Kein Personal und 24 Stunden geöffnet: Sieht so der Supermarkt der Zukunft aus?

  • Selfscan-Terminals werden bereits in vielen Geschäften getestet.
  • Doch ein Supermarkt in Thüringen geht noch einen Schritt weiter: Er verzichtet vollständig auf Verkäufer.
  • Mittels Kundenkarte und PIN haben die Bewohner des Örtchens Altengottern rund um die Uhr Zugang zum Markt.
Michèle Förster
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Rund um die Uhr einkaufen gehen in einem Markt ohne Mitarbeiter: Im thüringischen Altengottern ist das keine Zukunftsvision mehr. Denn das beschauliche Dorf, etwa 50 Kilometer von Erfurt entfernt, beherbergt den ersten 24 Stunden zugänglichen Supermarkt, der vollständig ohne Verkaufspersonal auskommt.

Zugang nur mit Kundenkarte

Von außen sieht “Emma’s Tag und Nachtmarkt” wie ein gewöhnlicher Supermarkt aus. Doch in Wahrheit ist es Deutschlands erster voll digitalisierter Dorfladen. Obst und Gemüse, haltbare Lebensmittel, Wurstwaren aus der lokalen Fleischerei, Brot und Brötchen vom Bäcker aus dem Nachbarort und Drogerieartikel werden bei “Emma’s” angeboten.

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Die mehr als 1200 verschiedenen Artikel sind für die Dorfbewohner rund um die Uhr zugänglich. Wer den Markt betreten will, braucht dafür allerdings eine Kundenkarte, die online beantragt werden kann. Nur mit dieser und einer PIN öffnen sich die Türen. Auch der Bezahlvorgang ist digitalisiert: Am Ausgang müssen die Kunden ihre Artikel selbst scannen und mit der EC-Karte bezahlen.

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Ware ist digital gegen Diebstahl gesichert

Der Supermarkt kommt dabei nahezu ohne Personal aus. Verkäufer gibt es keine, nur einmal am Tag kommt jemand, um die Regale aufzufüllen. “Wir mussten eine Technik entwickeln, die mehreren Komponenten Rechnung trägt”, sagte Geschäftsführer Mario Demange dem Deutschlandfunk. “Einmal so wenig wie möglich Personal. Dann: Veränderte Öffnungszeiten sind heutzutage sehr wichtig durch die veränderte Arbeitswelt. Der mussten wir Rechnung tragen, dass Sie 24 Stunden, sieben Tage die Woche einkaufen können.”

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Um sich gegen Diebstahl abzusichern, verfügt der Markt über ein Kamerasystem. Zusätzlich sind die Artikel mit RFID-Chips versehen. Das Überwachungssystem registriert über dieses elektronische Etikett jeden Artikel, der den Laden verlässt. Zusammen mit der Videoüberwachung sollen so Diebstähle verhindert werden. Außerdem fungieren die Chips wie ein automatisches Bestandssystem: Verkaufte Artikel werden registriert und können automatisch nachbestellt werden.

Ein Konzept mit Zukunft?

Im Februar hat “Emma’s Tag und Nachtmarkt” seine Türen für registrierte Kunden geöffnet. Seitdem ist er gut besucht. Ein digitaler Markt wie dieser könnte auch in anderen ländlichen Gebieten in Deutschland die Lebensqualität erhöhen. Denn häufig lohnt sich das Betreiben von Einkaufsmärkten in schwach bevölkerten Regionen nicht. “Wir hatten mal einen kleinen Markt vor etlichen Jahren, der aber dann aufgrund der Situation, der Personalkosten und so weiter, nicht mehr tragbar war für den privaten Inhaber”, erklärt auch Jan Tröstrum, der Bürgermeister von Altengottern, gegenüber dem Deutschlandfunk.

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Über Förderprogramme der Europäischen Union für den ländlichen Raum und mithilfe der Gemeinde konnte das futuristische Einkaufskonzept in Thüringen realisiert werden. Geschäftsführer Demange sieht seinen Digitalmarkt daher auch als Anschauungsmodell. Bürgermeister und Landräte könnten sich so vor Ort davon überzeugen, wie Supermarkt 2.0 im ländlichen Raum funktioniert.

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