Kontrast zu biederen Serien

35 Jahre Al Bundy und seine „schrecklich nette Familie“: die politisch unkorrekte Sippe aus der Vorstadt

„Eine schrecklich nette Familie“ mit Christina Applegate, Katey Sagal, Ed O’Neill und David Faustino.

Er liebt Baseball, Bier und Bowling, macht sexistische Witze und lästert über japanische Autos und die französische Küche: Al Bundy ist ein typischer Vertreter der unteren Mittelschicht in den USA, und hätte er bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen mitmachen dürfen, wäre seine Stimme mit ziemlicher Sicherheit auf das Konto von Donald Trump gegangen.

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Vor 35 Jahren eroberten der schmuddelige Schuhverkäufer aus einem Vorort von Chicago und seine schräge Sippe das amerikanische Fernsehen – am 5. April 1987 zeigte der Sender Fox die erste Folge der Comedyserie „Married ... with Children“, die fünf Jahre später als „Eine schrecklich nette Familie“ in Deutschland startete und auch hierzulande Millionen Fans begeisterte.

Eine aus eingefleischten Egoisten bestehende Familie

Der Grund dafür war so einfach wie einleuchtend: Mit dem von Ed O‘Neill gespielten Knautschgesicht Al Bundy, seiner stinkfaulen Frau Peggy (Katey Sagal) und den beiden Kindern „Dumpfbacke“ (Christina Applegate) und Bud (David Faustino) betrat eine aus eingefleischten Egoisten bestehende Familie die Serienbühne, die sich um guten Geschmack, feine Manieren und politische Korrektheit so gar nicht scherte und somit einen erfrischenden Kontrast zu eher biederen Fernsehsippen wie den Drombuschs und anderen abgab.

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Im Mittelpunkt der schrägen Sitcom, die vor keinem unappetitlichen Thema zurückschreckte, stand Familienvater Al Bundy. Oder besser gesagt: „saß“ Al Bundy – denn von seiner strategisch auf den Fernseher ausgerichteten Couch war der unterbezahlte Schuhverkäufer mit den Schweißfüßen kaum herunterzubekommen.

Unersättliche Gier der Vorstadthausfrau

Zu Bundys großem Ärger pflanzte sich häufig auch seine grell geschminkte Gattin Peggy mit ihrer von Tonnen von Haarspray zusammengehaltenen Frisur neben ihn, um ihn mit ihren ständigen Forderungen nach Geld und Sex zu nerven – die unersättliche Gier der Vorstadthausfrau nach körperlicher Zuwendung, die sich auch von den brüsken Zurückweisungen ihres Gatten nicht beirren ließ, war ein roter Faden der Sitcom, die vom Nachrichtenmagazin „Spiegel“ alsbald zur „besten Comedy im deutschen Fernsehen“ gekürt wurde.

Ein anderer war die Promiskuität von Als hübscher, aber unterbelichteter Tochter Kelly, die von ihm nur „Dumpfbacke“ genannt wurde, sowie seine Intimfeindschaft mit der emanzipierten Nachbarin Marcy (Amanda Bearse). Die amüsanten Wortgefechte zwischen dem „desillusionierten White-Trash-Patriarchen“, wie der Antiheld einmal in einer Zeitschrift bezeichnet wurde, und der überzeugten Feministin waren Höhepunkte der Serie mit dem markanten Titelsong „Love and Marriage“ von Frank Sinatra.

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Überraschungserfolg in den USA

In den USA war die von 1987 bis 1997 laufende Serie ein Überraschungserfolg, und auch in Deutschland gewann die politisch unkorrekte Sippe aus der Vorstadt jede Menge Fans. Der noch junge Sender RTL zeigte „Eine schrecklich nette Familie“ von 1992 bis 1996, die letzten beiden Staffeln der 259-teiligen Serie liefen dann bei Pro Sieben, das sich die Rechte gesichert hatte.

Hauptdarsteller Ed O‘Neill, der im vergangenen Jahr seinen 75. Geburtstag feierte, wurde mit dem Erfolgsformat zum schwerreichen Star, von 2009 bis 2020 gehörte er zum Ensemble der ebenfalls enorm populären Comedyserie „Modern Family“. Dabei war O`Neill ursprünglich gar nicht für die Rolle des Al Bundy vorgesehen, der Schauspieler kam erst ins Spiel, als bereits zahlreiche Konkurrenten gecastet und abgelehnt worden waren. Der Legende nach kam Ed O‘Neill völlig zerknittert und verschwitzt zum Vorsprechen, was ihm die Rolle des Verlierers aus der Vorstadt schließlich eingebracht haben soll.

Fortsetzung ausgeschlossen

Die Hoffnungen der Fans auf ein Comeback der Kultserie mit einem Spielfilm erfüllt sich allerdings nie. Schön früh hatte Christina Applegate eine klare Meinung dazu und erklärt: „Die Serie war fantastisch, es wäre furchtbar, einen Film zu machen, der schlecht ist.“

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