „das ist bis heute, auch bis heute Abend, geltendes kirchliches Arbeitsrecht“, so die Laudatorin.

Hier stehen das Kirchenrecht und das kirchliche Arbeitsrecht im maximalen Konflikt zum Menschenrecht.

Anne Will, TV-Moderatorin

„Hier stehen das Kirchenrecht und das kirchliche Arbeitsrecht im maximalen Konflikt zum Menschenrecht“, wird Anne Will deutlich. „Hier verstößt die Kirche ganz klar gegen das Diskriminierungsverbot und setzt Menschen wegen ihrer sexuellen Identität systematisch herab.“ Dann geht sie auch auf ihre eigene Person ein: „Auch ich, die ich lesbisch bin, die ich zwar nicht praktizierendes, aber haderndes und auch zahlendes Mitglied der katholischen Kirche bin (...), möchte, dass das aufhört.“ Es folgt wiederholter langer Applaus.

Auch von den angereisten #OutInChurch-Mitgliedern, die zwar nicht offiziell zur Verleihung eingeladen wurden, sich aber selbst angemeldet hatten. Sie nutzen die Preisverleihung an diesem Abend auch für einen stummen Protest, wie Gründungsmitglied Rainer Teuber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) berichtet. So hätten sie Plakate mit ihren Forderungen hochgehalten. „Da gab es tosenden Applaus vom Publikum“, berichtet der Essener Katholik. „Das tat gut.“

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Anne Will: Auszeichnung reicht nicht

Dass die Initiative nicht offiziell eingeladen wurde, rügt auch Will: „Das, werte katholische Kirche, verstehe ich ehrlich gesagt nicht und es befremdet mich auch ein bisschen“, sagt sie und nennt die Dokumentation, die ohne diese Menschen nicht möglich gewesen sei, einen „fürwahr großen Film über das spektakulärste Coming-Out der Kirchengeschichte“. Doch die Auszeichnung reiche nicht. „Allein damit, dass der Hauptpreis verliehen wird, ist ja noch nichts gewonnen“, sagt sie und sorgt damit erneut für Beifall. „Die Kirche muss den queeren Menschen, die in ihren Diensten stehen, den Raum und die Sicherheit geben, sich outen zu dürfen, sein zu dürfen, wie sie sind oder – wenn sie wollen – wie Gott sie schuf.“

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