Angriff auf ARD-Team: Rechte verbreiten manipuliertes Video im Netz

  • In den sozialen Netzwerken verbreitet sich das Video eines angeblichen Polizeiangriffs auf einen Demonstranten.
  • Der Clip allerdings wurde offenbar absichtlich gekürzt.
  • Der Mann hatte zuvor ein Kamerateam der ARD angegriffen.
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Berlin. Erneut ist bei einer Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen ein Fernsehteam angegriffen worden. Vor dem Reichstagsgebäude in Berlin hatten sich am Mittwoch rund 400 Demonstranten zusammengefunden – ein Mann trat nach den Journalisten und wurde anschließend von Polizisten festgenommen. Das Kamerateam der ARD blieb unverletzt.

Rechte Gruppierungen wollen den Fall im Netz nun allerdings ganz anders verkaufen: Seit dem Abend verbreitet sich auf einschlägigen Facebook-Seiten und in Telegram-Gruppen eine manipulierte Fassung der Aufnahmen. Darin ist nicht der Angriff des Mannes zu sehen, sondern nur die Reaktion der Polizisten, wie sie den Mann zu Boden ringen und festnehmen.

Auch die Reaktion der Demonstranten wird im Video festgehalten: Sie buhen die Polizisten aus, stimmen dann Sprechchöre an: “Lasst ihn los, lasst ihn los.” Man könnte meinen, die Berliner Polizei sei völlig ohne Grund auf einen harmlosen Corona-Skeptiker losgestürmt.

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Vegankoch verbreitet Verschwörungstheorien

Verbreitet wird das manipulierte Video unter anderem auf der Seite des Vegankochs Attila Hildmann, der zu der Demonstration in Berlin aufgerufen hatte. Er hatte in den vergangenen Tagen immer wieder Verschwörungstheorien auf seinen Seiten geteilt. “Heute vor dem deutschen Bundestag wieder nur Kuscheln, Liebe und gelebte Demokratie!”, kommentiert er den gekürzten Clip ironisch.

Dass der von der Polizei fixierte Mann nicht tatsächlich das Opfer ist, ist auf einem Video des Journalisten Felix Huesmann zu sehen. In dem Clip ist zu erkennen, wie der Demonstrant aus der Menge hervortritt und dem Tonmann des ARD-Teams die Angel aus der Hand tritt. Kurz darauf schreiten die Polizisten ein.

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Der Angriff auf das Kamerateam ist bereits der zweite dieser Art innerhalb kurzer Zeit. Bereits am 1. Mai war ein Team der ZDF-“heute-Show” von Vermummten auf einer Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen angegriffen worden. Mehrere Teammitglieder mussten verletzt ins Krankenhaus gebracht werden, die Polizei nahm mehrere Verdächtige fest, setzte sie aber später wieder auf freien Fuß.

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Video
ARD-Kamerateam bei Demo angegriffen
0:47 min
Am Mittwochabend löste die Polizei eine Corona-Demo vor dem Reichstag auf. Dabei ist es erneut zu einem Angriff auf ein Kamerateam gekommen.  © RND/Felix Huesmann

Am selben Tag kam es zu einer Attacke auf eine 22-jährige Journalistin durch einen Polizisten. Der Beamte schlug der Frau, die eindeutig als Journalistin erkennbar war, offenbar gezielt ins Gesicht. Der Frau brachen zwei Zähne ab, sie erlitt Prellungen und musste im Krankenhaus behandelt werden.

Verbände verurteilen Angriffe auf Journalisten

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte nach der erneuten Attacke auf ein Kamerateam juristische Konsequenzen. “Jedem muss klar sein, dass Gewalt gegen Journalisten kein Kavaliersdelikt ist, sondern ein Frontalangriff auf die Pressefreiheit”, sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner dem Evangelischen Pressedienst (epd). “Drei gewalttätige Übergriffe auf Journalisten in Berlin in nur einer Woche – eine unfassbare Bilanz.”

Auch das European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF) zeigt sich von den Angriffen schockiert. Das Klima werde von Verschwörungstheorien und Vorurteilen noch zusätzlich angeheizt, sagten Lutz Kinkel und Martin Hoffmann dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). “Das kann sich in Gewaltakten entladen”, auch wenn das unentschuldbar sei.

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Die Demonstrationen gegen die Corona-Einschränkungen bekommen derweil immer mehr Zulauf. In Berlin demonstrieren Rechtsextreme, Impfgegner, Verschwörungstheoretiker, aber auch Linke Hand in Hand. In Stuttgart protestierten am Wochenende rund 5000 Teilnehmer auf dem Wasen. Die Demonstranten haben inzwischen sogar eine eigene Partei, die sich “Widerstand 2020” nennt.

RND/msc

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