Sonnenschutz: Darauf kommt es bei Sonnencremes an

  • Im Sommer sollte man unbedingt an Sonnenschutz denken – denn ein Sonnenbrand schadet der Haut enorm.
  • Experten erklären, was wirklich davor schützt.
  • Die Creme-Faustregel lautet: Drei Esslöffel Sonnencreme für den Körper, einen Teelöffel für das Gesicht.
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Stuttgart/Berlin. Sommer, Sonne – Sonnenbrand. Wer im Urlaub oder beim Ausflug an den Badesee nicht aufpasst, verbrennt sich schnell mal die Haut. Besser also, man schützt sich. Aber wie?

Grundsätzlich tut die Sonne Menschen gut: Sie sorgt dafür, dass der Körper das lebenswichtige Vitamin D bildet. Ihre Wärme ist wohlig und die Haut produziert den Farbstoff Melanin, der sie schützt und braun werden lässt. Doch irgendwann wird es zu viel. „Diesen Umbruch merken wir nicht“, sagt der Hautarzt Heiko Grimme vom Hautzentrum am Kurpark in Stuttgart.

Deswegen brauchen wir einen Sonnenschutz, um uns vor Sonnenbrand zu schützen und Hautalterung sowie Hautkrebs vorzubeugen.

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Die Haut rötet sich nicht sofort

Ein Sonnenbrand ist nicht anderes als eine Entzündungsreaktion der Haut, bei der viele Zellen zugrunde gehen. Das Tückische: Man spürt ihn nicht sofort, wie Grimme erklärt. „Erst nach sieben Stunden merkt man etwas, nach ungefähr 24 Stunden hat man den Höhepunkt erreicht.”

Auf eine Minutenangabe, ab wann ein Sonnenschutz nötig ist, möchte sich der Experte nicht festlegen. Dies sei abhängig von der Jahres- und Tageszeit, vom Breitengrad und davon, ob die Hornschicht der Haut durch den Sommer schon gebräunter geworden ist. Auch bei Schnee und Wasser, die als Oberflächen die ultraviolette Strahlung (UV) der Sonne reflektieren, muss man sich eher eincremen.

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Außerdem spielt der Hauttyp eine Rolle: Wer eine helle Haut, blonde oder rote Haare und Sommersprossen habe, müsse sich immer eincremen, sagt Grimme. Meist bekommt man ohne Schutz nach 10 bis 60 Minuten einen Sonnenbrand – auch in Deutschland.

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Vorsicht in den Bergen und am Meer

Vor allem in den Bergen sei die UV-Belastung hoch, ergänzt Apothekerin Ursula Sellerberg. „Gleichzeitig nimmt man sie bei den niedrigeren Temperaturen nicht so wahr. Das gleiche gilt am Meer.“

Doch nicht nur die Haut selbst leidet. Auch Lippen und Augen benötigen Schutz. Heiko Grimme empfiehlt deswegen einen Hut, einen Lippenstift sowie eine Brille mit UV-Schutz und bei der Sonnencreme eher Lichtschutzfaktor 50 statt 15. Aber was bedeutet diese Zahl noch einmal?

Grimme erläutert: „50 bedeutet, dass es mit dieser Creme 50 Mal so lange dauert, bis man einen Sonnenbrand kriegt als ohne.” Allerdings wird dieser Wert unter Laborbedingungen ermittelt, deshalb sollte man rund ein Drittel abziehen.

Wie lange wirkt der Sonnenschutz?

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„Ein Beispiel: Die Haut eines hellhäutigen Mitteleuropäers hat eine Eigenschutzzeit von etwa 20 Minuten“, erläutert Sellerberg, die auch Sprecherin der Bundesapothekerkammer ist. „Wer ungeschützt länger in der Sonne ist, bekommt einen Sonnenbrand.“

Reibt man sich mit einer Creme mit Lichtschutzfaktor 15 ein, verlängert sich die Schutzzeit auf 300 Minuten (20 Minuten mal 15). Davon sollte man noch einmal ein Drittel abziehen. Übrig bleiben 200 Minuten, die man theoretisch in der Sonne bleiben könnte. Zu beachten ist: Bei Kindern sind die Zeiten kürzer, da ihre Haut sich noch nicht so gut schützen kann. „Babys und Kleinkinder sollten möglichst gar nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden“, rät Sellerberg.

