Upcycling: Wie Sie die Herbstmode der vorigen Saison aufpeppen

  • Wer möglichst nachhaltig leben möchte, sollte Kleidung so lange tragen, bis sie zerschlissen ist.
  • Wem die Garderobe der vergangenen Saison mittlerweile zu langweilig ist, der kann sie mit wenigen Handgriffen upcyclen.
  • Makramee, sticken, Perlen aufnähen oder Shibori: Wir haben Ideen gesammelt, wie alte Klamotten neuen Glanz bekommen.
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Die Kleiderstange biegt sich schon, doch so recht zufrieden ist manch einer trotzdem nicht, wenn er vor dem Schrank steht. Beginnt die neue Saison, müssen neue Teile her. Dabei besitzt eine Frau in Deutschland im Schnitt 118 Kleidungsstücke, ein Mann 73. So lautet das Ergebnis einer Umfrage der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Und: 64 Prozent der Befragten geben an, wenigstens gelegentlich Klamotten auszusortieren, wenn sie ihnen nicht mehr gefallen – auch wenn das Teil noch lange nicht kaputt ist. Jedes fünfte Kleidungsstück ist zudem eine Schrankleiche, denn getragen wird es so gut wie nie.

Für die Umwelt ist das ein Desaster: Einerseits produzieren wir durch Kleidung, die wir in noch tragbarem Zustand entsorgen, vermeidbaren Müll. Andererseits unterstützen wir mit dem häufigen Kauf von Fast-Fashion-Mode Unternehmen, denen Quantität vor Qualität geht und deren Näherinnen in Schwellenländern unter meist schlimmen Bedingungen arbeiten. Günstige Mode belastet also nicht nur die Kleiderstange, sondern ist auch ethisch fragwürdig.

Wer sich dennoch einen neuen Look wünscht, kann sich die Fahrt in die City oder die Bestellung im Internet sparen. Upcycling lautet die Alternative, also alte Textilien zu neuen Stücken umzuarbeiten oder sie aufzuwerten. Detailreiche Anleitungen dazu bieten viele Blogger kostenfrei auf ihren Webseiten an. Wir stellen Ideen vor, mit denen man der Garderobe des vergangenen Jahres ein neues Aussehen verpasst.

Kleidung bemalen

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Durch Textilfarben erstrahlen alte Kleidungsstücke in neuem Glanz. Viele Farben kann man in der heimischen Waschmaschine benutzen. Alternativ lassen sich Shirts mit Stofffarbe beispielsweise mit einem Pinsel bemalen. Wer dafür eine Schablone benutzt, selbst gebastelt aus Pappe, bekommt Muster oder Figuren mit scharf abgegrenztem Rand hin.

Stoffe batiken oder mit Shibori verzieren

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Dieser Kissenbezug wurde mit der Shibori-Technik gefärbt. © Quelle: Unsplash

Naturfasern eigenen sich zum Batiken. Damit die wirren Muster entstehen, das Kleidungsstück zusammenknautschen und festbinden, erst danach in die Farbe tauchen. Bei dunklen Shirts kann man auf diese Weise mit Bleiche experimentieren. Mit einer anderen Technik aus Japan entstehen filigranere Muster: Solche Shibori-Falttechniken findet man zahlreich im Netz.

Spitze häkeln und an Pullover nähen

Ein alter Pulli lässt sich durch das Anbringen von Spitze zu einem edlen Teil umarbeiten. Dafür zum Beispiel den Rücken V-förmig einschneiden oder den Ausschnitt vergrößern und gekauften Spitzenstoff einnähen. Wer noch ein Hobby für lange, dunkle Winterabende sucht, kann ganz ambitioniert lernen, selbst Spitze zu häkeln oder gar zu klöppeln. Das Arbeiten mit dutzenden hölzernen Klöppeln ist fast schon eine Denksportaufgabe.

Was gegen Pilling hilft

Wer seine Jacke vorsichtig behandelt, kann Pilling wieder loswerden. © Quelle: privat
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Bei kuscheligen Oberteilen ist es oft ein Problem, das Pilling. Die kleinen Knötchen entstehen, wenn lockere Fasern aneinander und am Stoff reiben. So verklumpen sie zu den unansehnlichen Kügelchen, die einst schöne Pullis abgenutzt aussehen lassen. Je nach Schweregrad hilft eine Fusselbürste, eine Bürste oder auch ein Rasierer gegen Pilling. Egal, welche Methode man anwendet: Auf jeden Fall vorsichtig arbeiten, um den Stoff nicht noch mehr zu beschädigen.

