Tim Raue beleidigt die Currywurst: Zu Recht?

  • Currywurst geht immer! Oder nicht? Sterne-Koch Tim Raue macht uns die beliebte Mahlzeit zumindest gerade ziemlich madig.
  • Der Berliner Gastronom behauptet, Currywurst grenze an Körperverletzung.
  • Wir haben bei einer Ernährungsexpertin nachgehakt.
Alice Mecke
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Die Currywurst – kaum ein anderes Gericht polarisiert so sehr wie die zerhackte Brühwurst. Der 70. Geburtstag wurde zelebriert, als wäre er ein Nationalfeiertag, sie wird besungen und ausgezeichnet, findet ihren Platz in Spielfilmen und wird mit langen Schlangen vor Currywurstbuden mitunter mächtig gehypt. Die Currywurst ist und bleibt eines der Lieblingsgerichte der Deutschen, so viel steht fest, trotzdem ist sie zunehmend in Verruf geraten.

Zuletzt hat der Berliner Star- und Fernseh-Koch Tim Raue über sie hergezogen: Currywurst grenze an Körperverletzung, behauptete er in einem Interview mit der Berliner Boulevardzeitung „B.Z.“. Raue ist außerdem der Meinung, dass in Currywürsten kein Fleisch mehr steckt und dass wir Deutschen uns, so wörtlich, „beschissen“ ernähren würden. Aua – so viel Kritik an einem so beliebten Essen?

Tim Raue hat recht - zum Teil

„Als Ernährungsberaterin muss ich ihm damit recht geben“, sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. „Ich verstehe, was Tim Raue meint, wenn er behauptet, die Currywurst sei Körperverletzung, denn sie hat keinerlei positive Auswirkungen auf die Gesundheit.“ Denn eigentlich glänzt die Currywurst – im wahrsten Sinn des Wortes – vor allem durch ihren hohen Fettanteil. „Der Anteil gesättigter Fettsäuren in der Currywurst ist schon bedenklich hoch, außerdem liefert sie kaum Nährstoffe“, sagt Gahl.

Gesättigte Fettsäuren bezeichnet die Ernährungswissenschaftlerin als sehr „ungünstig“, denn sie können sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Besser seien ungesättigte Fettsäuren, die sich in Raps- oder Walnussöl finden. „Auch fettreicher Fisch wie Makrele, Lachs, Hering oder Thunfisch ist reich an ungesättigten Fettsäuren und damit schon eher eine Alternative zur Currywurst“, erklärt Gahl.

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Die Häufigkeit macht's

Aber setzen wir uns einem so krassen Gesundheitsrisiko aus, wie Tim Raue uns weismachen will? Auf die Menge kommt es an: „Wer ab und an eine Currywurst isst, setzt sich keinem gesundheitlichen Risiko aus – es spricht nichts dagegen, mal eine Currywurst zu essen. Da geht es um Genuss.“ Und der darf nicht zu kurz kommen, den Gedanken teilt auch die Ernährungsexpertin. Dennoch, gutheißen kann Anja Gahl das beliebte Wurstgericht nicht so recht: „Auch weil weniger Fleisch dem Klima guttun würde.“

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Belassen könnte man es dennoch bei bei der Faustregel „ab und an“, oder in Zahlen ausgedrückt: höchstens 600 Gramm pro Woche. So viel empfiehlt zumindest die DGE in ihren zehn Regeln für vollwertiges Essen und Trinken. Eine Currywurst wiegt knapp 180 Gramm, das macht 3,3 Currywürste die Woche.

Statt Wurst: Keine Schokolade und selber kochen

Raue verrät im Interview übrigens auch, was statt „Industrie-Scheißfraß“ auf seinen Teller darf: Salat, wahlweise mit Avocado, Tomaten und Büffelmozzarella. Und er versucht, für sechs Wochen auf Schokolade zu verzichten. „Streber“, dürften nun die Currywurstliebhaber murmeln, denn auch einen weiteren Tipp des Berliner Kochs unterschreiben Ernährungsexperten sofort: Lieber das Essen frisch und selber kochen, statt Snacks und Fertiggerichte zu kaufen.

Und nun steht man, wie so oft heutzutage, vor der Frage: Vernunft oder Genuss? Möglicherweise ist Tim Raues Ansicht über die Currywurst ein Denkanstoß, oder man hört einfach mal auf sein Bauchgefühl.

RND/Alice Mecke