Weihnachtsfest im Corona-Stress? Das muss nicht sein!

  • „O du fröhliche, o du selige …“ – ob es auch in diesem Jahr so sein wird, bezweifeln viele.
  • Denn im Vordergrund stehen diesmal weder der Baum noch ein Geschenk, sondern die Infektionszahlen nicht explodieren zu lassen.
  • Wir haben für Sie Tipps gesammelt, wie Ihr Weihnachtsfest eben doch fröhlich, selig und sicher werden kann.
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Weihnachten ist das Fest der Liebe, der Familie und der Traditionen. Allerdings werden genau diese drei Dinge etwas kompliziert in diesem Corona-Jahr. Allerdings muss man nicht komplett darauf verzichten – es gilt nur, einmal mehr über die Weihnachts­routinen nachzudenken, auf einige Corona-Regeln zu achten und gegebenenfalls Alternativen zu finden.

Worauf wir uns aber einstellen können: Lange Festtafeln mit der Großfamilie, die aus allen Ecken Deutschlands angereist ist, wird es in diesem Jahr nur bedingt geben. Wir möchten Ihnen ein paar Tipps an die Hand geben, wie Sie mit der gebotenen Vorsicht, sicher und im Kreise Ihrer Lieben ein schönes Weihnachtsfest feiern können. Diese werden vor allem dann wichtig, wenn Sie auf eine Feier im größeren Rahmen nicht verzichten möchten.

Was ist erlaubt? Die Corona-Regeln für Weihnachten

Bund und Länder haben sich auf grundsätzlich geltende Regeln für Weihnachten geeinigt – auch wenn einige Bundesländer schon ein Sonder­regelwerk angekündigt haben. Berlin zum Beispiel wird die Einschränkungen nicht lockern. Informieren Sie sich also sicherheits­halber über die Einschränkungen in dem Bundesland, in dem Sie feiern möchten – ob zu Hause, bei der Familie oder bei Freunden.

Die Corona-Regeln in der Vorweihnachtszeit werden noch einmal verschärft. Jedoch wird es zwischen dem 23. Dezember 2020 und dem 1. Januar 2021 gesonderte Regelungen bei den Kontakt­beschränkungen geben. Demnach sollen Treffen „im engsten Familien- oder Freundeskreis“ mit maximal zehn Personen möglich sein. Kinder bis 14 Jahre werden dabei nicht mitgezählt, und es gibt keine Unterscheidung, ob drinnen oder draußen gefeiert wird.

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Trotz der gelockerten Kontakt­beschänkungen appelliert die Politik an die Bürger: „Dennoch ist es wichtig, dass wir die Gefahr von Covid-19-Infektionen im Umfeld dieser Begegnungen so gering wie möglich halten“, heißt es in dem neuesten Beschluss der Kanzlerin und der Länderchefs.

Aus diesem Grunde wollen wir uns hier die einzelnen Bereiche des Weihnachtsfestes anschauen.

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Länder einigen sich auf Corona-Regeln für die Festtage
1:10 min
Die Minister­präsidenten der Länder haben sich auf einheitliche Kontaktregeln für Weihnachten und Silvester geeinigt.  © dpa

Die Geschenke

Weihnachts­geschenke sollte man ohnehin lieber früher als später besorgen, damit die Geschenkejagd einen Tag vor Heiligabend nicht in Hektik ausartet. In diesem Jahr wird das noch wichtiger. Denn die Politik ruft alle dazu auf, die Weihnachts­­einkäufe „möglichst auch unter der Woche zu tätigen“. Dahinter steckt natürlich, dass solche Menschenmassen, wie es sie bisher an den Wochenenden und kurz vor Weihnachten in den Innenstädten gab, vermieden werden sollen, um das Infektionsrisiko nicht unnötig zu erhöhen. Denn sollten Sie hier eine Risikobegegnung haben, steht Ihnen zu Weihnachten vielleicht die häusliche Quarantäne bevor.

Bei Kindern stehen natürlich weiterhin Spielzeug, Bücher oder auch Handys auf dem Wunschzettel, aber wie Kornelia Matzke vom Weihnachts­postamt Himmelpfort weiß, schreiben viele auch „Ich wünsche mir, dass Corona vorbei ist“, oder „Ich wünsche mir, dass wir alle gesund bleiben“, oder auch „Ich wünsche mir, dass wir zu Weihnachten Oma besuchen können“. Um solche Wünsche erfüllen zu können, sollte man sich noch genauer an die Regeln halten.

