Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Alf-Sprecher Tommi Piper: „Ich habe damit auch Fernsehgeschichte geschrieben“

Die Stimme aus dem All: Synchronsprecher Thomas (Tommi) Piper wird am 19. März 80 Jahre alt.

Von „Alf“ bis zum Dschungelcamp: Tommi Piper hat, wie er selbst sagt, „nichts ausgelassen“. Nun wird der Schauspieler, Synchronsprecher und Musiker 80 Jahre alt. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht Piper über seinen runden Geburtstag, die Corona-Pandemie – und verrät, warum es ihn nervt, wenn er auf der Straße auf „Alf“ angesprochen wird.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Herr Piper, dass Sie den Außerirdischen Alf synchronisiert haben, ist hinlänglich bekannt. Doch wie wird man eigentlich die Stimme von Alf? War das von langer Hand geplant?

Im Gegenteil. Es verlief alles sehr unkompliziert. Ich arbeitete in Unterföhring ursprünglich an einer ganz anderen Synchronisation, als mich jemand aus dem mir gegenüberliegenden Studio ansprach. Mir wurde gesagt, dass sie etwas aus Amerika vorliegen hätten, und sie wollten nur mal hören, wie es klingt, wenn ich draufspreche. Regisseur Siegfried Rabe, der die deutschen Dialogbücher zu der Serie geschrieben hatte, sagte ohne zu zögern in berlinerischem Dialekt: „Det is‘ er!“ Das war der Auftakt der ersten 26 Folgen von „Alf“.

In Deutschland lief „Alf“ von 1988 bis 1991 im ZDF. Rund 30 Jahre später, am heutigen Freitag, feiern Sie Ihren 80. Geburtstag. Was macht diese Zahl mit Ihnen?

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Es sind die letzten 100 Meter, die man antritt. Darüber muss man sich im Klaren sein. Und man muss sich Gedanken über das Ende machen, darüber, was von einem Menschen übrig bleibt. So schlimm es sich auch anhören mag: Es bleibt nicht aus, sich zum Beispiel um sein Grab zu kümmern – wenn man anderen nicht zur Last fallen möchte. Ich habe für mich entschieden, dass ich diese Dinge geordnet haben möchte.

Viel wichtiger als der runde Geburtstag ist die Gesundheit. Wie halten Sie sich fit?

Ich bin gesundheitlich gut eingestellt. Mit Ausnahme der kleinen Zipperlein, die man mit 80 nun einmal hat. Dagegen nehme ich morgens und abends meine Tabletten – und das war’s! Darüber hinaus gehe ich jeden Tag mit meinem Hund – ein Pharaonenhund mit langer Schnauze und spitzen Ohren – an die frische Luft. Er hält mich fit.

… und Ihre Liebe zur Musik, nehme ich an? Sie spielen diverse Instrumente.

Das stimmt. Ich spiele heute noch Gitarre, Banjo und Ukulele. Aktuell beschäftige ich mich mit Countrysongs, die ich als Swingversionen interpretiere. Das ist gut gegen Langeweile und Corona. (lacht)

Engagements als Schauspieler oder Synchronsprecher wären ebenfalls eine schöne Ablenkung. Bekommen Sie noch Anfragen in dieser schwierigen Zeit?

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Situation für Schauspieler ist furchtbar, insbesondere für Theaterdarsteller. Nun trifft mich das weniger, da ich ohnehin nicht mehr häufig auf der Bühne stehe, aber viele Freunde und Kollegen mussten Arbeitslosengeld beantragen. Ich selbst wirke ab und zu an Hörspielen mit, wie zuletzt für den SWR. Manchmal kommen auch Synchroanfragen rein. Das Problem ist jedoch, dass einen die neuen Aufnahmeleiter häufig nicht kennen. Ich habe aber keine große Lust mehr, mich immer wieder aufs Neue erklären zu müssen. Das ist das Schlimme an meinem Beruf: Du bist schnell vergessen. Doch manches Mal bin ich wiederum erstaunt, wie gut der eine oder andere aufgepasst hat, was ich in meinem Leben so alles gemacht habe – über „Alf“ hinaus.

Dennoch: Ihre Stimme bringt man in erster Linie mit der Figur „Alf“ in Verbindung.

Das würde ich gerne relativieren. Wir sollten die unterschiedlichen Generationen nicht vermischen. Meine erste Serie, an der ich mitwirken durfte, war sogar erfolgreicher als „Alf“. Ich spielte 1967 in Lübeck Theater und lebte damals in Hamburg. Dort hatte ich ein Vorsprechen – und zwar für die US-Serie „Bonanza“. Ich wurde genommen und verlieh Little Joe Cartwright, gespielt von Michael Landon, meine Stimme. „Bonanza“ hat Geschichte geschrieben, damit ging es für mich richtig los. Wobei ich schon in den 50ern im WDR zu einer Art Kinderstar wurde.

"Null Problemo": Alf ist der bekannteste Außerirdische der Welt.

"Null Problemo": Alf ist der bekannteste Außerirdische der Welt.

