No Vodka, No Gin, No Whiskey: Warum die Generation Z heute gern nüchtern bleibt

  • Ersetzt das Wasser mit Zitrone bald den halbtrockenen Wein zum Abendessen?
  • Wer sich in den sozialen Medien umschaut, gewinnt zumindest den Eindruck.
  • Unter den Namen „Liquid Evolution“ und „Sober Curious“ sind offenbar Nüchternheitsbewegungen im Kommen.
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Wir leben eben in einer pluralistischen Gesellschaft – das spiegelt sich auch in Deutschlands Nachtleben wider. Seit vor rund anderthalb Jahren das „Zeroliq” eröffnete, nach eigenen Angaben die erste alkoholfreie Bar hierzulande, trennt in Berlin nur eine Hausnummer manch rauschhaften Konsum von bewusstem Verzicht: Hier gilt es als hippes Statement, von herkömmlichem Craftbier und Spitzenweinen auf entalkoholisierte Pendants umzusatteln.

Nur wenige Monate nach Eröffnung des alkoholfreien Nachtlebens veröffentlichte Ernährungswissenschaftlerin und Trendforscherin Hanni Rützler ihren Foodreport für das Jahr 2021 – und prognostizierte darin ebenfalls eine Nüchternheitsbewegung, getrieben von der Generation Z, also der Jugendlichen, die zwischen 1997 bis 2010 zur Welt gekommen sind. Ein ganzes Kapitel widmete sie denjenigen, die auf Saft, Mocktails und Infused Water statt Sekt, Cocktails und Bier setzen. Ein Trend, der in der Branche als Liquid Evolution bezeichnet wird.

„Sober Curious“ – eine Bewegung der hippen Generation Z

Fakt ist: In den USA, wo die Bewegung auch „Sober Curious“, also „nüchtern neugierig”, genannt wird, ist der Trend kein neues Phänomen. „All die Produkte, die damit zusammenhängen, gibt es schon lange”, bestätigt Ernährungswissenschaftler und Buchautor Uwe Knop (aktuell: „Dein Körpernavigator zum besten Essen aller Zeiten”). Allerdings fokussiere das wirtschaftliche Konzept dahinter immer häufiger die Generation Z. „Jüngere inspirieren sich gegenseitig in sozialen Medien dazu, Foodtrends mitzumachen und nachzuahmen.”

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Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider. Bei Instagram ist der Anteil an Nutzerinnen und Nutzern unter 23 Jahren geringer als bei Tiktok: Unter dem Hashtag #sobercurious finden sich auf Instagram „nur” 237.000 Beiträge. Bei Tiktok sind es 8,2 Millionen. „Es ist mit Sicherheit ein Trend der Generation Z”, sagt Knop. Menschen im Alter ab 40 hätten „keinen großen Drang, Infused Water zu trinken” – und wenn doch, dann ist es für sie wohl eher ein Wasser mit einem Schuss Zitrone, einem Scheibchen Ingwer oder einem Blatt Minze. Hier seien noch immer vorrangig Klassiker wie Bier, Wasser und Schorle die Getränke der Wahl.

Dabei ist eine Bewegung für Alkoholverzicht den älteren Generationen im Prinzip nicht neu. Phasen, in denen alkoholfreie Alternativen beliebt waren, gab es immer wieder: Was heute Sober Curiosity genannt wird, hieß in den 80ern Straight Edge. Auch Initiativen wie den Dry January oder den Sober October – also Monate in denen Teilnehmende bewusst auf Alkohol verzichten – gibt es schon seit einigen Jahren. „Letzten Endes schwappt alles immer wieder an die Oberfläche”, erklärt Knop und fügt hinzu: „Es wird immer ein Teil der Bürger etwas Neues mögen und ein anderer nicht.”

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Nüchtern und neugierig: Wie gesund ist die „Sober Curious“-Bewegung?

Laut Foodreport 2021 machen vor allem Rezepte und Techniken, die das Thema Gesundheit fokussieren, Eindruck – ganz gleich, ob es dabei um den eigenen Körper oder die Umwelt geht. Rützler ist sich sicher: Je jünger die Zielgruppe, desto bewusster bewertet und konsumiert sie Lebensmittel. Daher bewege sich der Trend hin zu „funktionellen” Getränken, beispielsweise Coffbucha, einem Mix aus Kaffee und Kombucha mit vielen Probiotika.

Dass sich die Ernährung tatsächlich positiv auf Körper und Geist auswirkt, scheint jedoch keine Voraussetzung für solche Bewegungen. „Per se lässt sich nicht sagen, ob irgendein Infused Water gesünder ist als ein Glas Cola, nur weil ein Getränk Zucker enthält und das andere nicht“, sagt Knop. Aus seiner Sicht geht es bei der Liquid Evolution deshalb vor allem um Abwechslung: „Sowohl die Hersteller als auch die Verbraucher haben Spaß daran, Neues zu kreieren.“

So ist es auch zu erklären, dass der Liquid-Evolution-Gedanke bislang längst nicht überall gezündet hat. Während in Großstädten eine Smoothie- oder Saftbar nach der nächsten eröffnet, ist die Suche nach modernen, hippen Drinks in ländlichen Regionen deutlich komplizierter: „Wenn Sie aufs Dorf gehen, werden Sie all diese Getränke nur im kleinen Rahmen finden”, sagt Buchautor Knop.

