Mieten, Teilen, Abonnieren: Das sind die Optionen zum Wohnmobilkauf

  • Wohnmobile haben in Coronazeiten Hochkonjunktur.
  • Mehr als 78.000 Neuzulassungen im Jahr 2020 stimmen die Branche euphorisch.
  • Doch für einen Campingurlaub muss man nicht gleich ein Wohnmobil kaufen – Miete, Sharing und Abo sind auch Optionen.
Michael Lennartz
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Mehr als 78.000 neu zugelassene Wohnmobile sorgten 2020 für ein weiteres Rekordjahr. Durch die Pandemie wurde der seit Jahren anhaltende Boom bei den rollenden Eigenheimen noch verstärkt. Zahlreiche Neueinsteiger einer eher jüngeren Kundschaft stürzen sich vor allem auf Campingbusse oder kompakte Reisemobile. Aber selbst die sind nicht billig und wegen langer Lieferfristen bis zu einem Jahr ohnehin nicht ad hoc verfügbar. Zudem ist der Gebrauchtwagenmarkt abgegrast. Aber es gibt ja andere Optionen für einen Camping-Urlaub: Mieten, Teilen oder Abonnieren. Was sind die Vor- und Nachteile?

Bei den Vermietern ist zwischen privaten und professionellen Anbietern zu unterscheiden. Letztere verfügen über eine größere Flotte und haben deshalb eher ein Ersatzfahrzeug parat, falls ein Reisemobil kurzfristig wegen eines Unfalls oder Defekts ausfallen sollte. Wer sich bei einem Mietvertrag eine Bereitstellungsgarantie festschreiben lässt, ist da auf der sicheren Seite.

Außerdem haben große Unternehmen wie der ADAC mit einer der größten Reisemobilflotten weltweit, der zur Erwin-Hymer-Gruppe zählende Vermieter McRent oder der Knaus-Tabbert-Ableger Rent-and-Travel meist die neueren Fahrzeuge im Programm, die spätestens nach zwei Jahren ausgetauscht werden.

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Neuer Trend: Wohnmobil-Sharing

Als echte Alternative zu den Vermietern erfreuen sich Sharingportale nach dem Vorbild von Airbnb wachsender Beliebtheit. Was bei Zimmern, Wohnungen und Häusern erfolgreich funktioniert, klappt auch beim Caravaning: Reisemobile privat zur Vermietung anbieten oder von privat anmieten – je nach Blickrichtung. Schnell und einfach im Netz oder via App.

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Hier dominieren zwei Anbieter: das Berliner Portal Paul Camper und das in Bordeaux ansässige Unternehmen Yescapa, das sich selbst als größte europäische Community für Wohnmobil-Sharing bezeichnet, sich verstärkt auf Deutschland als Europas größtem Campingmarkt konzentriert und gerade die Weiterstädter Plattform „Share-a-camper” geschluckt hat. „Mittlerweile bieten wir fast 10.000 Fahrzeuge an”, erklärt Levin Klocker, bei Yescapa Country-Manager für Deutschland.

Sharing-Preise ähnlich wie Miettagessätze

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Preislich scheinen bei den Sharing-Portalen die Tagesmieten, die etwa für einen vergleichbaren Sechs-Meter-Teilintegrierten in der Nebensaison zwischen 80 und 120 Euro betragen, oft nur geringfügig unter den Tarifen der professionellen Vermieter zu liegen. Allerdings ist oft eine komplette Campingausstattung von den Küchenutensilien, über TV und Infotainment bis zu Tisch und Stühlen fürs Freie mit an Bord, was bei gewerblichen Vermietern extra bezahlt werden muss. Deutlich günstiger wird es bei den Plattformen erst bei älteren Fahrzeugen.

Sowohl Yescapa als auch Paul Camper sind reine Vermittler. Der Mietvertrag wird direkt zwischen Mieter und Vermieter geschlossen. Allerdings kontrollieren die Portale alle Bezahlungen, verwalten die Schadensfälle und regeln alle Versicherungsangelegenheiten. Vollkasko ist in der Vermietung eingeschlossen.

Komplettpaket beim Camper-Abo

Auf neues Terrain gewagt hat sich im Corona-Jahr das Münchner Unternehmen Roadsurfer mit der „weltweit ersten Plattform für ein Camper-Abo, die in erster Linie für Langzeitmieter gedacht ist”, erklärt die geschäftsführende Gesellschafterin Susanne Dickhardt. „Ob mehrmonatiger Traumurlaub, Sabbatical oder die ausgiebige Camper-Tour in der Elternzeit, der Bedarf für Abo-Zeiträume von drei, sechs, neun oder zwölf Monaten ist da.”

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Und das Rundum-Sorglos-Paket, das für die Abonnenten geschnürt wird, ist verlockend. Denn mit Ausnahme der Treibstoffkosten sind sämtliche Nebenkosten von der Vollkasko über Verschleiß-, Wartungsarbeiten und Reifenwechsel bis zur Kfz-Steuer in dem monatlichen Obolus eingeschlossen. Der reicht vom einfachen California Kombi für 850 Euro bis zum neu ins Programm aufgenommenen Bürstner-Eliseo-Campervan C540 für 1.850 Euro.

Caravaning als coronakompatible Reiseform

Die 2016 gegründete Marke Roadsurfer ist auch in der klassischen Vermietung aktiv, hat wegen der großen Nachfrage gerade ihre Flotte auf insgesamt 2500 Fahrzeuge an 36 Standorten in acht Ländern aufgestockt, ausschließlich mit Kompaktfahrzeugen. Neben den Klassikern VW California, Mercedes Marco Polo und Ford Nugget werden die größeren Kastenwagen von Westfalia und Bürstner lediglich in der kürzesten Variante mit 5,40 Meter Länge angeboten.

Egal, ob Vermieter, Sharing-Portale oder Camper-Abo, allesamt haben im vergangenen Jahr die gleiche Erfahrung gemacht. Nach einer relativ kurzen Tiefphase im ersten Lockdown wurden sie im Sommer förmlich überrannt. Levi Klocker erzählt gar von einem Tag im Juli mit 15.000 Anfragen – und ist zuversichtlich, dass sich das aktuelle Jahr ähnlich entwickelt: „Weil Caravaning eine coronakompatible Reiseform ist.”

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