Sneaker-Hype – auf leisen Sohlen zum Statussymbol

  • Lässig, bequem und begehrt: Sneaker boomen auch im Jahr 2021 – nicht zuletzt dank der Corona-Krise.
  • Die lässigen Treter sind für manche Menschen mehr als nur ein Alltagsschuh: Im Netz werden hochpreisige Raritäten wie Aktien gehandelt.
  • Der Sneaker-Hype nimmt dabei außergewöhnliche Dimensionen an: Zuletzt sorgten Modelle mit Menschenblut und Weihwasser in den Sohlen für Aufsehen.
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Kaum ein Schuh ist über Jahrzehnte zu einem so wichtigen Objekt der Popkultur geworden wie der Sneaker. Schon in den 1950er-Jahren ließ sich Jugendidol James Dean mit einem Modell ablichten. Jahrelang wurden die Treter eher zu lässigen Looks getragen, doch heute gibt es fast kein Outfit, zu dem Sneaker nicht passen. Inzwischen wählen Frauen sogar zum Sommerkleid hohe Sneaker – und Männer können passend zum Anzug Hybridmodelle tragen. Sie bieten den Komfort einer Sneakersohle, haben aber das Obermaterial eines klassischen Budapesters.

Trendexpertin: „Sneaker verjüngen einen Look“

Mittlerweile sind Sneaker auch generationenübergreifend im Trend. Die Zielgruppe waren einst zwar vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, doch nun tragen immer mehr ältere Menschen die Schuhe. „Sneaker sind sehr komfortabel, flexibel und verjüngen einen Look. Menschen haben sich sehr an den Komfort von Sneakern gewöhnt“, erklärt Claudia Schulz, Trendexpertin beim Deutschen Schuhinstitut. Dieser Trend zur „Casualisierung“, also zu lässigen und bequemen Kleidungsstücken, werde durch die Corona-Pandemie beschleunigt. „Durch die Corona-Pandemie sind viele Anlässe ausgefallen. Der Business-Schuh für den Mann und die Pumps für die Frau wurden sozusagen mit in den Lockdown geschickt“, betont sie.

Neben Komfort legen Käuferinnen und Käufer bei Schuhen aber zunehmend auch auf Nachhaltigkeit und Herkunft Wert. Können Sneaker, die vorwiegend in fernöstlichen Ländern produziert werden, mit ihrer Kunststoffsohle mit diesem Trend überhaupt noch mithalten? Schulz geht nicht davon aus, dass der vegane Schuh den Sneaker-Hype so schnell verdrängen wird. Selbst vegane Sneaker können sich ihrer Ansicht nach noch nicht flächendeckend durchsetzen. Das liege nicht zuletzt auch am Preis der Ökoschuhe: „Jeder will Nachhaltigkeit, aber nicht jeder kann oder will dafür zahlen“, sagt Schulz.

Wiederverkauf von Sneakern: Das lukrative Geschäft der Reseller

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Die Zahlungsbereitschaft für hochpreisige Sneaker-Raritäten im Netz ist dagegen offenbar groß. Denn Sneaker sind für einige Menschen kein Alltagsschuh, sondern ein Statussymbol. Wenn Stars wie Model Kendall Jenner und Rapper Kanye West neue Modelle tragen und ein Bild davon auf ihren Social-Media-Profilen teilen, sind die Schuhe oft innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Häufig landen sie zuerst in den Händen der sogenannten Reseller: Sie sind stets auf der Suche nach seltenen und gefragten Luxus-Sneakern, die sie dann auf diversen Plattformen wiederverkaufen – und zwar für Summen, die deutlich über dem ursprünglichen Verkaufspreis liegen.