Knottechniken für Kleidung

Nur mit einer Schere und etwas Geschick lässt sich aus einem alten Pullover ein neues Teil machen – und zwar mit einer Knotentechnik. Dafür beispielsweise einen langen Pullover (denn bauchfrei ist im Herbst und Winter wohl zu kalt) von unten in Franzen schneiden. Die kann man anschließend nach einer der zahlreichen Knoten- oder Makrameetechniken in fulminante Muster verknoten. Eine Anleitung für Makramee-Einsteiger hat RND-Autorin Jessica Orlowicz erstellt.

Aus alt mach' was Neues

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DIY: Adventskranz schnell selbst gemacht
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Einen Adventskranz muss man nicht kaufen. Man kann ihn auch schnell und einfach selbst drapieren.  © RND/Ina Funk-Flügel

T-Shirts oder Hosen lassen sich natürlich auch zu anderen Dingen umarbeiten. Sie taugen klassischerweise als Taschen, Kissenhüllen oder Patchworkdecke. Das Lieblingsshirt des Kindes kann man zum Beispiel zu einem Stofftier umarbeiten. Und sowieso, die Weihnachtszeit naht: Aus Stoffresten lassen sich 24 Beutelchen für einen Adventskalender nähen.

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Stulpen aus einem Pullover nähen

Wer den Stoff einer Klamotte immer noch ansehnlich findet, aber die Form nicht mehr, kann es umnähen. Aus einem alten Pullover wird so vielleicht ein Rock oder aus einer Jeans eine Handtasche. Die Ärmel von kuscheligen Wollpullovern lassen sich hervorragend zu Stulpen umarbeiten.

Symbole auf die Hose sticken

Gestickte Symbole machen einfarbige Klamotten gleich viel spannender. © Quelle: privat

Ein Herz, eine Blume oder ein Segelboot, das an den vergangenen Sommer erinnert, – solche einfachen Stickereien bekommen auch mit Nadel und Faden Ungeübte fix hin. Für Anfänger empfiehlt es sich, erst einmal den Rückstich zu lernen. Mit ihm kann man sehr gut Linien sticken.

Oberteil im Lagen-Look nähen

Ein schlichtes Oberteil lässt sich mit gemusterten Stoffeinsätzen aufpimpen. Dafür das Oberteil beispielsweise unten mit einem anderen gemusterten Stück Stoff verlängern, oder die Ärmel abschneiden und die eines anderen Kleidungsstücks annähen – und dieses wiederum zu einem Top umarbeiten. Wer es ganz wild mag, näht aus unterschiedlichsten Stofffetzen ein neues Kleidungsstück im Patchworkstil. Bleiben dabei Stücke übrig, kann man sie plakativ auf ein einfarbiges Oberteil nähen.

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Kleidung aus Wolle - Was bedeutet das für die Tiere?
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Wolle ist vor allem für Winterkleidung besonders beliebt. Für die Herstellung von Wollpullovern müssen Schafe allerdings oft auch etwas Haut hergeben.  © RND/Amandine Cormier

Kleidung mit Schleifen aufhübschen

Schleifenband verpasst Kleidungsstücken unkompliziert einen neuen Look. Beispielsweise kann man an einer Stelle der Wahl eine selbst geknotete Schleife auf einen Pullover nähen. Edel sieht das Band aus, wenn es den Pullover über der Schulter zusammenhält. Dafür die Ärmel vom Halsausschnitt abwärts ein wenig auftrennen, je ein Schleifenband an eine der aufgetrennten Stellen annähen und die Bänder anschließend verknoten.

Perlen und Pailetten auf Pullover nähen

Knöpfe, Perlen oder Pailletten kann man mit wenig Aufwand auf Kleidungsstücke nähen. Ein einzelner Knopf setzt einen besonderen Akzent; Pailletten lassen sich beispielsweise zu einem symmetrischen Muster anordnen.

Noch mehr Inspiration bei Pinterest

Wer weitere Upcyclingideen für die Herbst- und Wintergarderobe des vergangenen Jahres sucht, findet sie etwa im Bildernetzwerk Pinterest. Eine andere Variante ist, sich offline inspirieren zu lassen und durch Geschäfte zu streifen – aber nur Ideen und keine neuen Klamotten mit nach Hause zu nehmen.


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