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Profi gibt Tipps

Streckenplanung, Proviant, Ausrüstung: Worauf Anfänger beim Wandern achten sollten

Eine Wanderin blickt auf einen Gebirgssee. (Symbolbild)

Herr Kuhr, beim Deutschen Wanderverband unterstützen Sie Menschen beim Einstieg in den Wandersport. Für wen eignet sich das Wandern besonders?

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Im Prinzip eignet sich das Wandern für jede und jeden. Trainiert muss man nicht unbedingt sein. Natürlich sollten Einsteiger, die beispielsweise an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, ihre Vorhaben mit einem Arzt abklären. Wichtig ist, dass die Route darauf abgestimmt wird, was man zu leisten in der Lage ist. Da spielen Entfernung und Höhenmeter eine Rolle. Man sollte sich nicht sofort den größten Herausforderungen stellen und sich eher langsam steigern. Denn nicht jeder Wanderweg ist für Wanderneulinge geeignet.

Gibt es eine Faustregel für die Tourenplanung?

Auf ebenen Abschnitten legen Erwachsene 300 Höhenmeter bergauf, 500 Höhenmeter bergab und vier Kilometer durchschnittlich pro Stunde zurück. Für Wanderneulinge ist eine Strecke von 5 bis 10 Kilometer mit leichten Steigungen ein guter Start. Bei Familien mit Kindern müssen die Strecken natürlich angepasst werden. Hier kann als Richtwert das Alter des Kindes mit dem Wert 1,5 multipliziert werden, um die maximale Distanz in Kilometern zu errechnen. Ein Kind im Alter von acht Jahren könnte demnach ungefähr 12 Kilometer am Tag laufen.

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Jens Kuhr vom Deutschen Wanderverband gibt Tipps für Wandereinsteigerinnen und Einsteiger.

Jens Kuhr vom Deutschen Wanderverband gibt Tipps für Wandereinsteigerinnen und Einsteiger.

Was sollte man auf jeden Fall an Equipment dabei haben und was braucht es nicht unbedingt?

Das Schöne am Wandern ist, dass es sehr niederschwellig funktioniert – und das zu jeder Jahreszeit. Genau genommen braucht man normale Sportkleidung und je nach Wetterbedingungen eine Jacke. Ein bisschen Proviant bei längeren Touren sollte nicht fehlen. Bei unwegsamem Gelände rate ich dringend zu komfortablen Wanderschuhen, die die Knöchel und Bänder schützen. So kann die Gefahr von Unfällen verringert werden. Diese sollten vor der ersten großen Wanderung aber eingelaufen sein.

Am Anfang jeder Wanderung steht die Routenplanung. Welche Strecken können Sie für Einsteiger empfehlen?

Es kann sich in jedem Fall lohnen, auch mal Wege jenseits der Hotspots in eher unbekanntem Terrain aufzusuchen. Der Wanderverband Deutschland führt eine Übersicht mit sogenannten „Qualitätswegen Wanderbares Deutschland“ – mit Streckenverläufen und Hintergrundinformationen.

Was zeichnet diese Qualitätswege aus?

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Die Qualitätswege garantieren verlässliche Markierungen, um sich nicht zu verlaufen. Außerdem werden diese Wege nicht langweilig. Dafür sorgen zum Beispiel Landschaftswechsel oder Erlebnispunkte in Form etwa von Fließgewässern oder Steilhängen auf der Route. Außerdem führen diese Wege kaum oder gar nicht auf Asphaltwegen sondern weitgehend auf naturbelassenem Untergrund. Die Qualitätswege gibt es als kurze, thematische und lange Wege, wobei die längeren Strecken in einzelne Etappen unterteilt sind und man nicht gleich den ganzen Weg wandern muss. Übrigens gibt es diese Wege bundesweit.

Erwarten Sie durch das 9-Euro-Ticket einen Boom für die Wanderszene? Möglicherweisen werden die Wanderwege dadurch vielerorts überfüllt sein.

Wir vom Deutschen Wanderverband begrüßen die Einführung des 9-Euro-Tickets sehr. Es ist eine riesige Chance für klimafreundliche Mobilität. Natürlich kann das ein oder andere Problem auftauchen und vielleicht war auch anfangs nicht alles bis zum Ende durchdacht. Aber die Nachfrage von Wandernden nach ÖPNV-Angeboten wird sicher steigen, die Wanderszene ist größtenteils sehr klimabewusst. Und es ist eben sehr wichtig, den CO₂-Ausstoß zu verringern.

Viele Menschen suchen beim Wandern die Verbindung mit der Natur. Für mehrtägige Touren bietet sich die Übernachtung draußen an. Dürfen Wanderer in der Wildnis einfach so ihr Zelt aufschlagen?

Prinzipiell ist es verboten, im Wald zu übernachten. Es gibt jedoch in einigen Gebieten spezielle Areale, in denen ein Camp für eine Nacht aufgebaut werden kann. Dann ist das Übernachten in der Wildnis auch legal. Ein Beispiel dafür ist der Naturpark Frankenwald, wo auf Initiative der bayrischen Staatsforste in Kooperation mit den Kommunen verschiedene Trekkingplätze eingerichtet wurden. Die Plätze liegen alle in der Nähe von Wanderwegen und sind untereinander vernetzt, so dass einem naturnahen Trekking-Aufenthalt nichts mehr im Wege steht. Das gibt es auch in anderen Teilen Deutschlands.

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Tipps für die Streckenplanung

Auf der Übersichtsseite „Wanderbares Deutschland“ finden sich die sogenannten Qualitätswege - Wege, die hinsichtlich Markierungen und Erlebnisfaktors zertifiziert wurden und in kurz und lang untergliedert sind. Viele der kurzen Qualitätswege sind für Wandereinsteigerinnen und Einsteiger gut geeignet. Über die Filterfunktion können die Suchergebnisse nach Schwierigkeitsgrad, Höhenmetern, Strecke und Dauer sortiert werden. Der Deutsche Alpenverein hat zudem einen Gehzeitrechner entwickelt, um die Dauer einer geplanten Tour zu berechnen.

Und wie steht es um das klassische Lagerfeuer?

Das sollte man insbesondere im Sommer aufgrund der hohen Waldbrandgefahr unterlassen. Generell sollten Wanderer die Gefahr von Feuern in der Natur beachten. Da kann schon eine weggeworfene Flasche ausreichen, die sich durch den Brennglaseffekt entzünden kann.

Bleibt nur noch die Frage, ob man lieber allein oder in Gesellschaft losziehen sollte.

Da ist natürlich jeder Mensch unterschiedlich. Studien haben aber gezeigt, dass das gemeinsame Wandern aufgrund des sozialen Aspekts als sehr angenehm empfunden wird und für ein harmonischeres Miteinander sorgen kann. Wer noch einen passenden Wanderpartner sucht, kann als Neuling auch in einem der zahlreichen Wandervereinen in Deutschland nach einer geführten Wanderung suchen. Da gibt es geschulte Wanderführer, die die Tour spannend gestalten und wissen, worauf es als Anfänger ankommt. Wer nicht in einen Verein eintreten mag, kann oftmals auch als Besucher mitlaufen. Zudem wird einem ein großer Anteil der Organisationsarbeit abgenommen.

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