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  • Wandern im Wald: Mountainbiker werden zum Problem - wer schadet der Natur mehr?

Wanderer vs. Mountainbiker: Nägel und Zoff – wem gehört der Waldweg?

  • Durch die Corona-Krise ist es im Wald voller geworden: Wanderer wollen in der Natur entspannen, Mountainbiker sich austoben.
  • Mittlerweile kommen auch immer mehr E-Biker in die Berge. Das nervt die Wanderer zunehmend, sie fühlen sich belästigt.
  • Wie könnte sich dieser Konflikt lösen? Der Deutsche Alpenverein fordert mehr legale Trails und mehr Parks für Mountainbiker.
Katrin Schreiter
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München. Wanderer vs. Mountainbiker – das ist ein altbekanntes Problem, das die Corona-Krise noch mal verschärft hat. Denn immer mehr Menschen haben im Lockdown das E-Mountainbike für sich entdeckt – und suchen nun nach abwechslungsreichen Touren in den Bergen. Das aber passt vielen Wanderern nicht – sie fühlen sich belästigt, wollen sich den Trail nicht mit den Radlern teilen.

Der zunehmende Freizeitverkehr führt immer wieder zu Konflikten: Im Netz gibt es Berichte von Baumwurzeln, die mit Nägeln präpariert werden. Von sturen Wandergruppen, die die Zweiräder nicht vorbeilassen wollen. Von Radrowdys, die rücksichtslos illegale Trails herunterbrausen.

Wer schadet der Natur mehr?

Wie steht es mit der Natur – stört der Radfahrer mehr als der Wanderer? Für den Naturschutz spielt es keine Rolle, „wer mit welcher Störung zu einem Brutabbruch, zu einem Brutverlust oder zum Beispiel am Balzplatz des Birkhahns zu Verhinderung der Reproduktion führt“, sagt Michael Schödl, Alpenreferent beim Landesbund für Vogelschutz in Bayern. „Ob da jemand mit dem Bike drüberfährt oder mit der Stirnlampe drüber joggt – die Störung ist unter Umständen dieselbe.“

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Naturschützer Schödl räumt allerdings ein, dass der Elektromotor am E-Mountainbike „ermöglicht, dass deutlich mehr Menschen – oft ungeübte – in weiter entlegene Gebiete vordringen können“. Und das auch zu sogenannten Tagesrandzeiten – also früh morgens oder in der Abenddämmerung. „Zeiten, in denen es für viele Tiere sehr wichtig ist, Ruhe zu haben.“

Nicht zuletzt weist Naturschützer Schödl darauf hin, „dass sich immer wieder auch Leute mit der neuen Technik – vom Akku bis zum GPS – überschätzen. Dadurch gibt es mehr Einsätze zur Bergung von Verirrten oder Verletzten, die wiederum zu Störungen führen – beispielsweise wenn der Rettungshubschrauber ins Adlerrevier fliegen muss.“

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Wald wird immer voller

Die Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB), die mittlerweile mehr als 100.000 Mitglieder hat, sieht den Konflikt zwischen Wanderern und Radlern „nicht so groß, wie er mitunter dargestellt wird“, meint Vereinssprecher Ingmar Hötschel. Es seien allerdings insgesamt mehr Leute in den Wäldern und auf den Bergen unterwegs, räumt er ein. „Corona wirkt wie ein Brennglas: Es gibt mehr Wanderer, mehr Spaziergänger, mehr Kletterer, mehr Biker.“

„Dabei hat sich das Mountainbiken in den letzten Jahren zum Breitensport entwickelt“, sagt DIMB-Sprecher Hötschel. 3,6 Millionen Menschen würden häufig ein geländegängiges Zweirad nutzen – mit und ohne Batterie. „Der Bedarf an abwechslungsreichen Strecken ist also enorm. Das muss man akzeptieren.“

Der DIMB wünscht sich deshalb eine bessere Zusammenarbeit mit den Gemeinden, den Forstbetrieben bzw. den Waldeigentümern – zum Beispiel, wenn es um bestimmte Trails geht. „Wir müssen auch unseren Jugendlichen etwas Attraktives bieten.“

Fahrtechnik trainieren

Generell sehe man keine gravierenden Probleme zwischen Radlern und Wanderern auf den Wegen, sagt DIMB-Sprecher Hötschel. Er verweist auf die Trail Rules des Vereins – umwelt- und sozialverträgliche Wegeregeln, die das friedliche Miteinander sicherstellen sollen. Anfängern und unsicheren Mountainbikern rät der Zweirad-Experte zu einem Fahrtechniktraining. „Bevor es in die Berge geht, muss ich zum Beispiel genau wissen, wie ich richtig bremse.“

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Was viele Wanderer nicht wissen: Es gibt zahlreiche Disziplinen im Mountainbike-Sport. Der Cross-Country-Fahrer ist gut auf einem breiteren Waldweg unterwegs, der Enduro- oder Downhill-Fahrer sucht anspruchsvolle Abfahrten, dem Dirt-Biker geht es um Sprünge und dem Trialer vor allem um Körperbeherrschung und Balance.

Gleiche Strecke, anderes Tempo

Viele Wanderer sind im Deutschen Alpenverein (DAV) organisiert, viele Mitglieder fahren aber auch gern mit dem Rad in die Berge: „In der Regel ist die Akzeptanz zwischen Wanderern und Radfahrern groß“, sagt Nicolas Gareis, der im DAV Ansprechpartner in Sachen Mountainbiker ist. „Schwarze Schafe gibt es natürlich überall …“

Wie aber lässt sich das Konfliktpotenzial verringern? „Zu Problemen kommt es ja überhaupt nur, weil beide Gruppen die gleichen Strecken nutzen – allerdings mit unterschiedlichem Tempo“, erklärt DAV-Experte Gareis. „Verbote – zum Beispiel, was illegale Trails betrifft – bringen häufig nichts. Für die Akzeptanz von Verboten braucht es attraktive Alternativen an legalen Trails.“

Für Gareis liegt der Schlüssel „in der Fläche. Es müssten mehr Plätze für Mountainbiker geschaffen werden, an denen sie sich ganz unterschiedlichen Herausforderungen stellen können. Übrigens auch im städtischen Raum“. Ein gutes Beispiel sei der Pumptrack, den die DAV-Sektion Ulm angelegt hat.

Harz setzt auf Bikeparks

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Nicht nur in den Alpen ist die gemeinsame Nutzung der Wege für Wanderer und Biker ein Thema. Auch in den niedrigeren Bergregionen sorgt es immer mal wieder für Diskussion. „Der Anteil der E-Mountainbiker hat in letzter Zeit stark zugenommen“, sagt Andreas Lehmberg, stellvertretender Geschäftsführer des Harzer Tourismusverbands.

„Entlastung bringen die fünf Bikeparks, die in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und auf verschiedenen Strecken jede Menge Abwechslung zu bieten haben, sagt Lehmberg. Generell gelte, dass – bis auf wenige Ausnahmen – das Radfahren auf allen Wegen erlaubt sei. „Allerdings hat der Wanderer immer Vorrang.“

Landeswaldgesetz bleibt Ländersache

Das ist nicht überall so: In Rheinland-Pfalz zum Beispiel verbietet das Landeswaldgesetz Mountainbikern das Fahren auf schmalen Wegen, es sei denn, diese sind als Mountainbike-Park ausgewiesen. Auch in Baden-Württemberg ist das Fahrradfahren im Wald auf Wegen unter zwei Meter Breite verboten. Diese Entscheidung soll auch in Zukunft Ländersache bleiben.

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