Sonnencreme-Faustregel: Drei Esslöffel, ein Teelöffel

Für die entsprechend lange Schutzwirkung muss auch genug Sonnencreme auf die Haut. Doch viele Menschen tragen zu wenig auf, wie Hautarzt Heiko Grimme sagt. „Die Regel lautet: Für den Körper drei Esslöffel, für das Gesicht einen Teelöffel.” Nur mit dieser Menge erreiche man auch den angegebenen Lichtschutzfaktor. Trägt man weniger auf, reduziert sich der Schutz.

Die Sonnencreme sollte vor UV-A- und UV-B-Strahlen schützen, rät Apothekerin Sellerberg. Generell lassen sich bei den Inhaltsstoffen chemische und physikalische UV-Filter unterscheiden.

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Chemische Filterstoffe sind organische Moleküle, die in die Haut einziehen und dort die kurzwellige, energiereiche UV-Strahlung in Wärme umwandeln. Physikalische Filter wie Titandioxid oder Zinkoxid dringen nicht in die Haut ein. Sie schwächen die UV-Strahlen durch Streuung und Reflexion ab. Sonnenschutzmittel enthalten laut Bundesinstitut für Risikobewertung oft beide Filtertypen.

Creme oder Spray – eine Präferenzfrage

Welche Form des Sonnenschutzes man wählt, „ist eine Frage der persönlichen Präferenz“, sagt Apothekerin Sellerberg. Cremes und Lotionen enthalten Fette. Einerseits pflegt das die Haut, kann sich aber bei fettiger Haut leicht schmierig anfühlen. Sprays hinterlassen ein trockeneres Hautgefühl, man muss sie aber „dick“ genug auftragen.

Wer im Sommer zu Hautunreinheiten neigt, kann auf fettfreie Gele ausweichen. Will man im See oder Meer baden, sollte man zudem auf Wasserfestigkeit achten – doch selbst wenn die Creme oder das Spray dies angeben, gilt: Nach dem Schwimmen habe man weniger Schutz und müsse nachcremen, wie Hautarzt Grimme sagt.

Ein häufiger Irrtum ist, dass man durch das Nachcremen die Schutzwirkung des Schutzmittels verlängert. Das stimmt nicht, erklärt Sellerberg. Nachcremen erhält lediglich den Schutzfilm.

Haltbarkeit der Sonnencreme beachten

Meist holt man die Sonnencreme irgendwann im Frühsommer aus dem Schrank und stellt sie dort im Spätsommer wieder hinein. Doch wie lange ist eine Creme eigentlich haltbar? Antwort gibt die sogenannte Aufbrauchfrist auf der Packung. Steht dort zum Beispiel „12 M“, sollte man sie nach dem Öffnen spätestens binnen zwölf Monaten aufgebraucht haben.

„Daran kann man sich orientieren“, sagt Ursula Sellerberg. Manchmal ist statt der Aufbrauchfrist ein Haltbarkeitsdatum aufgedruckt. Ob der Sonnenschutz noch über das Ablaufdatum hinaus einsetzbar ist, wurde bislang kaum erforscht. „Ich selbst nehme die Creme noch maximal in der nächsten Saison“, sagt Hautarzt Grimme.

Und zur Not lässt man das T-Shirt und die Hose einfach an. Denn Kleidung schützt auch vor UV-Strahlung. Prinzipiell gilt dabei: Je enger und dicker die Maschen des Gewebes sind, desto weniger UV-Licht kommt durch. Außerdem ist es ratsam, im Schatten zu bleiben, wenn die Sonne im Sommer mittags und am frühen Nachmittag am höchsten steht.

RND/dpa

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