Ernährungswissenschaftler zur Nüchternheitsbewegung: „Es gibt nicht nur die eine Wahrheit“

Wenngleich es die Jugendlichen sind, die für die Liquid Evolution stehen, sind sie sich in der Alkoholfrage offenbar längst nicht einig: Laut neuesten Daten des Statistischen Bundesamts ist die Zahl der wegen Alkoholvergiftung eingelieferter Jugendlicher hierzulande seit 2012 zwar um mehr als 20 Prozent zurückgegangen – doch die Zahlen bewegen sich verglichen mit den frühen 2000ern noch immer auf einem deutlich höheren Niveau.

Denn bei aller Leidenschaft für kreative und gesunde Drinks kommen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auch immer wieder Trends mit Alkohol auf, betont auch Uwe Knop: „Alkopops gab es ja auch früher schon, jetzt schwappt Hard Seltzer aus den USA nach Europa.” Hard Seltzer – übersetzt „hartes Sprudelwasser” – sind Getränke mit kohlensäurehaltigem Wasser und Alkohol, versetzt mit Fruchtgeschmack. „Es ist wie immer: Es gibt nicht nur die eine Wahrheit”, resümiert Knop. Am Ende kommt es für den Ernährungswissenschaftler vor allem auf zwei Fragen an: „Schmeckt mir, was ich trinke? Und mit welcher Intensität trinke ich es?” Da sei es erst mal nebensächlich, ob die Getränke Alkohol enthielten – oder nicht.

Auf den Geschmack gekommen? Wer den alkoholfreien Liquid-Evolution-Trend ausprobieren will, findet hier zwei Rezepte für erfrischende, sommerliche Drinks.

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Alkoholfreie Sangria zubereiten: So geht’s

Die Grundlage des beliebten Sommergetränks bilden die Trauben. 600 Gramm einer dunklen Sorte, beispielsweise Concord, genügen für eine große, etwa 1,5 Liter fassende Karaffe. Zusätzlich benötigen Hobbyköchinnen und -köche 500 Milliliter Kombucha-Tee und 60 bis 70 Gramm frisch gepressten Orangensaft sowie Eiswürfel. Dann fehlen noch die Früchte: Hier eignet sich zum Beispiel eine Kombination aus einer Orange, einem Pfirsich, einer halben Zitrone, 250 Gramm Erdbeeren, einer Pflaume und einem Apfel. Abgerundet wird der Geschmack durch vier Zimtstangen.

So geht’s:

Im ersten Zubereitungsschritt müssen die Weintrauben entsaftet werden, entweder mit einem Entsafter oder im Kochtopf. Ziel sind etwa 250 Gramm Traubensaft. Ist die benötigte Menge erreicht, wird eine Orange halbiert, geschält und gepresst, sodass dabei etwa 60 bis 70 Milliliter Orangensaft entstehen.

Anschließend wird das Obst je nach Belieben in kleine Stückchen oder Scheiben geschnitten und gemeinsam mit dem Traubensaft und 500 Milliliter Kombucha-Tee in eine große Karaffe gefüllt. Der alkoholfreie Sommerdrink gehört dann für etwa zwei Stunden mit Klarsichtfolie abgedeckt in den Kühlschrank. Für intensiveren Fruchtgeschmack lassen sich die Obststückchen mit einem Holzlöffel noch etwas ausdrücken. Mit Eiswürfeln servieren.

So machen Sie eine Gurken-Sellerie-Limettenlimonade selbst

Sie sieht aus wie ein Mojito – schmeckt aber anders: Eine selbstgemachte Limonade aus Gurken, Sellerie und Limetten ist nicht nur gesünder als ihr alkoholischer Doppelgänger, sondern mindestens genauso erfrischend. Wer Lust auf das kühle, leichte Getränk für heiße Sommertage hat, braucht zunächst eine Gurke, vier Stangen Sellerie sowie zwei Limetten. Für die nötige Süße empfiehlt es sich, zwei Teelöffel Zucker hinzuzugeben. Dann fehlen nur noch zwei Stiele Minze und Eiswürfel sowie eine Flasche Mineralwasser mit Kohlensäure.

So geht’s:

Als Erstes die Gurke waschen und in Streifen schneiden. Danach die Selleriestangen von Unreinheiten befreien, abtrocknen und in der Mitte durchschneiden. Um den Saft zu gewinnen, müssen die Gemüsestückchen nun ausgepresst werden – entweder mit einem Entsafter oder als Alternative im Topf, nachdem sie kurz mit wenig Wasser aufgekocht wurden.

Dann folgen die Limetten: abwaschen, trocknen, in Achtel schneiden und auf zwei Gläser aufteilen. Dazu kommt jeweils ein Teelöffel Zucker. Wie beim Mixen von Caipirinha- oder Mojito werden dann die Limetten mit einem Stößel zerdrückt. Der austretende Saft wird mit dem Gurken-Sellerie-Saft vermengt, anschließend kommen Eiswürfel und Minzblätter hinzu – und fertig ist die alkoholfreie Alternative.

Tipp: Falls Sie den Saft nicht direkt verbrauchen, lagern Sie ihn kühl in einem verschließbaren Gefäß. Ansonsten oxidiert er schnell und wird braun.

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