Naschen, testen, Verpackungen öffnen: Was im Supermarkt erlaubt ist – und was nicht

  • Im Supermarkt gilt in Deutschland vielerorts beim Einkaufen die Maskenpflicht – wer sich nicht daran hält, kann vor die Tür gesetzt werden.
  • Doch es gibt zahlreiche weitere Regeln, an die sich die Kundinnen und Kunden halten müssen.
  • Ein Rechtsexperte von der Verbraucherzentrale Thüringen erklärt, was im Supermarkt erlaubt ist – und was nicht.
Katrin Schreiter
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Erfurt. Sind die Trauben sauer? Ist die Mango weich? Und wie riecht eigentlich das Deo? Viele Kundinnen und Kunden glauben, sie seien im Supermarkt in jeder Hinsicht ein König. Doch zahlreiche vermeintliche Selbstverständlichkeiten sind aus juristischer Sicht schlicht verboten. Ralf Reichertz, Rechtsexperte bei der Verbraucherzentrale Thüringen, klärt über die Regeln im Supermarkt auf.

Knuspern und probieren

Ins unbezahlte Brötchen beißen, die Gummibärchen schon vor der Kasse aus der Tüte angeln? Verboten! „Ist die Ware noch nicht bezahlt, gehört sie dem Supermarkt. Wer das Brötchen schon probiert oder die Gummibärchen schon nascht, begeht genau genommen Diebstahl“, sagt Ralf Reichertz.

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Auch in der Obst- und Gemüseabteilung die eine oder andere Beere zu kosten, sei nicht erlaubt. „Die meisten Supermärkte sind in solchen Fällen kulant“, weiß der Jurist. Doch wenn der Händler darauf bestehen würde, müsste der Kunde die verzehrte Ware bezahlen. Hingegen sei es in Ordnung, den Reifegrad von Früchten wie Pflaumen oder Mangos durch vorsichtiges Betasten zu prüfen. „Die Ware darf dabei natürlich nicht beschädigt werden!“

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Bruch und Scherben

Ups! Nur kurz unaufmerksam gewesen – und schon ist die Saftflasche aus der Hand gerutscht … Ach, nicht so schlimm, das zahlt der Supermarkt aus seiner Portokasse! „Falsch! Kunden müssen alle Schäden ersetzen, die sie im Supermarkt verschulden“, erklärt Rechtsexperte Reichertz.

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Tipp: Geht es um hohe Summen, springt die private Haftpflichtversicherung ein. „Wenn aber die Ware beispielsweise im Gang abgeladen wurde und so im Weg stand beziehungsweise wenn sie wackelig gestapelt wurde, kann der Kunde nicht belangt werden.“ Das sei häufig eine Einzelfallentscheidung.

„Beschädigen Kinder die Waren im Supermarkt, haften die Eltern nur, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben“, erklärt Reichertz. „Das kann juristisch eine schwierige Frage sein. Einen Einfluss haben unter anderem das Alter des Kindes und die Frage, ob die Eltern das hätten vorhersehen können. Je jünger das Kind, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Schaden an den Eltern hängen bleibt.“

Verpackungen öffnen

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Erst mal sehen, ob mir das Teil gefällt: Verpackung auf… Nö!… Verpackung zu. Oder verpflichtet das etwa zum Kauf? „Nein“, sagt Verbraucherschützer Reichertz. „Wichtig ist allerdings, dass die Verpackung vorsichtig aufgemacht und wieder verschlossen wird. Auch sie darf nicht beschädigt werden.“

Und wie verhält es sich mit den Eierverpackungen? „Selbstverständlich dürfen die Kunden den Karton öffnen, um nachzusehen, ob die Eier nicht kaputt sind. Allerdings ist es nicht gestattet, kaputte Eier auszutauschen“, so Reichertz. Hintergrund: Jeder Eierkarton hat eine Chargennummer, die Informationen unter anderem zu Größe und Lagerung der Eier enthält. Außerdem lässt sie Rückschlüsse auf Erzeuger und Packstation zu.

Wie bezahlen?

Ich hätte es auch ganz klein… klimper-klimper. Muss an der Kasse akzeptiert werden, wenn Kunden und Kundinnen mit vielen Münzen bezahlen wollen? „Das kommt darauf an“, sagt Rechtsexperte Reichertz. „Grundsätzlich ist Kleingeld ein gesetzliches Zahlungsmittel, das in Supermärkten in zumutbarem Rahmen akzeptiert werden muss. Allerdings ist im Einzelhandel niemand verpflichtet, pro Zahlung mehr als 50 Münzen anzunehmen.“

Und wie sieht es mit einem großen Schein für – zum Beispiel – ein kleines Brötchen aus? „Grundsätzlich gelten alle gesetzlich zugelassenen Euroscheine als Zahlungsmittel“, weiß Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen. „Dennoch dürfen die Händler die Annahme dieser Scheine verweigern, wenn die Bezahlung mit einem solchen Schein nicht im Verhältnis zum Kaufpreis steht.“

Waren umtauschen

Oh, das Falsche gekauft… Das kann ja unproblematisch umgetauscht werden, oder? „Nein“, sagt Rechtsexperte Reichertz. „Der Kunde hat keinen Anspruch auf Umtausch oder Erstattung. Denn bei Käufen im stationären Handel besteht kein gesetzliches Widerrufsrecht.” Viele Supermärkte würden sich jedoch kulant zeigen.

Und wenn die Ware verdorben oder kaputt ist? „Eine Frage der Gewährleistung“, meint Reichertz. „Dann kann die Ware ersetzt oder repariert werden. Das kann der Kunde wählen. Ist seine Wahl dem Händler nicht zuzumuten, kann dieser die andere Variante verlangen. Erst wenn beides nicht möglich ist, oder sich nicht umsetzen lässt, muss der Kaufpreis erstattet werden.”

Übrigens: Auch die Einkaufswagen und Körbe dürfen nicht ungefragt mit nach Hause genommen werden. „Sie sind Eigentum des Supermarkts und dürfen nicht außerhalb des Geländes verwendet werden.“ Der falsch verstandene Anspruch mancher Kunden kommt den Händlern teuer zu stehen: Nach Angaben des Handelsverband HDE summiert sich der Schaden für einzelne Händler auf mehrere Tausend Euro im Jahr.

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