Alles nur in ihrem Kopf? – So ist die Serie „Unbroken“ bei ZDFneo

  • Aylin Tezel spielt in der fesselnden Thriller-Serie „Unbroken“ (ZDF neo, ab 23. Februar) ihre bislang beste Rolle.
  • In der ZDF-neo-Serie kehrt eine schwangere Polizistin sechs Tage nach ihrer Entführung zurück – ohne Erinnerung und ohne Baby.
  • Ungewöhnlich im Thrillergenre: Als Opfer stellt sie sich an die Spitze der Ermittler.
Tilmann P. Gangloff
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„Der Verlust eines Kindes ist das Schlimmste, was Eltern passieren kann“: Dieser Satz beschreibt nicht mal annähernd, welchen Albtraum die Hauptfigur der Neo-Serie „Unbroken“ durchlebt. Sechs Tage war die hochschwangere Duisburger Kriminalpolizistin Alex Enders (Aylin Tezel) spurlos verschwunden. Nun taucht sie halb nackt und blutüberströmt wieder auf, ohne Erinnerung; und ohne Baby. Sie weiß nur noch, dass sie entführt worden ist. Als sie drei Monate später ins Revier zurückkehrt, hat sie nur ein Ziel: Sie will ihr Kind finden.

„Unbroken“ ist die Krönung von Aylin Tezels Karriere

Die einzelnen Episoden folgen einer Binnendramaturgie, aber Marc O. Seng und Andreas Linke (Idee und Buch) erzählen ihre Geschichte als Spielfilm in sechs Kapiteln; Regisseur Andreas Senn hat mit seiner enorm dichten Umsetzung dafür gesorgt, dass sie keine Minute zu lang ist. Das liegt auch und vor allem an Aylin Tezel. Sie hat schon einige extreme Rollen gespielt, aber „Unbroken“ dürfte die vorläufige Krönung ihrer Karriere sein, zumal sie in vielen Szenen physisch und psychisch an ihre Grenzen geht.

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Alex ist ohnehin eine Figur wie aus einem Hollywoodkrimi: Die zu Alleingängen neigende Polizistin wartet selbstverständlich nicht aufs SEK, wenn Fluchtgefahr besteht, und braucht dank ihres Nahkampftrainings auch keine Waffe, um mit Verbrechern fertig zu werden.

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Ungewöhnlich: Das Opfer leitet die Ermittlungen

Der spezielle Reiz der Serie liegt jedoch in der Kombination von Schicksalsschlag und Krimi. Das ist nur auf den ersten Blick nichts Besonderes, schließlich geht es in Stoffen dieser Art immer darum, Verbrechen aufzuklären. Aber in der Regel leitet das Opfer nicht auch die Ermittlungen.

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Die zweite Besonderheit steht gleichzeitig für eine große Qualität des Drehbuchs, weil Seng („Lerchenberg“) und der in diesem Genre nicht zuletzt wegen seiner guten Charlotte-Link-Adaptionen deutlich erfahrenere Linke im Verlauf der Geschichte einen vermeintlichen Widerspruch zuspitzen: Je näher Alex der Lösung des Rätsels kommt, desto mehr ist ihre Umgebung davon überzeugt, dass sie den Verstand verliert.

Kann die Heldin sich selbst noch trauen?

Schließlich fragt sie sich sogar selbst, ob das vermeintlich schlüssige Bild bloß in ihrem Kopf existiert. Bis dahin hat sie der Reihe nach alle Menschen aus ihrer näheren Umgebung verdächtigt, sie entführt und das Baby geraubt zu haben, allen voran ihren väterlichen Chef (Özgür Karadeniz): Er steht anscheinend auf der Lohnliste eines rumänischen Verbrechers (Aleksandar Tesla), der Zwangsprostituierte und Leihmütter vermittelt.

Und schließlich weiß Alex nicht mehr, ob sie überhaupt noch irgendwem trauen kann, am allerwenigsten sich selbst. Zumal sie unter erheblichen Schuldgefühlen leidet, weil sie die Schwangerschaft am liebsten ungeschehen gemacht hätte. Die einzige Person, die offenbar vorbehaltlos zu ihr steht, ist die Polizeipsychologin (Leslie Malton). Wie Seng und Linke am Ende (fast) alle Kreise plausibel schließen, ist große Drehbuchkunst.

Tezel ist auf Schwangerenrollen abonniert

Die letzten Krimis von Andreas Senn waren ausnahmslos sehenswert, aber in seiner Filmografie dürfte „Unbroken“ ebenfalls eine Sonderstellung einnehmen. Das liegt auch an Leah Striker, die schon in den Senn-Filmen „Träume“ (ein „Usedom-Krimi“, 2015) und zuletzt in „Der Kommissar und die Wut“ (2020) für die vorzügliche Bildgestaltung verantwortlich war und den Aufnahmen hier konsequent jegliches Wohlbehagen ausgetrieben hat. Florian Tessloffs Musik unterfüttert die Bilder mit einer permanenten „Gefahr im Verzug“-Stimmung und sorgt für einige Schockeffekte.

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Für Tezel wiederum war die Rolle ein Déjà-vu: Schwangere junge Frauen hat sie schon öfter verkörpert, aber ein gutes Ende hat dabei nur die nachdenkliche Degeto-Komödie „Kleine Schiffe“ (2013) genommen. Zuvor hat sie in dem Kinodrama „Am Himmel der Tag“ (2012) eine Studentin verkörpert, deren Kind im sechsten Monat stirbt, und auch die Dortmunder „Tatort“-Kommissarin Nora Dalay hat ihr Baby verloren.

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