#allesdichtmachen: „heute-show“ schweigt, Böhmermann macht sich über Liefers lustig

Jan Böhmermann (rechts) konnte sich in seiner Sendung „ZDF Magazin Royale“ Spitzen gegen Schauspieler Jan Josef Liefers nicht verkneifen.
Quelle: Oliver Berg/Matthias Balk/dpa/RND/Montage/Oehlschläger
Eigentlich ging es in der Sendung „ZDF Magazin Royale“ von Jan Böhmermann am späten Freitagabend um den deutschen Film, die deutsche Filmförderung und warum es mal wieder kein deutscher Film auf die Nominierungsliste der Oscars geschafft hat. Doch unterschwellig schaffte es der Moderator dabei auch, gegen Jan Josef Liefers und die Aktion #allesdichtmachen zu sticheln.
Er machte es beinahe subtil, wenn auch unübersehbar: Böhmermann spielte an verschiedenen Stellen seiner Sendung, in der er die deutsche Filmbranche kritisierte, Ausschnitte aus Liefers Video ein. Zu Beginn sagte Böhmermann: „Deutsche Schauspieler waren in diesem Jahr nicht bei den Oscars vertreten, sie hatten Besseres zu tun.“ Was er damit meinte – die Aktion #allesdichtmachen: Er spielte Videos beteiligter Schauspieler ein, darunter Jan Josef Liefers.
Subtile Kritik an #allesdichtmachen: „Danke, dass du fragst, Professor Boerne“
Auch andere Aussagen von Liefers wurden in einen neuen Kontext gerückt. Als Böhmermann etwa über die mangelnde Transparenz bei Entscheidungen der teils staatlichen Filmförderung spricht und sagt, dass „wir kritischen Künstler“ so viele Fragen an die Filmförderungsregierung hätten, wurde erneut ein Ausschnitt aus Liefers Video gezeigt: „Ich möchte gerne, dass diese Regierungsentscheidungen transparenter sind und nicht einfach so stattfinden hinter verschlossenen Türen und in Ministerpräsidentenrunden. Das ist mir wichtig. Ich meine, finden Sie das falsch?“ Böhmermann hat die Antwort natürlich direkt parat: „Nein, ich finde das nicht falsch. Danke, dass du fragst, Professor Boerne“, sagte er in Anspielung auf Liefers bekannteste Filmfigur, die des Professor Boerne im Münsteraner „Tatort“.
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Quelle: dpa
Die schärfste Spitze folgt am Ende der Sendung. Nachdem sich der Moderator rund 20 Minuten lang an der deutschen Filmförderung und dem deutschen Film abgearbeitet hatte, fragte er: „Ich hab ne Idee! Könnte man nicht mit bitterer Ironie eine satirisch gemeinte Internetkampagne starten? Gegen das verkorkste deutsche Filmförderungssystem? Gegen die Macht der Regierung über unsere Kunst? Gegen die da oben? Hat jemand Lust mitzumachen?“ Antworten ließ er indes Liefers: „Sorry, kein Interesse. Ich bin Schauspieler, ich kann doch nicht bei jedem Quatsch mitmachen.“
„heute-show“ arbeitet sich an der Politik ab – und lässt #allesdichtmachen unerwähnt
Die zweite Satiresendung des ZDF am Freitagabend, die „heute-show“ mit Oliver Welke, schweigt indes weiterhin zur Kampagne der Schauspieler. Dabei hätte sich sicherlich manch ein Zuschauer gewünscht, dass mal ein Gernot Hassknecht leidenschaftlich brüllend durch die 53 Videos führt. Aber Hassknecht blieb stumm, seine Kollegen auch. Ist den Autoren der „heute-show“ innerhalb einer Woche gar nichts eingefallen? Oder war ihnen das Thema nicht wichtig genug? Oder war es zu heiß, weil viele selbst Schauspieler sind und sie es sich mit den Kollegen nicht verscherzen wollten?
Stattdessen ging es in der Show von Oliver Welke um die große Koalition, Machtspielchen in der Politik und im Besonderen zwischen CDU-Mann Armin Laschet und CSU-Mann Markus Söder, um die Corona-Impfstrategie und um mehr oder minder sinnvolle Corona-Regeln – und um Kinderarbeit.
RND/msk (mit Teleschau)

