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Traditionen: Von Weihnachtsbaum bis Weihnachtslieder

In vielen Familien sieht Weihnachten von Jahr zu Jahr genau gleich aus, was gar nicht schlecht sein muss, sondern auch wunderschön sein kann. Jedoch sollte man in diesem Jahr jede Tradition noch einmal genau hinterfragen. „So können Eltern und Kinder gemeinsam zusammentragen, was sich jeder für dieses besondere Weihnachtsfest wünscht“, sagt Melanie Gräßer, Psychotherapeutin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Auf diese Weise kann man sich von dem Fest, wie man es vorher kannte, verabschieden und sich neuen Dingen öffnen.

Also fragen Sie sich: Welche Weihnachts­traditionen mögen wir wirklich? Welche Traditionen sind eher Pflicht und was wäre ein tolles neues Erlebnis? Auch Kristian Fechtner, Professor für praktische Theologie an der Universität Mainz, sieht in der durch Corona erzwungenen Situation eine Chance, neue Aspekte von Weihnachten zu entdecken.

Aber auf manche Dinge will man nicht verzichten. Ob es das gemeinsame Baumschmücken oder das Singen von Weihnachtsliedern ist. Hier gilt wie sonst auch: Abstand halten, gut lüften und im Notfall Maske auf. Bestimmen Sie zum Beispiel einen oder zwei feste Baumschmücker, der Rest darf reihum sagen, wo die nächste Kugel hin soll. Weihnachtslieder singen Sie dieses Jahr vielleicht nicht ums Klavier herum, sondern lauschen Sie einem Weihnachtskonzert vom Band. Und beim Geschenke­auspacken sitzen nicht alle im Kreis, sondern mit entsprechendem Abstand – ein Geschenke­beauftragter könnte die Geschenke verteilen.

Das Essen

Damit nicht ein Familien­mitglied den ganzen Tag in der Küche steht, setzen manche Familien lieber auf einen Restaurant­besuch. Der muss in diesem Jahr voraussichtlich ausfallen. Denn bisher gilt die Regelung, dass es erst ab einem Wert von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner Lockerungen der Corona-Beschränkungen gibt. Bund und Länder wollen die Situation kurz vor Weihnachten noch einmal neu bewerten, aber momentan ist davon auszugehen, dass Restaurants bis Januar geschlossen bleiben müssen. Da viele Restaurants um ihre Existenz bangen und zu Weihnachten normalerweise einen großen Umsatz einfahren, sind die Betreiber sicher dankbar, wenn Sie etwas zum Mitnehmen bestellen.

Ansonsten können Sie gerade beim Feiern mit vielen unterschiedlichen Haushalten als Vorsichts­maßnahme Essen bereits auf Tellern servieren, statt Schüsseln auf den Tisch zu stellen. Das sei zwar nicht unbedingt nötig, aber Tellerportionen seien dennoch eine gute Alternative, meint Prof. Andreas Podbielski vom Institut für medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene aus Rostock. „Anstatt Schalen voller Pfeffernüsse und Lebkuchen, in die jeder hineingreifen darf, befüllen Sie lieber Tütchen mit Leckereien, die sie jedem Familien­mitglied mitgeben können“, ergänzt er. Und natürlich das Händewaschen nicht vergessen.

Gerade wenn Oma und Opa in diesem Jahr nicht zu Besuch kommen können, kann es für Kinder tröstlich sein, eine Art „Platzhalter“ für die fehlenden Verwandten an der Weihnachts­tafel zu platzieren. „Wenn die Großeltern nicht kommen können, kann man stellvertretend für sie ein Foto oder Kuscheltiere auf dem Tisch aufstellen, sodass sie doch irgendwie dabei sind“, sagt Psycho­therapeutin Melanie Gräßer.

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Merkel zu den bisherigen Maßnahmen – November war nur ein Teilerfolg
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Bund und Länder verschärfen im Dezember angesichts der anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen den Kurs in der Pandemie, mit Ausnahme von Weihnachten.  © Reuters

Weihnachtsmann und Christkind

Auch der Weihnachtsmann und das Christkind haben es im Corona-Jahr schwer. Der Weihnachtsmann gehört durch sein Alter sogar mit zur Risikogruppe. Kinder befürchten jetzt, dass die beiden in diesem Jahr nicht kommen, um Geschenke zu bringen.

