Aus einem Quarantänequartier: Wienerin gibt #allesdichtmachen-Stars satirische Antwort

  • Die Wienerin Julia C. Seidl hat auf Twitter ein Antwortvideo auf die Aktion #allesdichtmachen gepostet.
  • „Ich bin keine Schauspielerin“, beginnt ihr satirisch gefärbter Clip über die Arbeit in einem Quarantänequartier.
  • Die Frau, die eine Ausbildung zur Psychotherapeutin macht, reagiert damit auf den Zynismus der Schauspielerinnen und Schauspieler.
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Das Video der Wienerin Julia C. Seidl beginnt mit einem kleinen, süffisanten Seitenhieb auf die #allesdichtmachen-Clips der Bühnen-, Film- und Fernsehschaffenden in Deutschland. „Mein Name ist Julia Seidl“, verrät die junge Frau bei Twitter, „ich bin keine Schauspielerin.“ Die rund 50 Videos der Aktion hatten oft mit der Formel „Mein Name ist XY, ich bin Schauspieler*in“ begonnen. Hier nun, das sagt Seidl mit ihrer Einführung gleich klipp und klar, geht es um das wirkliche Leben jenseits der Fiktionen von Theater, Fernsehen und Kino.

Video
#allesdichtmachen – Wie 53 Schauspieler die Corona-Politik in Deutschland kritisieren
1:33 min
Die mehr als 50 Promis, die in ironischen Clips mit der Corona-Politik abrechneten, lösten eine große Diskussionswelle im Internet aus.  © RND

„Quality-Time“ mit den Patienten im Ganzkörperanzug

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„Ich arbeite in einem Covid-19-Quarantänequartier“, stellt sich Seidl in ihrem Video unter dem Hashtag #allenichtganzdicht weiter vor. Und entwirft – durchaus mit satirischem Talent – einen absichtsvoll idyllisch gefärbten Einblick in ihren Alltag: „Ein All-inclusive-Urlaub im Krankenhaus – ohne Fernseher, dafür mit Ausgangssperre und Spazierverbot – dauert bei uns im Schnitt zwischen elf und 14 Tagen.“

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Man genieße die „Quality-Time“ mit den Patienten im Ganzkörperanzug, mit Mund-Nasen-Schutz und doppelten Handschuhpaaren (geräuschvoll lässt sie dazu die Gummihandschuhe auf die rechte Hand schnalzen). Die „ein bis vier Stunden“ in dieser Bekleidung seien freilich „nur ein kleiner Genuss, verglichen mit unseren Kolleginnen und Kollegen auf den Intensivstationen“.

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Das Personal des Quartiers, so Seidl weiter, freue sich besonders auf die Sommermonate, „wo wir Tränen nicht mehr von unserem Schweiß auseinanderhalten können. Hauptsache Flüssigkeitsverlust – der macht bekanntlich schlank.“ Schließlich bittet sie alle, die dieses Video sehen, eindringlich, sich nicht an die Maßnahmen zu halten, damit die Zimmer im Quartier nicht allzu lange leer stünden. „Wir haben ja sonst nichts zu tun – ohne unser Theater.“

Es gehe ihr nicht darum, „Leid miteinander zu vergleichen“, schreibt Seidl, die sich laut Twitter-Profil in Ausbildung zur Psychotherapeutin befindet. „Ich liebe die Kunst, ich liebe das Theater“, so Seidl weiter. „Meine Antwort war eine direkte Reaktion auf den Zynismus der Schauspieler/-innen.“

Video
#allesdichtmachen: 50 Schauspieler mit umstrittener Aktion gegen Corona-Maßnahmen
1:41 min
Die Kunst- und Kulturszene leidet: Nun geben Schauspieler mit ironisch-satirischen Clips persönliche Statements zur deutschen Corona-Politik ab.  © dpa

Unter dem Hashtag #allesdichtmachen hatte eine Reihe von Schauspielerinnen und Schauspielern von Ulrich Tukur bis Wotan Wilke Möhring, von Heike Makatsch bis Meret Becker mit Videos Kritik an der Corona-Politik der Bundesregierung geübt. Die Aktion war von Politikern der AfD und in der „Querdenker“-Szene gutgeheißen worden, während sich viele Kollegen kritisch distanzierten. Heike Makatsch, Meret Becker und Kostja Ullmann zogen ihr #allesdichtmachen-Video inzwischen zurück.

RND/big

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