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Der geniale Träumer ist tot: Trauer um Virgil Abloh

Modedesigner Virgil Abloh ist im Alter von 41 Jahren an Krebs gestorben.

Chicago. Die New York Times hat ihn erst im vergangenen Jahr als neuen Modezaren ausgerufen: Virgil Abloh sei „der Karl Lagerfeld für die Generation der Millennials“, schrieb Modekritikerin Vanessa Friedman über das Ausnahmetalent. Doch während Lagerfeld über fünf Jahrzehnte seine Kreativität im Bereich Prêt-à-porter und Haute Couture ausleben konnte und modische Maßstäbe auch abseits von Laufstegen setzte, waren Abloh nicht mal zehn Jahre als Designer vergönnt. Am Sonntag starb der Kreativdirektor der Männerlinie von Louis Vuitton und Begründer des Labels Off-White mit 41 Jahren an einem kardialen Angiosarkom, einer aggressiven Krebsart.

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Zwei Jahre lang hatte Abloh gegen die Krankheit angekämpft – öffentlich gemacht hat er sie nicht. Im Gegenteil: Nach außen hin verfolgte er weiter mit großer Energie seine zahlreichen Projekte in Mode, Kunst und Design.

„Mein Herz ist gebrochen“

Umso größer war der Schock unter Fans und Kollegen über die Nachricht von seinem Tod. „Ich kann es nicht glauben“, schrieb Model Bella Hadid auf Instagram. Abloh habe alles, was er berührte, besser gemacht. Sein Freund und Wegbegleiter Kanye West widmete ihm eine virtuelle Sonntags­messe, Sänger Pharrell Williams gestand, „Mein Herz ist gebrochen“ und würdigte Abloh als „liebenswürdiges, großzügiges kreatives Genie“.

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Justin Timberlake äußerte sich ähnlich: „Du hast der Welt so viel gegeben, in so kurzer Zeit.“ Und für Bernard Arnault, Vorstandsvorsitzender des Luxuskonzerns LVMH, war Abloh „nicht nur ein genialer Designer und Visionär, er war auch ein Mann mit einer schönen Seele und großer Weisheit.“ Pierpaolo Piccioli, Chefesigner für das Label Valentino, schrieb auf Instagram über Ablohs Schaffen: „Er hat die Spielregeln der Mode mit seiner disruptiven Menschlichkeit und Neugierde verändert, und ich bin sicher, all das wird uns weiter begleiten.“

Designer, DJ, Multitalent

Wird es das? Und was machte Ablohs viel gerühmte Genialität aus? Einer seiner letzten Posts auf seinem Instagram-Profil zeigte einen Teller, den er für eine Obdachlosen­hilfsorganisation entworfen hatte: „Life“ steht darauf in schnörkellosen Buchstaben, eingerahmt von drei Rissen. Dieses kleine Kunstwerk zeigt beispielhaft, was den Erfolg dieses Mannes, der Architektur studiert und nie eine Modeschule besucht hat, ausmachte: Er erdachte alltägliche Dinge neu, setzte bei Mode und Produktdesign auf Kommunikation und Inklusion, Schnörkellosigkeit und Bodenständigkeit.

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Pfeile, Worte, Buchstaben machten seine Handschrift aus. Seine Kreativität und sein Gespür für Zeitgeist erstreckten sich nie nur auf Kleidung. Der „King of Collabs“ ging zahlreiche Kooperationen mit Marken ein, entwarf unter anderem eine Soundanlage, Möbel, Teppiche, Trinkflaschen und Fast-Food-Verpackungen. Auch als DJ mit Auftritten in berühmten Clubs war das Multitalent gefragt. Seine Lockdownplaylist aus dem vergangenen Jahr gilt als legendär.

„Für die 17-jährige Version von mir selbst“

Über die Musik kam der Vater von zwei Kindern, der bis zuletzt mit seiner Jugendliebe Shannon glücklich verheiratet war, schließlich auch zur Mode. Bevor er Ende 2013 sein Label Off-White in Mailand gründete, war er viele Jahre Kreativdirektor von Rapper Kanye West. Off-White symbolisiert im besten Wortsinn die Farbe zwischen Schwarz und Weiß. Zwar lehnte Abloh den Begriff Streetwear ab, doch das Label steht für Mode von der Straße und Ablohs Ansatz dafür „Design als demokratischen Prozess“ zu sehen, „bei dem Realität und Menschlichkeit einfließen“.

Der Hype um die Marke und die außerordentliche Beliebtheit bei jungen Menschen bescherten Abloh 2018 den einflussreichen Posten als Kreativdirektor der Menswear bei Louis Vuitton. Ein schwarzer US-Amerikaner an der Spitze eines altehrwürdigen europäischen Luxuslabels – das kam einer kleinen Revolution im Fashionolymp gleich. Seine erste Show war inspiriert vom „Zauberer von Oz“ und verriet den Träumer hinter dem nach außen auf klare Linien und kühlen Minimalismus bedachten Modearchitekten: „Alles, was ich tue, ist für die 17-jährige Version von mir selbst“, sagte er einmal.

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Als Genie sah er sich nicht, aber als Vorbild: „You can do it too“, postete er nach seiner allerersten Modenschau für Louis Vuitton. Es ihm nachzutun, dazu ermutigte auch die US-Poetin Amanda Gorman in den sozialen Medien als Reaktion auf den Tod des Idols: „Lasst uns neue Bilder malen, wo die alten ausgelöscht wurden.“

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