Sprechen Sie offen mit Ihren Kindern. Natürlich müssen Weihnachtsmann und Christkind aufpassen – wie jeder andere auch. Der Weihnachtsmann will ja auch nicht die ganzen helfenden Elfen und Wichtel anstecken. Aber wer es schafft, in nur einer Nacht Geschenke in die ganze Welt zu bringen, der schafft das auch bei Corona. Auch wenn die beiden in diesem Jahr wahrscheinlich nicht zu Besuch kommen und die Geschenke lieber kontaktlos übergeben.

Denn nicht vergessen: Wenn sich der Weihnachtsmann und das Christkind an die Regeln halten, werden Ihre Kinder das sicher auch tun.

Gemeinsam feiern

Zehn Leute plus Kinder unter 14 Jahren dürfen also zusammen feiern. Aber im Sinne aller sollte man diese Obergrenze nicht ausreizen. Prof. Andreas Podbielski rät: „Feiern Sie im kleinen Kreis und beachten Sie die gängigen Hygieneregeln.“ Auch wenn es im Familienkreis vielleicht merkwürdig wirkt, solle man generell versuchen, den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten und mindestens zum Schutze der älteren Familien­mitglieder insbesondere im Haus eine Maske tragen, wann immer das möglich ist. Auch im privaten Rahmen sollten Sie die AHA-Regeln (Abstand, Hygienemaßnahmen, Alltagsmasken) nicht über Bord werfen. Auch wenn es draußen kalt ist, rät Podbielski zum regelmäßigen Lüften. Verbinden Sie das Lüften vielleicht mit einem kleinen Spaziergang oder einer Aktion im Freien. Wenn Sie wieder reinkommen, wirkt die abgekühlte Luft im Wohnzimmer trotzdem noch wärmer.

Händeschütteln und Umarmungen sollten nach Meinung von Hygieneexperte Podbielski vermieden werden. Verzichten sollten Sie zudem auf gemeinsames Singen oder Musizieren mit Blasinstrumenten und körperliche Anstrengungen. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass in geschlossenen Räumen nicht alle durcheinander­reden. „Stoßen Sie ruhig mit einem Glas Wein oder Sekt an, aber vermeiden Sie übermäßigen Alkoholkonsum“, so Podbielski.

Viele Menschen stehen aber auch vor der moralisch schwierigen Frage: Was ist für Eltern und Großeltern schlimmer: die Gefahr der Ansteckung oder das Alleinsein an den Feiertagen? Der Infektiologe Bernd Salzberger zum Beispiel warnt davor, dass Weihnachts­treffen die Ausbreitung des Coronavirus verstärken könnten. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass die Feiertage ein Kickstarter für die Influenza­ausbreitung gewesen seien, sagte der Mediziner vom Universitäts­klinikum Regensburg den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Sollten Sie oder andere Familien­mitglieder sich also nicht wohl beim Gedanken an ein gemeinsames Weihnachtsfest fühlen, sollte das keiner übelnehmen. Stattdessen kann man versuchen, auf digitalem Weg, Zeit miteinander zu verbringen. So kann man gemeinsam versuchen, aus Online-Escape-Rooms zu entkommen, Videowichteln mit vorher per Post verschickten Geschenken abhalten, einem virtuellen Weihnachts­konzert lauschen oder auch mit „Netflix-Party“ zusammen Filme schauen.

Selbstquarantäne

Man kann es auch Kontaktfasten bis Heiligabend nennen – denn darum geht es. Von mehreren Wissenschaftlern und auch der Bund-Länder-Runde empfohlen ist ein Verzicht auf unnötige Kontakte vor dem Weihnachtsfest: keine privaten Treffen, Ausflüge oder Reisen, und wer kann, nimmt Weihnachtsurlaub oder arbeitet aus dem Homeoffice. Das sei besonders sinnvoll, wenn man mit älteren Familien­mitgliedern feiern möchte. Zwischen fünf und sieben Tage soll diese Selbstquarantäne andauern.

Auch der Virologe Christian Drosten rät zur Vorquarantäne vor dem Familienbesuch. Dann könne man zu Verwandten mit dem Wissen fahren, dass man sich in dieser Woche wahrscheinlich nicht infiziert habe. „Wenn überhaupt, dann hat man sich vielleicht eher in der Woche zuvor angesteckt, und dass in diesem Fall alle aus der Familie symptomfrei bleiben, ist eher unwahrscheinlich“, sagte Drosten im Interview mit der „Zeit“.