Sie haben „Alf“ später als Fluch und Segen zugleich bezeichnet. Gilt das heute noch?

Nun ja, ich habe irgendwann festgestellt, dass ich auch damit Fernsehgeschichte geschrieben habe.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Dennoch reden Sie heute nicht mehr so gerne über „Alf“. Warum ist das so?

„Alf“ liegt bereits über 30 Jahre zurück. Irgendwann ist gut.

Das gilt nicht nur für „Alf“. Ist es das Problem eines jeden Synchronsprechers, dass auch der Stern des Schauspielers, dem man die Stimme über Jahre verliehen hat, irgendwann verglüht? In Ihrem Fall trifft das auf Nick Nolte zu.

Die arme Sau. Entschuldigung für meine Wortwahl, aber es ist so. Er hat aufgrund seiner Situation das Trinken angefangen. Schade, denn ich halte ihn für einen sensationellen Schauspieler. Ich habe ihn bereits in den 70ern gesprochen, zum Beispiel in der Serie „Reich und Arm“ oder in dem Film „Nur 48 Stunden“. Den Nick Nolte haben sie mir aber auch genommen. Til Schweiger hat mich nicht einmal gefragt, ob ich Nolte für das Remake von „Honig im Kopf“ meine Stimme leihen soll. Er hätte ja wenigstens mal anrufen können.

Sie haben nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass „Alf“ finanziell für Sie kein Erfolg war. Wie geht es Ihnen heute wirtschaftlich?

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ich bekomme meine Rente. Die ist zwar nicht sehr hoch, aber wir wohnen in einem Haus und verbringen dort den Großteil unseres Lebens. Wenn man nicht unbedingt jeden Abend in die Kneipe muss, dann kann man eine Menge Geld sparen. Wir machen lieber abends unseren Kamin an und machen es uns gemütlich – zumal meine Frau und ich darauf achten, uns nicht mit Corona zu infizieren. Ich verlasse das Haus, um einkaufen zu gehen, und koche täglich.

Ihr großes Abenteuer haben Sie 2019 mit Ihrer „Dschungelcamp“-Teilnahme erlebt. Wie strapaziös war dieses Projekt für Sie?

Zunächst einmal wurde ich auf Herz und Nieren untersucht – vor allen Dingen aufs Herz. Die Ergebnisse waren gut – und nein, es hat mir nicht geschadet. Ich würde so etwas jederzeit wiederholen. Wann kommt man in meinem Alter schon nach Australien? Amerika ist in acht Stunden erledigt. Um nach Australien zu kommen, bist du rund 24 Stunden unterwegs. Die Produktion vor Ort verlief großartig, aber Australien ist giftig – im wahrsten Sinne des Wortes. Wir mussten auf Feldbetten unter freiem Himmel schlafen und dafür sorgen, dass das Feuer am Leben bleibt. Es gab nur abgekochtes Wasser, Reis und Bohnen. Ich habe in zehn Tagen sieben Kilo abgenommen.

Dschungelkönig sind Sie nicht geworden, sondern Evelyn Burdecki wurde Dschungelkönigin. Hätte Sie der Titel für die Strapazen entschädigt?

Ich brauchte keine Krone, wir hatten ganz gut verhandelt. Spannender war für mich die soziale Komponente. Wie wird es sein, mit zuvor wildfremden Menschen auf diesem engen Raum zu interagieren? Die Ausbrüche und Tränen der Teilnehmer ließen nicht lange auf sich warten – und es war kein Fake. Wenn unter deiner Liege Skorpione und giftige Spinnen herumlaufen, dann geht das schon an die Substanz.

Kein König: Tommi Piper bekam 2019 nicht die Dschungelkrone verliehen.

Kein König: Tommi Piper bekam 2019 nicht die Dschungelkrone verliehen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wie gut haben Sie denn verhandelt?

Zumindest so gut, dass ich heute noch von den Ressourcen leben kann. Die Steuern sind bezahlt. Ich wäre blöd gewesen, wenn ich es nicht gemacht hätte.

Wie oft werden Sie noch heute auf der Straße mit der Frage konfrontiert: „Können Sie mal den Alf machen?“

Unendlich. Und ich muss sagen: leider. Es nervt so langsam, weil es manche Menschen an der nötigen Distanz vermissen lassen.

Kommen Sie der Aufforderung dennoch nach, wenn man Sie freundlich bittet?

Manchmal mache ich das, manchmal frage ich aber auch: „Muss das sein?“ Was gewesen ist, das ist gewesen. Alles Weitere werde ich eines Tages in meinem Buch über mein Leben erzählen. Denn ich habe wirklich viel erlebt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Welche Wünsche haben Sie über dieses Buchprojekt hinaus noch?

Dass ich möglichst lange gesund bleibe und mich, wenn es dann einmal so weit sein wird, nicht quälen muss. Das Alter ist noch nicht in meinem Kopf angekommen. Aber ich weiß genau, dass es in den nächsten zehn Jahren passieren wird.

Mehr aus Medien

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.