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Mukbang-Trend: Wenn das Essen vor der Kamera zum Spiel mit der Gesundheit wird

Pizza, Steak und Burger: Schauspieler und Koch Antoni Porowski testet den Mukbang-Trend als Zimmerservice.

Pizza, Steak und Burger: Schauspieler und Koch Antoni Porowski testet den Mukbang-Trend als Zimmerservice.

Schmatzen, Schlürfen, lautes Kauen – und das direkt in ein Mikrofon: Was für die einen wie purer Horror klingt, ist Entspannung für andere. Mukbang nennt sich der Trend aus Südkorea, in dem Menschen Berge von kalorienreichem Essen nach und nach vor laufender Kamera verschlingen. Nicht nur eines, sondern gleich mehrere Gerichte werden dabei verspeist – von Pizza, Burger und Pommes bis hin zu Ramen, einer japanischen Nudelsuppe. Seit über zehn Jahren kursieren diese Essvideos bereits im Netz. Ihr Erfolg stieg vor allem in den vergangenen Jahren rasant an, heute generieren sie Millionen von Klicks. Eine Goldgrube für manch einen Mukbanger, denn die verdienen damit bares Geld.

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Ein Trend, der Menschen mit Misophonie, dazu zählt der Ekel vor oder Hass auf Essgeräusche, Gänsehaut und Unbehagen bereiten dürfte, bewirkt bei anderen das Gegenteil. Als eine Form des Internetphänomens ASMR schauen Fans solche Videos zur Beruhigung. ASMR (autonomous sensory meridian response) beschreibt ein kribbelndes Gefühl durch Geräusche. Menschen sitzen dabei nah an einem Mikrofon und erzeugen mit dem Mund oder durch Gegenstände Geräusche.

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Mukbangs Wurzeln in südkoreanischer Tradition

Mukbang ist ein Kunstwort aus „muok-da“, koreanisch für Essen, und „bangsong“ (Sendung). In Südkorea wird das Essen traditionell als Gemeinschaft zelebriert. Das zeigt bereits das koreanische Wort für Familie, das übersetzt „die, die zusammen essen“ bedeutet. „Viele Koreaner mögen es daher gar nicht, allein essen zu müssen“, schreibt Konsumforscherin Christine Schäfer vom Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI) in einem RND-Gastbeitrag. Wegen langer Arbeitszeiten oder der Vielzahl an Singlehaushalten müssten viele Koreanerinnen und Koreaner jedoch allein essen, sagt Schäfer. Das brachte den Mukbang-Trend ins Rollen. Die ersten Videos erschienen Ende der 2000er-Jahre auf der südkoreanischen Videostreaming-Plattform Afreeca.tv.

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So schauen Menschen anderen beim Speisen zu und können dabei selbst etwas essen. Livestreams ermöglichen sogar, zeitgleich mit den Essern zu kommunizieren und ihnen Geld zu spenden. Denn nicht für alle Mukbanger ist das nur ein köstliches Hobby: Die Stars der Szene verdienen mit den Videos bis zu 10.000 Dollar monatlich. „Sobald man beliebt ist, kann man in den USA fast 100.000 Dollar im Jahr verdienen“, sagte Youtuberin und Mukbangerin Soo Tang dem NBC-Nachrichten­magazin „Today“.

Negative Effekte

Die beruhigende Wirkung von ASMR wurde bereits in einigen Studien bestätigt. Doch auch Mukbang gerät in den Fokus der Forschung. Mehrere Studien theoretisieren sowohl positive als auch negative Folgen der Essvideos. So könne das Anschauen von Mukbangs zu vermehrtem Nahrungskonsum führen und die Wahrnehmung von Ernährung und Gesundheit verändern, schlussfolgert ein Forscherteam der Universität Nottingham in einer zusammenfassenden Untersuchung von 2020. Außerdem verherrliche es Essstörungen wie das sogenannte Binge-Eating, also die Befriedigung exzessiver Heißhungeranfälle.

Nicht nur auf Zuschauerinnen und Zuschauer haben die Mukbanger-Videos einen Einfluss, auch auf die Macherinnen und Macher selbst. Nicholas Perry, bekannt durch den Youtube-Kanal „Nicocado Avocado“ mit über 2,8 Millionen Followern, bezeichnet sich selbst als „King of Mukbangs“. Der Youtuber gilt schon länger als kontrovers.

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Er streitet sich regelmäßig mit seinem Freund über das viele Essen, denn der wolle, dass Perry abnehme. „Du würdest nicht einmal in einen Sarg passen“, sagt sein Freund ihm vor laufender Kamera. Das Geld scheint bei manchen Mukbangern jedoch im Fokus zu stehen: „Ich verdiene 10.000 Dollar im Monat“, erwidert Perry. Auch Userinnen und User reagieren immer schockierter auf seinen gesundheitlichen Zustand. „Ich bin an diesem Punkt überrascht, dass sein Herz noch immer schlägt und seine Organe nicht aufhören zu funktionieren“, schreibt ein User unter einem Video. Tausende Nutzerinnen und Nutzer stimmen zu – der Kommentar hat etwa 10.000 Likes.

Positive Effekte

So sehr manche der Mukbanger mit dem Trend über die Stränge schlagen: Studien zeigen, dass die Videos auch positive Effekte auf das Publikum haben können. Das Schauen helfe Personen, während einer Diät ihr Verlangen nach Essen zu stillen und „eine stellvertretende Sättigung durch visuelle und akustische Stimulation“ zu erhalten. Zudem seien sie unterhaltsam und linderten Einsamkeit. Die Geräusche lösten bei Zuschauenden „Glück und Erleichterung“ aus. Einige schauten die Videos sogar aus sexuellen Gründen, heißt es von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Das Essen vor laufender Kamera wirkt kurios, nützt einigen Menschen aber weit mehr, als es anfangs den Anschein hatte. Doch Vorsicht: Mukbang ist ein Spiel mit dem Feuer – genauer gesagt mit der eigenen Gesundheit.

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