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  • Weihnachtsbaum-Test: Naturschützer prüfen 23 Tannenbäume auf Pestizide - und finden Giftrückstände

23 Weihnachtsbäume untersucht: Naturschützer warnen vor Pestizidbelastung

  • Umweltschützer haben mehrere Weihnachtsbäume auf Pestizide untersucht.
  • Dabei fanden sie auch Rückstände von gefährlichen Pestiziden – darunter eines, das gar nicht mehr zugelassen ist.
  • Die Weihnachtsbäume wurden stichprobenartig an 23 Verkaufsstellen erworben.
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Nürnberg, Berlin, Schwerin. Einen weit verbreiteten Pestizideinsatz bei Weihnachtsbäumen haben der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) und der BUND Naturschutz in Bayern (BN) kritisiert. Ein bundesweiter Labortest habe ergeben, dass die Bäume teilweise auch mit gefährlichen Pestiziden belastet seien, teilten die Verbände am Mittwoch in Nürnberg und in Berlin mit. Bei 14 von 23 untersuchten Weihnachtsbäumen fanden sich demnach Rückstände von Giften. Nach Angaben des BUND-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern waren auch die beiden Testbäume aus Baumärkten in Rostock und Schwerin mit Pestiziden belastet.

Sieben der neun gefundenen Pestizide zählten zu den gefährlichsten, die derzeit in der EU eingesetzt werden, hieß es. Die Verbände hatten Nadeln von 23 Weihnachtsbäumen aus acht Bundesländern von einem unabhängigen Labor auf Rückstände von knapp 140 Pestiziden untersuchen lassen. Die untersuchten Bäume stammten laut BN überwiegend von deutschen Plantagen und wurden stichprobenartig an 23 Verkaufsstellen in Baumärkten, Gartencentern und im Straßenverkauf erworben.

Nicht für den Weihnachstbaumanbau zugelassenes Pestizid

Beim Testbaum aus Rostock wurde nach Angaben des BUND MV das Insektenbekämpfungsmittel lambda-Cyhalothrin nachgewiesen. Es gilt als das schädlichste zurzeit in der EU zugelassene Pestizid. „Es schädigt unter anderem Nervenzellen und das Hormonsystem, ist hoch giftig für Bienen und Wasserlebewesen und reichert sich auch in anderen Lebewesen an“, so der BUND MV. Zusätzlich sei beim Rostocker Test-Baum auch noch das Fungizid Azoxystrobin nachgewiesen worden, das sehr giftig für Wasserorganismen sei und sich im Boden und in Sedimenten von Gewässern anreichere.

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Skandalös sei, dass beim Test-Weihnachtsbaum aus Schwerin das Pestizid Tau-Fluvalinat nachgewiesen wurde, das in Deutschland für den Weihnachtsbaumanbau nicht mehr zugelassen sei. Der BUND nehme hier Kontakt mit den Händlern auf, um diese illegale Anwendung aufklären zu lassen.

Einsatz von Pestiziden ist ein Problem für die Artenvielfalt

Die Weihnachtsbaum-Tests belegten über die Jahre hinweg, „dass in konventionellen Weihnachtsbaumplantagen Herbizide, Insektizide und Fungizide eingesetzt werden“, sagte der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner. Der Einsatz von Pestiziden auf Plantagen sei vor allem ein Problem für die Artenvielfalt. Die Gifte gelangten in Böden und Gewässer, sie töteten und schädigten Insekten und zerstörten Lebensräume von Nützlingen, hieß es. Vier der gefundenen Wirkstoffe seien hochgiftig für Bienen. Besonders kritisch sei die hohe Mehrfachbelastung. Die Wechselwirkung der Einzelstoffe auf die menschliche Gesundheit sei nahezu unbekannt.

Mehr als ein Viertel der getesteten Bäume war mit mindestens zwei Wirkstoffen belastet, ein Achtel enthielt sogar Rückstände von drei Pestiziden. Der BN und der BUND MV rieten den Verbrauchern, zertifizierte Bio-Weihnachtsbäume oder Bäume direkt aus dem Wald vom Förster und Waldbesitzer zu kaufen. Um sich für eine Reduktion der Pestizide einzusetzen, könnten Bürger bei der Europäischen Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“ unterschreiben.

RND/epd

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