Wie erkennt man Kosmetika ohne Tierversuche?

  • Tierversuche sind leider noch immer präsent in Deutschland – durch Schlupflöcher, die Unternehmen ausnutzen.
  • Doch da niemand mehr möchte, dass für seine Creme oder sein Make-up Tiere gequält werden müssen, gibt es inzwischen mehrere Siegel.
  • Wir zeigen, welche Labels halten, was sie versprechen.
Alice Mecke
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Hannover. Eigentlich sind Tierversuche in der Europäischen Union verboten. Ein umfassendes Gesetz, das im März 2013 in Kraft getreten ist, verbietet es Kosmetikunternehmen komplett, Tierversuche für ihre Produkte oder deren Inhaltsstoffe durchzuführen oder in Auftrag zu geben. Es ist auch verboten, Produkte in der EU zu vermarkten, für deren Herstellung Tierversuche, auch jene im Ausland, stattfanden. Doch es gibt Schlupflöcher, wie der Deutsche Tierschutzbund kritisiert.

Ausnahmen: „Alte“ Produkte, Chemikalien, China

Denn das Verbot gilt nur für Inhaltsstoffe, die seit dem Verbot auf den Markt gekommen sind. Das heißt, Produkte und Inhaltsstoffe, die vor dem 11. März 2013 an Tieren getestet wurden, dürfen auch weiterhin uneingeschränkt verkauft werden.

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Außerdem dürfen Inhaltsstoffe, die nicht in der Kosmetik zum Einsatz kommen, weiterhin an Tieren getestet werden. Kosmetikhersteller können also weiterhin chemische Substanzen verwenden, die auch in Produkten wie Reinigungsmitteln, Wandfarben oder Medikamenten enthalten sind. Damit ist die Creme oder die Lotion nicht mehr frei von Tierversuchen. Möglich ist das, weil die EU-Chemikalienverordnung es trotz aller Kritik weiterhin vorsieht, die Substanzen auch an Tieren zu testen, bevor sie auf den Markt kommt, erklärt der Tierschutzbund.

Ein weiteres Problem: Das Gesetz gilt nur in der EU. Verkaufen Hersteller ihre Produkte beispielsweise nach China, dürfen sie für den ausländischen Markt auch weiterhin Tierversuche durchführen.

Label des Deutschen Tierschutzbundes

Mit Blick auf diese Kritikpunkte hat der Deutsche Tierschutzbund ein Siegel entwickelt, das strengen Richtlinien folgt. Das Logo, das ein Kaninchen mit schützender Hand zeigt, erhalten nur jene Kosmetika, für die bei der Entwicklung und Herstellung keine Tierversuche durchgeführt wurden. Zudem dürfen keine Inhaltsstoffe verwendet werden, die nach dem 1. Januar 1979 an Tieren getestet wurden. Zwar sind tierische Inhaltsstoffe erlaubt, diese dürfen jedoch nicht von toten Tieren stammen.

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Der Deutsche Tierschutzbund geht noch einen Schritt weiter und erteilt sein Label nur Herstellern, die wirtschaftlich nicht von Firmen abhängig sind, die Tierversuche durchführen. Hier finden Sie eine Liste der Kosmetikhersteller, die die Richtlinien erfüllen und laut Deutschem Tierschutzbund weiterhin regelmäßig auf diese überprüft werden.

Springender Hase bedeutet Tierschutz

Die Verbraucherzentrale hebt außerdem das internationale Tierschutzlabel „Leaping Bunny – Humane Cosmetic Standard" (ein springender Hase) positiv hervor, das von verschiedenen Tierschutzorganisationen eingeführt wurde. Einzelne Inhaltsstoffe oder fertige Rezepturen dürfen nach „Leaping Bunny“-Standards nicht an Tieren getestet werden. Die Unternehmen dürfen zudem Tierversuche nicht in Auftrag geben oder sich an ihnen beteiligen.

Unternehmen, die das Label tragen, haben selbst einen Stichtag festgelegt, ab dem sie komplett auf Tierversuche verzichten (werden). Dazu müssen sich die Unternehmen von ihren Lieferanten schriftlich bestätigen lassen, dass sie die Kriterien für das Label erfüllen – und das fortlaufend. Auf der englischsprachigen Seite der Unternehmen kann man nach Kosmetikmarken suchen: Erscheint eine Marke nicht, hat sie das Label nicht erhalten.

Vegan heißt nicht immer frei von Tierversuchen

Ein Produkt, das als vegan gekennzeichnet ist, muss nicht automatisch frei von Tierversuchen sein. Es kann trotzdem chemische Substanzen und Inhaltsstoffe enthalten, die an Tieren getestet wurden. Laut Verbraucherzentrale verspricht aber das Vegan-Siegel der Vegan Society, das eine Blume über dem V zeigt, Kosmetik ohne Tierversuche. Es verbietet die Verwendung von Inhaltsstoffen, die von lebenden oder toten Tieren stammen. Auch die Inhaltsstoffe dürfen nicht an Tieren getestet werden, weder vom Unternehmen selbst noch in dessen Auftrag.

Und was ist mit Naturkosmetik?

Auch Naturkosmetik ist nicht immer frei von Tierversuchen. Zwar müssen sich auch die Hersteller von „grüner Kosmetik“ an die Gesetze zur Tierversuchsfreiheit halten, doch sie können ebenfalls Schlupflöcher nutzen. Da es mittlerweile eine große Anzahl von Siegeln in der Naturkosmetik gibt, hat sich die Verbraucherzentrale Deutschland die beiden gängigsten Siegel genauer angeschaut – denn beide kommen ohne Tierversuche aus.

Das BDIH-Siegel erlaubt weder bei der Herstellung noch bei der Entwicklung oder Prüfung der Endprodukte Tierversuche. Auch Rohstoffe, die nach dem 31. Dezember 1997 an Tieren getestet wurden, kommen nicht zum Einsatz. Erlaubt ist die Verwendung von tierischen Rohstoffen wie Milch oder Honig und jene von toten Insekten, wie Karminrot aus Cochenilleläusen, schreibt die Verbraucherzentrale. Rohstoffe von toten Wirbeltieren, wodurch beispielsweise Nerzöl entsteht, dürfen nicht eingesetzt werden.

Ähnlich sieht das das Natrue-Siegel vor. Auch hier sind Rohstoffe von toten Wirbeltieren verboten, jene von toten Insekten sowie Milch und Honig wiederum erlaubt. Natrue verbietet zudem Tierversuche in der EU und auch für Produkte, die außerhalb der EU verkauft werden.

Mit der App in den Drogeriemarkt

Die Tierschutzorganisation Peta hat eine offizielle Liste zusammengestellt, die Kosmetik ohne Tierversuche in Deutschland, wahlweise auch international, aufzeigt. Darüber hinaus kann man sich auf dem Blog von Peta über Lebensmittel, Tiernahrung und Wasch- und Putzmittel, die ohne Tierversuche auskommen, informieren.

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Auch Apps, die die genauen Inhaltsstoffe und sogar Informationen zu Herstellern liefern, gibt es inzwischen einige. So verspricht Animals Liberty zu wissen, welcher Hersteller hinter welchem Produkt steht – und ob dieser im Visier von Boykottkampagnen aufgrund von Tierquälerei oder Tierversuchen steht.

Gewappnet mit solch einer App und den hier vorgestellten Labels im Hinterkopf – Eselsbrücke: Hasen beziehungsweise Kaninchen bedeuten Tierschutz – ist es mittlerweile gar nicht mehr schwer, Kosmetika zu kaufen, für die kein Tier leiden musste.

RND