Die Regierung richtete auch hier einen Appell an die Bürger: Solche Maßnahmen seien im Interesse und zum Schutz der Menschen, die man zu Weihnachten treffen möchte, umzusetzen.

Weihnachts­gottesdienst und Krippenspiel

Auch wenn beim Pisa-Test nicht alle wussten, warum wir Weihnachten feiern, ist es noch immer ein Fest mit religiösem Ursprung. Daher ist für viele Familien der Besuch des Weihnachts­gottesdienstes oder auch eines Krippenspiels Pflicht. Gerade zu Weihnachten sind die Gotteshäuser voll – dabei sollen Veranstaltungen, an denen viele Menschen auf engem Raum zusammen­kommen, doch eigentlich vermieden werden. Für die Kirchen keine leichte Aufgabe.

Die Kirchen­vertreter sind allerdings schon auf der Suche nach Alternativen. Es ist die Rede von Freiluft­gottes­diensten auf großen Plätzen in den Städten oder im Autokino, Stadien als Kirchenersatz, und schon jetzt werden manche Gottes­dienste im Internet gestreamt. Im Kölner Dom ist zum Beispiel eine Entzerrung der Besucher geplant, es soll dafür vier Christmetten geben, damit nicht so viele Gläubige im wahrsten Sinne des Wortes „aufeinandersitzen“.

Eine mögliche Alternative wären auch „Waldweihnachten“, die mit Forstämtern und Pfadfinder­gruppen zusammen organisiert werden könnten, eine andere „Pilger­gottes­dienste“. Dieses „Unterwegs­weihnachten“ ist auch für Kristian Fechtner eine gute Möglichkeit. So könnte es mehrere liturgische Stationen geben, an denen die Gläubigen vorbeikommen, statt eines zentralen Krippenspiels. „Die ganze Weihnachts­geschichte ist ja eine Geschichte des Unterwegsseins“, so Fechtner. Wichtig sei, dass sich ein Gefühl der Festlichkeit einstelle. „Ich glaube, dass dies eher an kleineren, dezentralen Orten der Fall sein wird als in großen Stadien“, so der Experte.

Schließen Sie einen Gottes­dienst­besuch also nicht pauschal aus. Fragen Sie einfach in Ihrer Kirchen­gemeinde nach – vielleicht ist schon etwas in Planung.

Für alle, die lieber zu Hause bleiben wollen, haben die Deutsche Bischofs­konferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in diesem Jahr Flyer mit einer Hausliturgie für Weihnachten herausgeben, erzählte der Sprecher der katholischen Deutschen Bischofs­konferenz, Matthias Kopp, dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). Diese enthalten das Weihnachts­­evangelium, Weihnachtslieder sowie zwei Gebete und stehen auf www.gottbeieuch.de zum Download bereit. Und selbst das Krippenspiel kann im heimischen Wohnzimmer per Zoom, Skype und Co. vor den Augen der gesamten Familie stattfinden.

Die Anreise

Normalerweise steigen Millionen Deutsche kurz vor dem Fest oder an den Festtagen selbst ins Auto oder in den Zug, um ihre Familie oder Freunde zu besuchen. Volle Züge und Autobahnen sind die Folge. In diesem Jahr sollen Menschen­ansammlungen, wann immer möglich, vermieden werden. Die Bahn will dafür mit einer neuen Strategie sorgen: Sitzplatz­kapazitäten sollen erhöht und Maskenkontrollen verstärkt werden, dazu soll nur jeder zweite Sitzplatz reserviert werden können. Ob im Zug oder während einer Pause bei der Fahrt mit dem Auto, Sie sollten die grundsätzlichen Regeln immer im Hinterkopf haben:

  • Kontaktvermeidung
  • Vermeidung von geschlossenen Räumen mit schlechter Lüftung
  • Vermeidung von Gruppen- und Gedränge­situationen mit vielen Menschen an einem Ort
  • Vermeidung von engem Kontakt mit anderen Menschen ohne Abstand
  • durchgängiges Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung

Trotz allem frohe Weihnachten?

Es wirkt fast so, als wolle man Weihnachten mit all den Restriktionen vermiesen. Aber das Virus kennt nun mal kein Weihnachten. Daher können wir alle dazu beitragen, dass die Infektions­zahlen nach Weihnachten nicht wieder in die Höhe schnellen.

Jeder muss die Risiken in der Pandemie für sich selbst abwägen. „Es gibt keine totale Sicherheit, es bleiben immer Restrisiken“, sagt auch Virologe Drosten.

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