Philipp Kassel verkauft seltene Sneaker. Er hat 2017 im Alter von 23 Jahren sein Business „7 Perplex“ gegründet und mit seinen hochpreisigen Raritäten seitdem viele Kundinnen und Kunden gewonnen. © Quelle: Philipp Kassel

Einer dieser erfolgreichen Händler ist Philipp Kassel. Er hat 2017 im Alter von 23 Jahren sein Business 7 Perplex gegründet und mit seinen hochpreisigen Raritäten seitdem viele Kundinnen und Kunden gewonnen, darunter auch Prominente wie den Rapper Kay One und Sänger Pietro Lombardi. Gerade in Zeiten von Social Media sei der Sneaker-Hype noch größer geworden, sagt der Experte: „Sneaker sind zu einem Statussymbol geworden: Oft höre ich von meinen Kunden, dass sie einen bestimmten Schuh haben wollen, den sie zuvor auf Instagram gesehen haben.“ Kassel vergleicht den Ansturm auf seltene Sneaker mit der Leidenschaft, die einige Menschen für Autos, Uhren oder alte Weine hegen.

Nicht alle seiner Kundinnen und Kunden zahlen jedoch so viel Geld für die seltenen Modelle, um sie anschließend zu tragen: „Manche sammeln die Schuhe und stellen sie bei sich zu Hause aus. Sie haben teilweise schon so viele Schuhe, dass sie einen eigenen Laden eröffnen könnten“, sagt Kassel. Im Onlineshop von 7 Perplex reichen die Preise der Modelle meist von einigen Hundert bis tausend Euro.

1,8 Millionen Dollar: Kanye West versteigert Sneaker für Rekordsumme

In den vergangenen Jahren wurden aber auch schon deutlich höhere Summen für extrem seltene Paare gezahlt. 2011 zahlten Sammler für den Nike Air Mag 21.000 Euro, der im Film „Zurück in die Zukunft“ vom Schauspieler Michael J. Fox in seiner Rolle als Marty McFly getragen wurde. Und erst vor Kurzem versteigerte Kanye West ein von ihm designtes Paar für eine Rekordsumme: Die Investmentplattform Rares zahlte bei einer Auktion 1,8 Millionen Dollar für den Sneaker „Nike Air Yeezy 1″, den der Rapper 2008 bei den Grammys trug.

Wo viel Geld im Spiel ist, versuchen auch Kriminelle ihr Glück. Das Verlangen nach einem seltenen Sneaker verleitet Interessierte nicht selten dazu, beim nächstbesten Angebot im Internet sofort zuzuschnappen. Dabei können sie im schlimmsten Fall aber eine Fälschung erwischen. „Die Fälschungen werden von Jahr zu Jahr besser – und sind für Laien oft kaum vom Original zu unterscheiden“, betont Kassel. Der Sneaker-Experte kann sie dank seiner Expertise jedoch entlarven und wurde deshalb zuletzt sogar von einem Richter für einen Fall als Sneaker-Sachverständiger bestellt.

„Satan Shoes“: Nike klagt wegen Sneaker-Modell mit Menschenblut in den Sohlen

Außergewöhnliche Sneaker sorgten jüngst immer wieder für Schlagzeilen – nicht nur wegen ihrer hohen Preise. Anfang 2021 hatten die sogenannten „Satan Shoes“ großes Aufsehen erregt, weil in der Sohle der Schuhe ein Tropfen Menschenblut enthalten sein soll. Außerdem wurde der schwarz-rote Sneaker mit der „Zahl des Teufels“ 666 bestickt. Bei diesem Modell handelte es sich um eine Modifikation des Sneakers „Nike Air Max 97″ vom US-Künstlerkollektiv Mschf. Das Team kreierte zuvor aus dem gleichen Schuh die „Jesus Shoes“, deren Sohle mit Weihwasser gefüllt waren. Der Hersteller Nike zeigte sich wegen des „Satan Shoes“ empört und klagte gegen das Kollektiv. Ging der Sneaker-Hype hier zu weit? „Ich befürworte die Kunstfreiheit, aber mit den ‚Satan Shoes’ wurde meiner Meinung nach eine rote Linie überschritten“, sagt Sneaker-Experte Kassel.

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